Schalke-Trainer Magath siegt – und fliegt?

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Felix Magath ▪

GELSENKIRCHEN ▪ Einige Journalisten waren am Samstag-Mittag extra früh in Gelsenkirchen angereist, um die Stimmung einer angekündigten Fan-Demonstration pro Felix Magath an der „Tausend-Freunde-Mauer“ zu dokumentieren. Von Jens Greinke

Doch tausend oder mehr Freunde scheint der 57-Jährige nur noch auf seiner Facebook-Seite zu haben. Die Demo fiel ebenso ins Wasser wie eine von vielen prognostizierte Sympathie-Kundgebung wenig später in der ausverkauften Arena. Nur vereinzelt hatten Fans mit Transparenten für eine Weiterbeschäftigung des umstrittenen Generaldirektors demonstriert. Plakate wie „Die Zeit der Diktatur ist vorbei“ oder „Hoffnungsträger rausgeschmissen, auf die Fans geschissen, Magath raus!“ waren leicht in der Mehrheit. Und selbst der skurrile, weil durch kuriose Tore entstandene 2:1 (1:0)-Sieg über Eintracht Frankfurt ließ die Stimmung im Stadion nicht pro Magath kippen.

Dass der 57-Jährige aller Voraussicht nach bald kein Trainer mehr auf Schalke ist, scheint immer sicherer. Am Sonntag bestätigte der Klub dass der Aufsichtsrat zu einer weiteren Sitzung am Mittwoch zusammenkommt. Bereits heute sollte über eine „Freistellung des Vorstands-Mitgliedes Magath“ in der turnusmäßigen Sitzung des Aufsichtsrates beraten werden, doch waren die entsprechenden Einladungen in der vergangenen Woche in letzter Minute nicht verschickt worden. Die Schalker Satzung verlangt bei solch‘ wichtigen Personal-Entscheidungen einen dreitägigen Vorlauf. Magath hat nun am Wochendende fristgemäß eine Einladung zur Sitzung am Mittwoch erhalten haben, in der er sein Verhalten rechtfertigen könnte. Ob der 57-Jährige tatsächlich vor dem Aufsichtsrat Rede und Antwort steht, ist jedoch fraglich.

Magath war am Samstag nicht so vermessen gewesen, das fast schon unglaubliche Siegtor von Angelos Charisteas für seine Zwecke zu missbrauchen. „Es war natürlich glücklich, dass er mit seinem ersten Ballkontakt für Schalke das Siegtor in dieser Partie schießt“, sagte Magath über den Treffer des ehemaligen griechischen Nationalspielers, der bis dahin als Sinnbild für Magaths konzeptlose Einkaufspolitik galt. Charisteas hatte in der 84. Minute ein weiter Pass von Schalke-Keeper Manuel Neuer erreicht, den er 48 Sekunden nach seiner Einwechslung zum 2:1 nutzte. Eine fast schon surreale Szene. Ansonsten blieb Magath der von sich selbst überzeugte Mann, den keine Selbstzweifel plagen. Auf die Frage, ob er glaube, in der kommenden Saison immer noch Trainer des FC Schalke 04 zu sein, antwortete er: „Ja klar, wer denn sonst?“ Mannschaftskapitän und Keeper Manuel Neuer, der durch einen Stellungsfehler Frankfurts das zwischenzeitlich 1:1 durch einen 73-Meter-Schuss von Georgios Tzavellas ermöglicht hatte, wollte sich zur angespannten Situation im Verein erneut nicht öffentlich äußern: „Ich möchte nur Fragen zum Spiel beantworten“, blieb der 24-Jährige neutral.

So steht eines der größten personellen Missverständnisse der jüngeren Schalker Vergangenheit wohl kurz vor dem Ende – eines, dass den Verein teuer zu stehen kommen wird. Magath und seine von ihm nach Gelsenkirchen geholten Vertrauten sind mit hoch dotierten Verträgen ausgestattet, die bis Juni 2013 laufen. Während Magaths jährliches Salär auf sechs Millionen Euro geschätzt wird, sollen weitere vier bis fünf Millionen Euro an seinen Stab fließen. Der von Magath aus Wolfsburg mitgebrachte Pressesprecher Rolf Dittrich, der am Freitag durch die beiden anderen Vereins-Vorstände Horst Heldt und Peter Peters gegen den Willen Magaths freigestellt wurde, soll intern mit seinem hohen Monatsgehalt von angeblich über 25 000 Euro geprahlt haben.

Über Inhalte des „Gesprächs unter Männern“, dass am Sonntag zwischen Magath und Tönnies in Düsseldorf stattfand, wurden keine Details bekannt. „Wir haben die Probleme sachlich diskutiert. Felix Magath kann sich in der Aufsichtsrats-Sitzung äußern. Ansonsten haben wir Stillschweigen vereinbart“, sagte Tönnies nach der rund 30-minütigen Unterhaltung der „Bild“.

Quelle: wa.de

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