Schalke zeigt auch im Kellerduell gewohnte Schwächen

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Auch gegen die ebenfalls schwächelnden Stuttgarter reichte es für Raul und seine Schalker nicht zu einem Sieg.

GELSENKIRCHEN - Es waren bewegende Bilder, die vor der Partie auf dem großen Videowürfel in der Schalker Arena zu sehen gewesen waren. Der Stadionsprecher hatte sogar von „bewegten Bildern“ gesprochen, was natürlich auch richtig, aber nicht so gemeint war.

 Jedenfalls wurden vor dem Anpfiff der Partie gegen den VfB Stuttgart noch einmal Filmaufnahmen von der Rettung der 33 verschütteten Bergleute in Chile gezeigt, die die ganze Welt in Atem gehalten hatte und insbesondere auch viele Menschen in der ehemaligen Püttstadt Gelsenkirchen. Die Bilder sollten die Solidarität des „dem Bergbau weiterhin verbundenen FC Schalke 04“ ausdrücken, aber auch eine Metapher zur aktuellen Klubsituation darstellen.

Schließlich ist der FC Schalke 04 seit langen Wochen auch irgendwie verschütt gegangen. Gut zwei Stunden später stand fest, dass die Rettung in diesem Fall wohl noch etwas auf sich warten lassen dürfte. Auf dem Videowürfel stand ein 2:2 eingeblendet, was weitaus weniger bewegend war, als die Bilder aus Chile. Und noch nicht einmal bewegt.

Felix Magath nahm das erneut ernüchternde Ergebnis im Kellerduell gegen den Tabellenletzten scheinbar so ruhig hin wie ein nervenloser Leiter eines aufgeregten Krisenstabes. „Es gilt herauszuheben, dass wir zwei Mal die Moral hatten, einen Rückstand auszugleichen“, wies der Schalker Trainer sofort auf einen der wenigen positiven Aspekte des Schalker Auftritts hin. Zunächst hatte Edu (29.) mit einer schönen Volleyabnahme das 0:1 durch Timo Gebhart (15.) egalisiert. Und als der eingewechselte Martin Harnik in der 74. Minute die erneute Führung für die Schwaben erzielt hatte, sah sich mal wieder Klaas Jan Huntelaar genötigt, das gegnerische Tornetz zu deformieren. Für sein fünftes Tor im sechsten Bundesliga-Spiel musste dabei dieses Mal zwar ein Elfmeter herhalten, aber dieser war vom niederländischen Nationalspieler so grandios geschossen (80.), dass die Fans begeistert von ihren Sitzen aufsprangen. Einer der wenigen erfreulichen Momente für den Schalker Anhang an diesem trüben Herbst-Nachmittag.

Von denen hatten die Stuttgarter einige mehr: Die Mannschaft, erst zwei Tage vorher vom neuen Cheftrainer Jens Keller übernommen, zeigte auf Gegners Platz eine engagierte Leistung, die zurecht mit einem Punkt belohnt wurde. „Man hat gemerkt, dass ein Ruck durch das Team gegangen ist“, sagte Joker-Torschütze Harnik und lobte den neuen Coach Jens Keller: „Er ist ein guter Mann, er hat eine Riesenchance bekommen. Und man merkt deutlich, dass er sie packen will.“

Die Formation von Magath zeigte hingegen erneut die gewohnten Schwächen. Die Bindung zwischen den einzelnen Mannschaftsteilen war unpassend wie bei nicht zueinander gehörenden Puzzleteilen, die Außenverteidigung wackelte bedenklich und das Offensiv-Spiel krankte an uninspirierenden Zuspielen und Ideenlosigkeit. Mängel, die Magath längst abgestellt haben wollte.

Der Trainer war mit dem Gezeigten dennoch einverstanden. Neben der bereits angesprochenen Moral habe sich die Mannschaft auch „nach vorne weiter verbessert gezeigt“, glaubt der 57-Jährige. Zudem sei nun die Länderspiel-Saison zu Ende. „Deshalb haben wir jetzt in den nächsten Wochen mehr Gelegenheit, miteinander zu trainieren. Das sollte sich dann auch in Ergebnissen niederschlagen“, sagte Magath.

Die meisten der Schalker Spieler schienen das Remis anders zu bewerten als ihr Vorgesetzter. Viele sanken nach dem Schlusspfiff tief enttäuscht zu Boden, da die Rettung aus den unheimlichen Tiefen des Tabellenkellers noch weiter andauern wird. - JENS GREINKE

Quelle: wa.de

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