Schalke in Leverkusen erschreckend schwach

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Leverkusens Sidney Sam und Schalkes Anthony Annan kämpfen um den Ball. Rechts Michael Ballack. ▪

LEVERKUSEN ▪ Wäre nicht klar gewesen, dass Seppo Eichkorn nicht nur sein erstes sondern auch sein letztes Spiel als Cheftrainer des FC Schalke 04 absolviert hatte, hätte man sich um den Fortgang der Karriere des 54-Jährigen am Sonntag Nachmittag Sorgen machen müssen.

Eichkorn, ehemals getreuer Co-Trainer von Felix Magath, hatte an der Seitenauslinie zwar oft und am Ende verzweifelt gestikuliert, doch nach dem Schlusspfiff sah man den hageren Mann mit den rötlichen Haaren resigniert in den Katakomben verschwinden. Seine Kurz-Mission als Cheftrainer war ziemlich in die Hose gegangen: Mit 0:2 (0:2) unterlagen die Schalker bei Bayer Leverkusen. Und man musste einen Klassenunterschied zwischen beiden Teams konstatieren.

Während Leverkusens Michael Ballack seine hervorragende Leistung im Bayer-Trikot per Megaphon mit den Fans feierte, blickten viele der Schalker Spieler enttäuscht auf die Anzeigetafel. „Ausschlaggebend war heute die erste Halbzeit. Da konnten wir keinen gescheiten Fußball spielen“, sagte Mannschaftskapitän Manuel Neuer, der mal wieder bewiesen hatte, dass er ein spektakulär guter Torwart ist. Doch all sein Talent hatte ihm bei den beiden Gegentreffern nicht geholfen: Eren Derdiyoks Traumschuss in der 19. Minute schlug ebenso unhaltbar ein wie Christoph Metzelders Kopfball in der 27. Minute – ein fast schon tragisches Eigentor des gesundheitlich angeschlagenen Innenverteidigers, das in dieser Partie die Vorentscheidung gebracht hatte. Die Schalker zeigten in der zweiten Halbzeit zwar eine weitaus bessere Leistung, doch reichten die Bemühungen der Gäste nicht einmal für eine viel versprechende Torchance.

Die Leverkusener hingegen setzten ungeachtet der Trainer-Spekulationen und ihres Europacup-Aus‘ gegen Villarreal am Donnerstag ihre gute Serie in der Liga fort. Durch den Sieg festigten sie einerseits den zweiten Tabellenplatz, andererseits verkürzten sie den Rückstand auf Borussia Dortmund auf sieben Punkte. Dennoch richtig Trainer Jupp Heynckes lieber den Blick nach unten und warnt: „Es war wichtig, dass wir heute diesen Erfolg feiern konnten und Hannover 96 und Bayern München auf Distanz gehalten haben.“ Zu seiner Zukunft wollte sich Heynckes nicht äußern. „Ich mache meine Entscheidung nicht von Meldungen abhängig“, kommentierte der 65-Jährige das Gerücht, Freiburgs Coach Robin Dutt würde im Sommer nach Leverkusen wechseln: „Ich treffe mich am Montag mit der sportlichen Leitung von Bayer und hoffe, dass wir danach eine Entscheidung bekannt geben werden“, so Heynckes. Die Wahrscheinlichkeit, dass der Trainer-Senior zu den Bayern nach München wechselt, wird in der Szene jedoch als ziemlich groß eingeschätzt.

Die Schalker haben diese Trainer-Diskussionen bereits hinter sich. Heute tritt Ralf Rangnick zum zweiten Mal in seiner Karriere seinen Dienst in Gelsenkirchen an, um 11 Uhr wird der neue Trainer offiziell vorgestellt und danach seine Arbeit aufnehmen. Manuel Neuer erwünscht sich dadurch wichtige Impulse und sagte gestern am Ende eines verlorenen Tages: „Ich hoffe, dass wir unter dem neuen Trainer voran kommen, erfolgreichen Fußball spielen und alle Spieler dabei mitnehmen.“ Zudem warnte der Nationalkeeper mit Nachdruck davor, die aktuelle Tabellensituation der Schalker auf die leichte Schulter zu nehmen: „Wir sind Zehnter mit fünf Punkten Vorsprung auf den Relegationsplatz. Das ist eine gefährliche Situation, wir dürfen uns nicht ausruhen.“

Fest steht, dass auf Ralf Rangnick viel Arbeit zukommen wird, der 52-Jährige übernimmt das Kommando auf einer ziemlich großen Baustelle. Immerhin erhält er durch die Länderspielpause eine gewisse Einarbeitungszeit. Danach folgen zwei wichtige Partien in der Meisterschaft: Zunächst geht es am 1. April zum FC St. Pauli, ehe eine Woche später Felix Magath mit dem VfL Wolfsburg in die Schalker Arena zurückkehrt.

Jens Greinke

Quelle: wa.de

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