Trennung zwischen Schalke und Tönnies ist perfekt: Trainer kündigt

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Clemens Tönnies ▪

GELSENKIRCHEN ▪ Für wenige Augenblicke wirkte der Medienraum der Schalker Veltins-Arena gestern Morgen wie ein Gerichtssaal. Von Frank Heidenreich

In dürren Worten verlas Richter Clemens Tönnies das Urteil, nachdem das Tribunal kurz zuvor ein wenig überraschendes, einstimmiges Votum gefällt und den Angeklagten Felix Magath in dessen Abwesenheit für schuldig befunden hatte. Die Strafe: Abberufung als Trainer, Manager und Vorstandsmitglied. „Sehr gute Gründe“ gebe es für diesen Schritt, betonte Tönnies. Einer dürfte das zerrüttete Verhältnis zur Mannschaft gewesen sein. Die gewichtigere Ursache für die Entlassung liegt indes wohl in finanziellen Aspekten, auch wenn der Aufsichtsratsvorsitzende Tönnies eine detaillierte Urteilsbegründung schuldig blieb, weil er eine juristische Auseinandersetzung fürchtete.

Am späten Nachmittag kündigte Magath über seinen Medienanwalt Ralf Höcker nach der aus seiner Sicht „unberechtigten und unwirksamen Abberufung als Vorstand“ seinen Anstellungsvertrag und bedauerte „sehr, dass meine erfolgreiche Tätigkeit für Schalke 04 ein solch unschönes Ende nehmen musste“.

Das gestrige Vereinstribunal hatte seine Entscheidung schon gefällt, bevor die für den frühen Morgen angesetzte außerordentliche Sitzung des elfköpfigen Schalker Aufsichtsrats überhaupt begonnen hatte. Die auf vier Jahre angelegte Zusammenarbeit mit Magath sollte nach nicht einmal der Hälfte der Zeit enden.

Auslöser für die Entwicklung sei „ein Schlüsselerlebnis“ in den vergangenen Tagen gewesen, das aus dem glühenden Magath-Befürworter einen vehementen Magath-Gegner machte, das dafür sorgte, „das ich mich um 180 Grad gedreht habe“, erklärte Tönnies. Und schlug seinen Ellenbogen dabei so hart auf den Tisch wie einen Richterhammer. „Ich bin für Kontinuität, aber nicht um jeden Preis“, sagte der Chef des Schalker Kontrollgremiums.

Es ist davon auszugehen, dass das Wort „Preis“ in diesem Zusammenhang ziemlich wörtlich zu nehmen ist. Denn Tönnies widersprach Magaths permanentem Hinweis, dass die Personalausgaben seit seinem Amtsantritt im Sommer 2009 gesunken seien. „Dass nachhaltig die Kosten für die Mannschaft reduziert wurden, halte ich für die Aussage von jemandem, der vielleicht nicht ganz genau hingeguckt hat“, meinte Tönnies.

Wichtiger indes: „Wir haben Revisionen gemacht und dabei Dinge nicht so vorgefunden, wie wir glaubten, sie vorfinden zu müssen“, erklärte der Aufsichtsratschef. Der schwer wiegende, wenn auch nicht explizit ausgesprochene Vorwurf: Magath hat beim Geldausgeben Alleingänge gemacht. Welche Satzungsverstöße der Coach begangen haben soll, sagte Tönnies nicht. Die „Bild“ spekuliert unter Berufung auf zwei Rechtsgutachten über eine fragwürdige, millionenschwere Prämien-Ausschüttung für die Champions League und „Nebenabsprachen mit Spielerberatern“. Diese Gelder sollen ohne Genehmigung des Aufsichtsrates geflossen sein.

Magath selbst ließ die Gelegenheit zur Verteidigung vor dem Aufsichtsrat entgegen seiner vorherigen Ankündigung verstreichen, er blieb dem Treffen fern. Sein Anwalt Höcker hatte dafür formale Argumente ins Feld geführt. Dass Magath später allerdings von sich aus seinen Anstellungsvertrag kündigte, legt zumindest die Vermutung nahe, dass die Schalker Vorwürfe Substanz haben.

Sportliche Aspekte, betonte Tönnies, hätten bei der Trennung von Magath keine Rolle gespielt. Wohl aber atmosphärische. Zweimal sei der Mannschaftsrat um Kapitän Manuel Neuer bei ihm vorstellig geworden, erzählte der Fleischfabrikant, zweimal habe er sich deswegen mit Magath zusammengesetzt. Beim ersten Treffen habe der Coach „nicht viel gesagt und im Tee gerührt“. Beim zweiten, das Tönnies herbeigeführt hatte, weil die Teamsprecher die Arbeit mit Magath als „immer schlimmer“ bezeichnet hatten, habe es „eine ziemliche Auseinandersetzung“ mit dem Trainer gegeben, erzählte Tönnies, der Magath im Verlauf des Gesprächs klar gemacht hatte: „So funktioniert Schalke nicht.“

Auch für die Stimmungsmache und die daraus resultierende Spaltung der Anhänger in zwei Blöcke machte der Aufsichtsratschef indirekt Magath verantwortlich. „Ich finde es in hohem Maße verwerflich, die Fans zu instrumentalisieren“, wetterte Tönnies – um dann hinzuzufügen: „Wer da an welchen Strippen gezogen hat, werden wir später sehen.“ Am Urteil ändert dies ohnehin nichts mehr.

Quelle: wa.de

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