Vertrauen zwischen Magath und Schalke-Bossen zerstört

+
Kurz vor dem Abgang? Felix Magath. ▪

GELSENKIRCHEN ▪ Vielleicht war es Galgenhumor, wahrscheinlich aber nur sein gefürchteter Zynismus, als Felix Magath gestern Thomas Spiegel aus der Presseabteilung scheinbar überrascht mit den Worten begrüßte: „Oh, Herr Spiegel, Sie sind noch hier?“ Wenige Stunden zuvor hatte Mediendirektor Rolf Dittrich, ein enger Vertrauter Magaths, durch den Verein die Kündigung erhalten. Ohne das Wissen des Vorstands-Mitgliedes Magath, der von der Freistellung Dittrich am Abend zuvor durch seinen Sohn erfahren habe: „Der kam zu mir und sagte, das laufe gerade im Fernsehen.“ Von Jens Greinke

Womit gestern schnell deutlich wurde, dass es längst zu enormen Rissen in der Schalker Führungsetage gekommen ist, die wahrscheinlich auch im Dialog miteinander nicht mehr gekittet werden können. Das für das Wochenende von Aufsichtsrats-Chef Clemens Tönnies angekündigte „Gespräch unter Männern“ wird zwar stattfinden, doch macht Magath keinen Hehl daraus, das er mit großen Vorbehalten in dieses Treffen gehen wird: „Ich glaube, wenn man ein Gespräch führen will, müsste man es nicht unbedingt öffentlich ankündigen. Man könnte sich verabreden, es führen und erstmal gucken, was rauskommt, bevor man an die Öffentlichkeit geht. Wir werden uns, so ist es besprochen, am Wochenende treffen“, so der Schalker Generaldirektor gestern auf der Pressekonferenz vor dem Heimspiel gegen Frankfurt (Samstag, 15.30 Uhr).

Der Umstand, dass über Magaths Kopf hinweg wichtige Entscheidungen getroffen werden, ist ein weiteres Indiz für die Entmachtung des 57-Jährigen, der gestern gut vorbereitet den Presseraum der Schalker Arena betrat. In Händen hielt er ein fragmentarisches Manuskript, in dem offenbar wichtige Aspekte im Telegramm-Stil vermerkt waren. Stichpunkte wie: „Habe Vertrag bis 2013“ oder „Bin kein Schönwettter-Trainer“. Dinge, die er später auf entsprechende Fragen beantwortete. Die Vorwürfe, die in den vergangenen Tagen durch Tönnies publik gemacht wurden, konnte Magath in keiner Weise nachvollziehen. „Dass ich nicht zu den Trainern gehören, die ihren Spielern Zucker in den Hinter blasen, war bekannt“, meinte Magath beispielsweise zu der Meldung, dass sich Kapitän Manuel Neuer und Mitglieder des Mannschaftsrates bereits mehrfach über die rüde Ansprache des Trainers beschwert hatten. „Deshalb halte ich diese Geschichte auch für vernachlässigenswert.“

Dass er mit ähnlicher Kälte und Härte auch den Vereinsangestellten auf der Schalker Geschäftsstelle begegne, bestritt Magath hingegen: „Selbstverständlich mache ich einen Unterschied zwischen einem Spieler, der im Monat mit einem siebenstelligen Betrag nach Hause geht und dem Arbeiter, der 10,04 Euro die Stunde bekommt. Ich bin aber auch niemand, der jeden in den Arm nimmt und mit ihm über die Großmutter oder den Schwiegervater spricht“, ergänzte Magath.

Der Umstand, dass seine Art die Schalker Anhängerschaft spalte, tangiert Magath nicht. „Solange ich erfolgreich arbeite, sehe ich keinen Grund, meine Art zu arbeiten zu verändern“, sagte der 57-Jährige, der mehrfach auf die Erfolge der Schalker Mannschaft unter seiner Aegide hinwies. Im blauweißen Anhang haben sich mittlerweile zwei Gegenpole entwickelt, die für teilweise groteske Situationen sorgen. Wie beim 3:1-Erfolg über den FC Valencia am Mittwoch, als die Sprechchöre von Magath-Befürwortern von Gesängen der Magath-Gegner überstimmt wurden.

Die Unterstützung, die Magath aus Teilen der Anhängerschaft genießt, hat zwar nun dazu geführt, dass auf der turnusmäßigen Aufsichtsrats-Sitzung am kommenden Montag der zunächst geplante Tagesordnungspunkt „Freistellung von Magath“ gestrichen wurde. Dennoch ist das Vertrauensverhältnis innerhalb der Führungsriege nachhaltig und irreparabel zerstört.

Quelle: wa.de

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare