Schalke weiter im Aufruhr: Tönnies rechnet mit Magath ab

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Abgekühltes Verhältnis: Felix Magath und Clemens Tönnies. ▪

GELSENKIRCHEN ▪ Es war genau eine Minute vor zwölf, als Felix Magath vor die Tür trat. Demonstrativ amüsierte er sich über die wartenden Journalisten und stieg kommentarlos in seinen Dienstwagen. Es war noch nicht seine letzte Abfahrt auf Schalke. Zumindest bis zum Wochenende bleibt er im Amt, dann muss er zum „klärenden Gespräch“ beim Aufsichtsratsvorsitzenden Clemens Tönnies antreten. Für einen seiner engsten Vertrauten gab es schon am Tag nach dem 3:1 (1:1)-Erfolg im Champions-League-Rückspiel gegen den FC Valencia kein Zurück mehr. Pressesprecher Rolf Dittrich wurde am Abend gefeuert. Magath selbst dürfte der Nächste sein. Von Thomas Lipinski

„Ich habe in den letzten Tagen immer gesagt, dass das Spiel gegen Valencia absolute Priorität hat. Jetzt, nach unserem tollen Sieg, können wir uns wieder anderen Dingen zuwenden, die in letzter Zeit aufgelaufen sind“, ließ sich Tönnies gestern auf der S04-Internetseite zitieren und sagte über Magath: „Ich bin nicht sein Kontrahent, sondern sein Kontrolleur. Deshalb lade ich Felix Magath zu einem klärenden Gespräch unter Männern ein.“ Somit wird Magath den Medienvertretern auch bei der turnusmäßigen Pressekonferenz am Freitagmittag vor dem Bundesliga-Heimspiel am Samstag (15.30 Uhr) gegen Eintracht Frankfurt zur Verfügung stehen.

Die Uhr für Magath ist dennoch abgelaufen. Tönnies ließ daran keinen Zweifel. „Wir müssen die Reißleine ziehen. Völlig unabhängig von der Champions League. Im Verein brennt es lichterloh“, sagte der Fleischfabrikant dem kicker, allerdings vor dem Anpfiff. Tönnies rechnete regelrecht ab mit dem Münchner und Wolfsburger Meistertrainer, den er vor 21 Monaten noch als Retter für den angeschlagenen Klub geholt hatte. „Unmenschlichen Umgang“ warf er Magath vor und sprach von einem „verlorenen Jahr“.

Das Training nach dem Einzug ins Champions-League-Viertelfinale überließ Magath seinen Assistenten Seppo Eichkorn und Bernd Hollerbach. Die wenigen Kiebitze im alten Parkstadion warteten zunächst vergeblich auf den Cheftrainer. Erst später traf er auf dem Vereinsgelände ein und verschwand im Mannschaftstrakt.

Für Magath geht es gut anderthalb Jahre nach seinem Amtsantritt offenbar nur noch um den Zeitpunkt und die Modalitäten des Abgangs. Das Meinungsbild im Aufsichtsrat ist eindeutig. Doch um den Trainer und Manager als Vorstandsmitglied zu entlassen, müssen Fristen eingehalten werden. Magath muss drei Tage vor der entscheidenden Sitzung offiziell eingeladen werden und Gelegenheit zur Stellungnahme bekommen. Der Aufsichtsrat tagt turnusmäßig am kommenden Montag. Als Trainer müsste ihn der Vorstand feuern, dem neben Magath selbst Finanzvorstand Peter Peters und Sportdirektor Horst Heldt angehören.

Am Mittwochabend hatte Magath demonstrativ gelassen, ja sogar angeblich unwissend auf die Meldungen über seinen bevorstehenden Abschied reagiert. „Ich habe nichts erfahren, mit mir hat keiner gesprochen“, wiederholte er immer wieder. Was offensichtlich nicht ganz stimmte, denn auf seiner Facebook-Seite hatte er geschrieben: „Nicht verrückt machen lassen, liebe Schalker!“

Laut Medienberichten soll Griechenlands Ex-Coach und Tönnies-Freund Otto Rehhagel bei einer vorzeitigen Entlassung Magaths als Interimstrainer das Team als „Feuerwehrmann“ übernehmen und vor dem drohenden Abstiegskampf in der Bundesliga bewahren. Vom Sommer an gilt weiterhin Robin Dutt als Favorit, der allerdings dementierte: „Bisher waren alle Spekulationen falsch“, sagte der Trainer, der beim SC Freiburg noch einen Vertrag bis 2012 besitzt. „Es ist ein Traum, wie ich in Freiburg arbeiten kann.“

Im Stadion hatten viele Fans Magath den Rücken gestärkt. „Pro Magath“ und „Felix gefällt mir“ hieß es auf vielen Schildern. Von den Profis indes ergriff keiner Partei für den Trainer. „Die Mannschaft hat zusammengehalten und eine gute Antwort gegeben“, sagte Kapitän Manuel Neuer, und Benedikt Höwedes merkte kritisch an: „Der Zeitpunkt ist nicht glücklich gewählt.“ ▪ sid

Quelle: wa.de

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