Huntelaar köpft Schalke Richtung Champions League 

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Klaas-Jan Huntelaar inmitten jubelnder Kollegen.

[UPDATE] GELSENKIRCHEN - Der FC Schalke 04 hat die Patzer der Konkurrenz genutzt und ist dank Klaas-Jan Huntelaar auf den dritten Tabellenplatz der Fußball-Bundesliga gestürmt.

Von Jens Greinke

Lewis Holtby sah ein wenig aus wie ein Tourist, der gerade vom Strand kommt und auf dem Weg zur Hotelbar ist. Dem 21-Jährige baumelte eine Sonnenbrille am Kragenausschnitt des Polo-Shirts, dazu trug er Shorts und Turnschuhe. „Ein super Tag. Wir haben gewonnen, da scheint bei mir dann immer die Sonne, deshalb habe ich kurze Hosen an“, sagte Holtby, während über der Schalker Arena schon längst die Dunkelheit hereingebrochen war.

Die Stimmung im Schalker Lager nach dem 2:0 (1:0)-Erfolg über Bayer Leverkusen war allerdings so luftig und locker, dass die tatsächliche Witterung keinen Einfluss auf die Gemütslage der Blauweißen hatte. „Wir haben unsere Chance genutzt. Es war für uns eine zusätzliche Motivation, dass Gladbach heute Nachmittag strauchelte“, sagte Julian Draxler.

Durch die gleichzeitige Niederlage der Fohlen gegen Hoffenheim eroberten die Schalker den dritten Tabellenrang. Angesichts von nunmehr 13 Punkten Vorsprung auf Bayer Leverkusen und Werder Bremen auf Platz fünf und sechs ist der vierte Rang, der zum Champions-League-Qualifikationsspiel berechtigt, zu 99 Prozent sicher. Schalke müsste sich schon vier Niederlagen und ein Remis in den letzten sieben Saisonspielen erlauben – gleichzeitig müssten Leverkusen oder Bremen mindestens vier Siege feiern.

Doch die Schalker richten den Blick seit Samstag eher nach oben: „Je näher man der Spitze kommt, desto leckerer riecht es“, sagte Lewis Holtby. Und der erneut überragende Klaas-Jan Huntelaar sagte: „Wir konzentrieren uns nun auf Platz drei.“

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Schalke-Leverkusen 2:0 - Eindrücke aus der Veltins-Arena

Dies dürfte Horst Heldt freuen. Für den 42-Jährigen wäre es eine enorme Arbeitserleichterung, so früh wie möglich die sichere Qualifikation für die Champions League zu erreichen. Weshalb sich der Manager der positiven Verstärkung bedient: „Es wäre natürlich entspannter gewesen, wenn wir den Sack früher zugemacht hätten. Aber ich möchte nach diesem tollen Spiel nichts kritisieren.“

Tatsächlich drohte nach der 1:0-Führung durch Huntelaar (18.) im zweiten Abschnitt kurzzeitig der Ausgleich. Doch die Leverkusener wirkten nach kurzem Aufbäumen plötzlich wieder müde und ausgelaugt. Vier Minuten vor dem Ende hatte erneut Huntelaar dem Spuk endgültig ein Ende gemacht.

Pünktlich zum Saison-Endspurt haben die Schalker einen enormen Lauf. Trotz der vielen Ausfälle in der Abwehr steht die Defensive stabil. Gegen Leverkusen war es Kyriagos Papadopoulos, der eine überragende Partie in der Innenverteidigung ablieferte. Wahrscheinlich wird der junge Grieche als erster Spieler in die Bundesliga-Geschichte eingehen, dem aus 65 Metern ein Kopfballtreffer gelingt. „Der Papa köpft die Bälle ja fast bis ins gegnerische Tor“, zeigte sich Holtby als beeindruckter Bewunderer der Defensiv-Kunst des stämmigen Hellenen.

Die Schalker Fans honorierten die hohe Bereitschaft der Spieler am Samstag mit einer grandiosen Atmosphäre in der Arena. „Ich möchte die Fans loben. Die Wechselwirkung zwischen Tribüne und Mannschaft war super, die Unterstützung hat uns zusätzlich Kraft gegeben“, sagte Trainer Huub Stevens.

Tönnies geht für Raul und Huntelaar an die Grenzen:

Schalkes Aufsichtsratsvorsitzender Clemens Tönnies will an die finanziellen Grenzen des Klubs gehen, um die Topstürmer Raul und Klaas-Jan Huntelaar zu halten. Dem Niederländer Huntelaar, der in 39 Saison-Pflichtspielen insgesamt 40 Tore erzielt hat, stellte Tönnies bei Sport1 ein "Top-Angebot" in Aussicht, weil "wir ihn gerne behalten wollen". Im Fall Raul hat Schalke laut Tönnies bereits das getan, was möglich war, deshalb gibt es eine deutliche Ansage an den spanischen Weltstar. "Wir haben das Portmonee so weit aufgemacht, wie es unser Konsolidierungskurs zulässt. Zunächst einmal sind wir stolz, dass Raul hier bei uns spielt. Ihm einen Zweijahresvertrag zu geben, halte ich aber nicht für sinnvoll", sagte Tönnies. Und: "Ich sage es ganz deutlich: Wir wollen ihn gerne halten - und zwar für ein Jahr. Wir verpflichten doch keinen Weltstar, um ihm dann ein Jahr auf die Bank zu setzen. Das würde dem Spieler nicht gerecht werden." Der unter Ex-Trainer Felix Magath stetig angewachsene Kader soll stark verschlankt werden. "Generell ist zu sagen, dass der Kader unbedingt ausgedünnt werden muss. Er ist einfach zu aufgebläht und finanziell nicht tragbar", sagte Tönnies in der Sendung "Doppelpass". - sid

Schalkes Ersatzspieler gewinnen 9:1 im Testspiel:

Einen Tag nach dem 2:0-Sieg in der Fußball-Bundesliga gegen Bayer Leverkusen hat der FC Schalke 04 ein Testspiel beim NRW-Ligisten Schwarz-Weiß Essen gewonnen. Beim 9:1 (4:0) vor 1700 Zuschauern im Stadion Uhlenkrug trafen Ciprian Marica, Alexander Baumjohann (jeweils 2), Teemu Pukki, Tim Hoogland, Sergio Escudero, Christoph Moritz und José Manuel Jurado für die mit ihren derzeitigen Ersatzspielern angetretenen Gelsenkirchener. - lnw

Quelle: wa.de

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