Schalke schöpft nach Sieg in Champions League neue Hoffnung

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Zwei Hauptdarsteller gegen Tel Aviv: Raúl und Christoph Metzelder. ▪

GELSENKIRCHEN ▪ Es gab exakt zwei Schalker, die sich in der Schlussphase der Partie am Mittwochabend sichtlich ärgerten. Vorne im Sturm jagte Klaas Jan Huntelaar unermüdlich hinter jedem Ball her, um doch noch sein obligatorisches Tor zu schießen – letztlich vergeblich. Von Jens Greinke

Schalkes Goalgetter, der in den vergangene sechs Pflichtspielen getroffen hatte, musste sich mit einem Hapoel-Trikot als Trophäe an diesem Abend trösten. Und dann war da noch Manuel Neuer, der den Ball in der tatsächlich letzten Spielsekunde noch hatte passieren lassen müssen. Die Schimpftiraden von Schalkes Keeper angesichts dieses vermeidbaren Gegentreffers vermischten sich mit dem Schlusspfiff von Schiedsrichter William Collum aus Schottland.

Die beiden Einzelschicksale konnten die Stimmung nach dem 3:1 (1:0) der Schalker über Hapoel Tel Aviv allerdings nicht allzu sehr trüben. Sämtliche am Erfolg beteiligten Männer zeigten sich sehr aufgeräumt und gut gelaunt. So meinte Innenverteidiger Christoph Metzelder zum Gegentor der Israelis in der 93. Minute lapidar: „Da war ich schon auf dem Weg in die Kabine.“ Der Gegentreffer gegen eine phasenweise orientierungslose und selten gefährliche israelische Mannschaft war nur ein winzig kleiner Wermutstropfen, der den delikaten Gesamtgeschmack an diesem Abend nur unwesentlich schmälerte. Einerseits haben die Schalker nach diesem Sieg hervorragende Chancen, das Achtelfinale der Champions League zu erreichen. Mit sechs Punkten steht das Team von Trainer Felix Magath derzeit hinter Olympique Lyon (9) auf dem zweiten Rang. Andererseits dürfte der engagierte und vielversprechende Auftritt in der Königsklasse auch neuen Rückenwind für die Bundesliga geben. „Aber darauf dürfen wir uns nicht verlassen“, schränkte Felix Magath ein. Auch nach dem 2:0-Heimsieg über Benfica Lissabon hatten die Schalker auf eine Initialzündung gehofft, es folgte eine 1:2-Niederlage beim 1. FC Nürnberg.

Der Mann des Abends war gegen Tel Aviv Raúl gewesen. Die spanische Stürmer-Legende schrieb mit seinen beiden Treffern (3./58.) Europapokal-Geschichte. Der 33-Jährige wird von der Uefa nun mit insgesamt 70 Europacup-Toren als alleiniger Spitzenreiter in der ewigen Torjägerliste geführt. Doch nicht nur die beiden Treffer ließen Raúl in einer insgesamt guten Schalker Mannschaft hervorstechen. Der Weltstar rannte und kämpfte, als wolle er sich den Stammplatz erarbeiten, den er unter Felix Magath sowieso schon inne hat. „Das ist etwas, wofür er eigentlich nicht geholt wurde“, sagte Schalkes Trainer angesichts des enormen Arbeits-Pensums des Stürmers, was aber natürlich keine Rüge darstellen sollte. Magaths Hoffnung, dass der bisweilen unglücklich agierende Ex-Madrilene bald auch die Sympathien des Schalker Publikums erlangt, war bereits am Mittwochabend in Erfüllung gegangen. Als sich der 33-Jährige in der Schlussphase derart vehement in einen Zweikampf geworfen hatte, als ginge es dabei um den WM-Pokal, ging ein lang gezogenens, ehrfurchtsvolles „Raúúúl“-Raunen durchs Stadion. „Ich sehe ihn jedem Tag im Training und freue mich immer, mit ihm zu arbeiten. Er ist so oder so ein Gewinn für Schalke, ob er spielt oder nicht“, sagte Magath. Schalkes Trainer lobte neben Raúl aber auch Metzelder, der gegen Tel Aviv einen seiner bislang besten Auftritte im Schalker Trikot abgeliefert hatte: „Er wird immer stärker, er wächst in seine Rolle als Abwehrchef hinein.“

Quelle: wa.de

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