Schalkes turbulente Jahreshauptversammlung

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Marcelo Bordon war von seiner Aufnahme in die Schalker „Ehrenkabine“ ergriffen. ▪

GELSENKIRCHEN ▪ Auf den meisten Gesichtern oben auf dem Podium im Gelsenkirchener Sportparadies machte sich ein gewisses Entsetzen breit, als Clemens Tönnies den Zettel mit dem ersten Abstimmungs-Ergebnis entgegennahm, durch seine dicken Brillengläser die Zahlen betrachtete und schließlich sagte: „1 542 der anwesenden Mitglieder stimmen für einen Ausschluss der Medien.“ Von Jens Greinke

Während über die Hälfte der 2 944 Mitglieder dieses Votum stürmisch beklatschte, ahnten viele Fans und die meisten Angehörigen der Schalker Führungsgremien, dass dies keine besonders weise Entscheidung gewesen sein dürfte. Sondern eher ein unnötiger Eklat. Denn einen vernünftigen Grund, die Öffentlichkeit auszuschließen, hatte es nicht gegeben.

Dass es auf der Jahreshauptversammlung 2011 phasenweise zu ähnlich skurrilen Momenten wie in den späten 80-er Jahren kam, als aus gutem Grund das Alkoholverbot für diese Veranstaltung eingeführt worden war, liegt an einem vereinsinternen Machtkampf, der jetzt offen zutage tritt. Im Vorfeld der Versammlung hatte es in den drei maßgeblichen Fan-Gruppierungen des Klubs („Ultras“ „Supporters“ und „Schalker Fanclub-Verband“) massive Aufrufe gegeben, zur Jahreshauptversammlung zu erscheinen. Hintergrund dafür waren scheinbar unwichtige Personalentscheidungen, die auf der Tagesordnung standen. So wurde gestern der siebenköpfige Wahlausschuss neu gewählt. Ein Gremium, das als eine Art Personalfilter gelten kann, weil es über die Kandidaturen für den Aufsichtsrat entscheidet. Auf der 20 Personen starken Bewerberliste für den Wahlausschuss waren gestern viele Kandidaten zu finden, denen eine große Nähe zu den Fan-Gruppierungen nachgesagt wird. Letztlich schafften genug von ihnen den Sprung in den Ausschuss, um bei Abstimmungen künftig in der Mehrheit zu sein.

Das Motto der Versammlung lautete „Wir wachsen zusammen“, doch die Risse zwischen den mächtigen Fan-Gruppen und der Vereinsführung wurden sehr deutlich. Vielleicht auch deshalb war sofort zu Beginn der Versammlung der bereits erwähnte Antrag eines Mitglieds gestellt worden, die Öffentlichkeit auszuschließen. Die Appelle von Tönnies („Transparenz ist wichtig“) und Geschäftsführer Peter Peters („Wir haben nichts zu verbergen“) fruchteten nicht, woraufhin die akkreditierten Medienvertreter die voll besetzte Halle verlassen mussten.

Trotz aller Differenzen gab es auf der Jahreshauptversammlung auch harmonische und vor allem hoch emotionale Momente. So wurde Ex-Mannschaftskapitän Marcelo Bordon mit minutenlangem Beifall bedacht, als er gemeinsam mit Otto „Ötte“ Tibulsky in die Schalker „Ehrenkabine“ gewählt wurde. Mit Tränen in den Augen erklomm Bordon die Bühne und sagte: „Ich habe nicht viele Titel mit Schalke gewonnen. Aber der beste Titel ist, einer von dieser Familie hier zu sein.“ Bordon wird am 9. Juli sein Abschiedsspiel in der Schalker Arena bestreiten.

Einig waren sich die Anwesenden auch in dem Punkt, dass das Engagement von Felix Magath zwei Jahre zuvor keine gute Idee gewesen war. Das Wirken des 57-jährigen Autokraten wurden noch einmal mit einem Pfeifkonzert bedacht, ebenso wie die Entscheidung von Nationalkeeper Manuel Neuer, zum FC Bayern München zu wechseln.

Gute Laune verbreitete hingegen die Nachricht von Manager Horst Heldt, dass der Vertrag mit Nachwuchstalent Julian Draxler vorzeitig bis 2016 verlängert wurde. Ein neues Gesicht gibt es zudem im Schalker Vorstand. Neben Heldt und Geschäftsführer Peter Peters wird ab dem 1. September Alexander Jobst dem wichtigsten Vereinsgremium angehören. Jobst ist Sport-Ökonom und war bereits für Real Madrid und den Fußball-Weltverband Fifa jeweils im Marketingbereich tätig. Diese Funktion soll er nun auch federführend beim FC Schalke 04 übernehmen.

Für eine weitere Amtszeit im Aufsichtsrat wurde außerdem Dr. Jens Buchta gewählt. Zudem löste Dr. Armin Langhorst den Finanzexperten Prof. Dr. Till Zech ab, dessen Amtszeit in diesem Gremium ausgelaufen war und dessen erneute Kandidatur vom alten Wahlausschuss offenbar abgelehnt worden war. Am Ende der Versammlung wurden Vorstand und Aufsichtsrat entlastet.

Quelle: wa.de

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