Tischtennis-WM

"Dämpfer für Dima": Ovtcharov bei erneut früh gescheitert

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Bei der WM in Budapest früh ausgeschieden: Dimitrij Ovtcharov. Foto: Tibor Illyes/MTI

Er ist die frühere Nummer eins der Welt, ein World-Cup-Sieger und zweifacher Europameister: Doch bei Weltmeisterschaften im Tischtennis ist für Dimitrij Ovtcharov regelmäßig überraschend früh Schluss. Das war auch diesmal in Budapest so.

Budapest (dpa) - So schnell, wie es nur irgendwie möglich war, verließ Dimitrij Ovtcharov die Messehallen von Budapest. Sein Blick war leer, seine kurze Analyse sehr selbstkritisch.

Der frühere Weltranglisten-Erste im Tischtennis ist auch bei dieser WM wieder viel früher ausgeschieden als erwartet. Bereits in der dritten Runde verlor er in 3:4 Sätzen gegen den Kroaten Tomislav Pucar.

"Das war heute nicht gut genug", sagte Ovtcharov. "Das war ganz sicher nicht mein bestes Tischtennis." Es bleibt also dabei: Der zweimalige Europameister, der World-Cup-Sieger und der Olympia-Dritte von 2012 schafft es bei Weltmeisterschaften nicht, weiter als bis ins Achtelfinale zu kommen. Doch während er 2011 in Rotterdam oder 2017 in Düsseldorf noch an Weltklasse-Spielern wie Landsmann Timo Boll oder Koki Niwa aus Japan scheiterte, hieß seine vermeintlich lösbare Aufgabe diesmal: Pucar, 23 Jahre alt, Nummer 58 der Weltrangliste und in der Bundesliga beim TTC Rhönsprudel Fulda-Maberzell unter Vertrag.

"Das ist ein Dämpfer für Dima, gar keine Frage", sagte Richard Prause, der Sportdirektor des Deutschen Tischtennis-Bundes, kurz nach dem Match. "Aber man hat gesehen, dass die Gegner auf diesem Niveau nicht schlafen. Außerdem bin ich mir sicher: Dima wird sich jetzt sehr ärgern, er wird sich richtig schütteln - und dann geht es für ihn wieder weiter Richtung European Games und Olympische Spiele."

Ovtcharovs Niederlage bei dieser WM hat eine lange und schmerzhafte Vorgeschichte. Denn ausgerechnet auf dem Höhepunkt seiner Karriere, als er gerade zum ersten Mal zur Nummer eins der Welt aufgestiegen war, zog er sich Anfang 2018 eine langwierige Verletzung am Oberschenkelhals zu. Ovtcharov pausierte mehrere Wochen, fing dann zu früh wieder an und wurde deshalb rund um die Team-Weltmeisterschaften im vergangenen Jahr in Schweden erneut zurückgeworfen.

In den vergangenen Wochen hatte sich der 30-Jährige zwar gerade erst wieder in die internationale Spitze zurückgespielt und im Februar auch das europäische Top-16-Turnier in Montreux gewonnen. Doch seine Auftritte in Budapest zeigten: Das alte Selbstvertrauen, diese Gewissheit, zu jeder Zeit gegen jeden Gegner wieder zurückschlagen zu können - das ist noch nicht wieder da. "Es ist der Kopf. Der Kopf ist entscheidend", sagte Ovtcharov nach seiner Niederlage gegen Pucar, bevor er schnellen Schrittes aus der Halle verschwand.

Dass bei der Terminhatz zwischen internationalen Turnieren und Champions-League-Spielen für seinen russischen Club Fakel Orenburg keine Zeit für eine strukturierte WM-Vorbereitung bleibt, wollte er als Erklärung nicht gelten lassen. "Als ich Weltranglisten-Erster war, hatte ich auch keine Zeit", meinte er. "Ich hatte schon gute Ergebnisse in diesem Jahr, aber ich brauche noch mehr Konstanz."

Richard Prause kennt Ovtcharov schon seit rund 15 Jahren und sieht das genauso. "Wir haben immer gesagt: Der Weg ist noch weit, bis wir den gleichen Dima wieder zurückhaben, den wir vorher hatten. Aber wir werden ihn wieder zurückhaben, da bin ich mir sicher", sagte er.

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