Schalke mit Selbstvertrauen und Vorsicht gegen Inter

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Der 19-jährige Joel Matip lieferte in Mailand eine famose Leistung in der Schalker Viererkette ab. ▪

GELSENKIRCHEN ▪ Vor gut einer Woche hatte sich Joel Matip nach dem Schlusspfiff im Guiseppe-Meazza-Stadion Samuel Eto‘o zugewandt und ihm die Hand auf die Schulter gelegt. Von Jens Greinke

Der 19-Jährige Nachwuchsspieler aus Gelsenkirchen tröstete Inter Mailands Superstar, der in der Nationalmannschaft Kameruns sein Kapitän ist. Doch Eto‘o war an diesem Abend für Zuwendungen dieser Art nicht zugänglich gewesen, dafür hatte das schrill leuchtende 2:5 auf der Anzeigetafel gesorgt. Wofür unter anderem Joel Matip nicht nur mit seinem Tor, sondern auch mit seiner famosen Leistung in der Schalker Viererkette gesorgt hatte. Und auch heute darf Eto‘o allerhöchstens nach dem Schlusspfiff auf jedwede Art von Zuspruch von Matip hoffen: „Er ist für mich morgen nur ein Gegenspieler, den ich bekämpfen werde wie jeden anderen.“ Auch, wenn er den 30-Jährigen weiterhin bewundert.

Die Schalker gehen mit viel Selbstbewusstsein, aber auch mit der nötigen Vorsicht in das Rückspiel des Champion-League-Viertelfinales gegen Inter Mailand (20.45 Uhr/Sky und Sat.1). Und müssen dabei nicht nur gegen die Italiener, sondern auch gegen einen anderen, unsichtbaren Gegner bestehen: der scheinbar sichere Vorsprung sorgt jedenfalls für jede Menge Druck auf den Schultern der Königsblauen. Nicht auszudenken, wenn die Mannschaft sich den historischen Einzug ins Halbfinale der Königsklasse vor eigenem Publikum noch nehmen ließe.

Weshalb Ralf Rangnick mit Nachdruck darauf hinweist, „dass sozusagen erst eine Halbzeit gespielt ist“. Schalkes Trainer fordert von seinen Schützlingen, das phänomenale 5:2 aus dem Hinspiel heute Abend zu vergessen. „Wir gehen mit einem 0:0 in diese Partie. Das Spiel ist noch nicht vorbei.“

Rangnicks Warnungen finden in der Mannschaft Gehör. „Wir haben zwar einen guten Vorsprung, aber wir müssen auf alles gefasst sein“, sagt Matip. Der Kameruner Nationalspieler hat noch gut in Erinnerung, welch‘ exquisite Offensive in der vergangenen Woche die Schalker Abwehr immer wieder in die Bedrouille gebracht hatte. Das Trio mit Eto‘o, Diego Milito und Wesley Sneijder gehört sicherlich zum besten, was der europäische Fußball an Angriffskunst derzeit zu bieten hat. Dennoch hatten es die Schalker in San Siro geschafft, nicht nur einen zweimaligen Rückstand wettzumachen, sondern Inter die höchste Heimniederlage in dessen Europapokal-Geschichte zuzufügen. Was auch an der äußerst instabilen Defensive Mailands lag. Auch der Umstand, das der im Hinspiel gesperrte Lucio ins Team zurückkehrt, erschüttert das Schalker Selbstvertrauen nicht. „Auch Verona hatte im Meisterschaftsspiel am Samstag drei, vier gute Chancen“, hat Rangnick per Videoanalyse herausgefunden.

Wichtig wird es sein, dass die Schalker mit dem Rollenwechsel umgehen. Aus den Außenseitern von vor einer Woche sind die Favoriten in diesem Viertelfinale geworden. Die Mailänder hingegen können befreit aufspielen, der Titelverteidiger hat nicht mehr viel zu verlieren. „Inter muss volles Risiko gehen. Das wird uns Räume geben“, glaubt Rangnick.

Wer den gelb-gesperrten Jefferson Farfan auf dem rechten Flügel ersetzen wird, wollte Rangnick noch nicht verraten. Auch, ob Innenverteidiger Christoph Metzelder (Nasenbeinbruch) wieder einsatzfähig sein wird, war noch nicht klar. Auf alle Fälle wird sich den Mailändern bei ihren Angriffsversuchen wieder Joel Matip in den Weg stellen. Und ganz bestimmt werden bei den Gästen dann schlechte Erinnerungen wach – nicht nur bei Eto‘o.

Quelle: wa.de

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