Bruma und Matondo

Sportlich riskante Winter-Transfers: So wehrt sich Heidel gegen Kritik

Schalkes Sportvorstand Christian Heidel.
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Schalkes Sportvorstand Christian Heidel.

Schalke 04 hat mit Jeffrey Bruma und Rabbi Matondo Spieler verpflichtet, die Königsblau wohl nicht sofort weiterhelfen. Es sind sportlich riskante Transfers, die Manager Christian Heidel verteidigt.

Gelsenkirchen – Christian Heidel war gerade im Verteidigungsmodus, als die Technik ihm einen kleinen Streich gespielt hatte. Der Sportvorstand von Schalke 04 hatte gerade erklären wollen, dass die Ausbeute der Winter-Transfers überhaupt nichts damit zu tun hätte, dass Königsblau die Saison schon hergeschenkt hätte – und plötzlich war ein lautes Rauschen zu hören. Das Mikro hatte einen kurzen Aussetzer, ehe der 55-Jährige fortführen konnte.

Natürlich ist Heidel erfahren genug, um mit solchen Aussetzern souverän umzugehen. Genauso dafür, die getätigten Winter-Einkäufe gegen die aufkommende Kritik zu verteidigen. Vermutlich wissen aber auch die Protagonisten, dass die durchaus berechtigt ist. Weil sie sich eingestehen mussten, dass nicht mehr drin war.

Trainer Domenico Tedesco hatte Verstärkung gefordert. Als Sofort-Hilfe. Für die Offensive. Und für die Defensive als Ersatz für Naldo. Gekommen ist Innenverteidiger Jeffrey Bruma (27/halbjähriges Leihgeschäft), der beim VfL Wolfsburg Reservist war und in dieser Saison noch kein Pflichtspiel absolviert hat.

Bruma mache "wachen Eindruck"

"Er macht einen sehr wachen Eindruck, er hat Lust. Das ist die Basis für schnelle Adaption", erklärte Tedesco vor dem Schalker Heimspiel am Samstagabend gegen Borussia Mönchengladbach (18.30 Uhr/bei uns im Live-Ticker).

Jeffrey Bruma ist für den Rest der Saison von Wolfsburg an Schalke ausgeliehen.

Dazu Außenstürmer Rabbi Matondo (18), für neun Millionen Euro (zuzüglich möglicher Bonus-Zahlungen von maximal zwei Millionen Euro) von Manchester City gekommen. Ein hoch gehandeltes Talent, das sich erst einmal Profi-Fußball zurechtfinden muss. Und somit aller Voraussicht nach nicht die direkte Unterstützung ist. „Mit Rabbi haben wir jemanden geholt, der uns mittel- bis langfristig weiterhelfen wird und an dem wir hoffentlich viel Freude haben werden“, erklärte Tedesco, aber: „Es braucht Zeit, und die wird er bekommen.“

"Haben Matondo nicht für die übernächste Saison geholt"

Auf Schalke hoffen sie natürlich, dass es schnell geht. Heidel dazu: „Man darf nicht vergessen, dass er erst 18 ist. Aber wir haben ihn auch nicht für die übernächste Saison geholt.“ Ob es für die laufende reichen wird, ist aber fraglich. Mindestens genauso dringend wie ein neuer Verteidiger war jemand für die Stürmer-Position.

Gehandelt wurden einige Namen, gekommen ist niemand. Was Tedesco überhaupt nicht schmeckt, auch wenn er das öffentlich nie sagen würde. Er konzentriere sich auf die Spieler, die da sind, sagte er. Der Kader sei gut.

Und er verwies auf zwei Prämissen. Nummer eins: „Der Spieler muss uns sofort helfen. Es hat keinen Sinn jemanden zu holen, der nicht im Saft ist.“ Nummer zwei: „Es muss finanziell für den Verein stemmbar sein.“ Ergebnis: „Dieses Paket haben wir eben nicht gefunden.“

Gleiches Personal wie in der Hinserie

Heißt: Tedesco muss nahezu mit dem gleichen Personal aus der Hinserie weiterarbeiten. Auch wenn er neues gefordert hatte, um die Fehler eben jener Vorrunde zu korrigieren. „Es ist klar, dass der Verein keine Risiken eingehen wird, die später unter Umständen zu irgendwelchen Problemen führen“, erklärte Heidel: „Das ist eine Vorgabe des Aufsichtsrates, aber das teile ich zu 100 Prozent.“

Was so viel bedeutet wie: Schalke hatte und hat kein Geld für große Namen. Alle Beteiligten, so sagte es der Manager, seien sich einig gewesen: „Wenn es eine Möglichkeit gibt, diesen Spieler zu verpflichten, werden wir entsprechend warten. Alles war davon abhängig.“

Schalkes Trainer Domenico Tedesco (links) ist zuversichtlich, dass Rabbi Matondo mittelfristig helfen wird.

Auch die Verpflichtung beziehungsweise Leihe von Bruma lässt sich im Umkehrschluss so deuten: Bruma war offensichtlich nicht die erste Wahl. Für beide Positionen hat Schalke Abstriche gemacht. Bei beiden muss mindestens bezweifelt werden, dass sie für die Rückrunde eine echte Verstärkung sind. Ja, Matondo mag eine Investition in die Zukunft sein. Kurzfristig hat Tedesco davon jedoch sehr wahrscheinlich herzlich wenig.

Hoffen auf Rückkehrer

„Die Verpflichtung eines weiteren Stürmers ist durch den Transfer von Matondo unmöglich gewesen“, erläuterte Heidel, der den Waliser nach eigener Aussage schon seit einem guten halben Jahr beobachtet habe. Dazu betonte er: „Wir hätten Spieler bekommen, aber es war keiner dabei, bei dem wir gesagt haben: Wirtschaftlich und sportlich ist es das, was Schalke 04 braucht.“

Viel mehr hoffen die Knappen auf eine baldige Rückkehr der verletzten Guido Burgstaller und Breel Embolo. Während der Österreicher Burgstaller wieder in Teilen mit der Mannschaft trainiert, ist beim Schweizer Embolo spätestens im März mit einer Rückkehr zu rechnen. Dazu wird es einige Zeit dauern, bis er ansatzweise wieder in Form kommt. Königsblau vermied mit dieser Entscheidung zwar ein wirtschaftliches Risiko, geht damit mit Blick auf die laufende Saison jedoch ein sportliches ein.

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Quelle: wa.de

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