Schalke holt Rangnick als Magath-Nachfolger

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Kehrt zurück auf die Schalker Trainerbank: Ralf Rangnick. ▪

GELSENKIRCHEN ▪ Wenn Ralf Rangnick am Montag als neuer Trainer des FC Schalke 04 offiziell vorgestellt wird, wird es ein Missverständnis nicht mehr geben. Der heute 52-Jährige, der 2004 schon einmal als Coach des Traditionsvereins präsentiert worden war, musste seinerzeit damit leben, dass er von Rudi Assauer hartnäckig mit „Rolf“ angesprochen wurde. Von Jens Greinke

Horst Heldt, seit Mittwoch der neue Manager des FC Schalke 04, kennt Rangnick dafür zu gut: „Wir brauchten einen Trainer der zum Verein passt, der die Werte des Klubs mitträgt“, sagte Heldt kurz nach der Bekanntgabe der Nachricht.

Damit ist die Nachfolge des nur einen Tag vorher freigestellten Felix Magath schneller geregelt, als es die meisten Beobachter erwartet hatte. Horst Heldt, der Magath gut 24 Stunden zuvor auf dem Managerposten beerbt hatte, verlor nicht viel Zeit, auch eine Nachfolge-Lösung auf der Trainerbank zu finden. Bereits am Nachmittag hatte der 42-Jährige in einem Gespräch mit Journalisten angekündigt, den neuen Coach möglicherweise schon bald präsentieren zu können. Letztlich dauerte es nur ein paar Minuten, nachdem Heldt wieder in seinem Büro verschwunden war, dass der Klub das Engagement Rangnicks offiziell bestätigte. Der 52-Jährige, der zuletzt von 2006 bis 2011 die TSG Hoffenheim trainiert hatte, erhält einen Vertrag bis 2014 und wird in der nächsten Woche die Arbeit in Gelsenkirchen aufnehmen. Am Sonntag, beim nächsten Bundesliga-Spiel bei Bayer Leverkusen (15.30 Uhr), wird vorerst noch Seppo Eichkorn, einer der bisherigen Assistenz-Trainer Magaths, die Mannschaft betreuen.

Der Klub wendet sich damit definitiv von der macht-monopolistischen Philosophie Magaths ab. „Das Projekt Allmacht ist gescheitert“, hatte Aufsichtsrats-Chef Clemens Tönnies bereits am Mittwoch konstatiert, als er die Trennung von Magath bekannt gegeben hatte. Vorbei sein dürfte nun auch der autokratische Stil, mit dem Magath den FC Schalke 04 fast eindreiviertel Jahre geleitet und nach Ansicht vieler malträtiert hatte.

Für Rangnick ist es auf Schalke die zweite Chance, Fuß zu fassen. Seine erste Amtszeit von September 2004 bis Dezember 2005 war sportlich zwar relativ erfolgreich. Rangnick holte während dieses Engagements im Schnitt zwei Punkte pro Bundesliga-Spiel und ist damit einer der erfolgreichsten Trainer der jüngeren Vereinsgeschichte. Dennoch entzweite sich die damalige Führung mit Manager Rudi Assauer an der Spitze mit dem manchmal kühl wirkenden Theoretiker Rangnick. Der damals 47-Jährige hatte am 10. Dezember 2005 seinen Rauswurf schließlich provoziert, als er vor dem Heimspiel gegen den FSV Mainz 05 eine Ehrenrunde in der Schalker Arena gelaufen war und sich bei den Fans verabschiedet hatte. Rangnick nannte damals die „politischen Possenspiele“ auf Schalke als Grund für seinen Abschied.

Tatsächlich trifft Rangnick nun auf ein anderes Schalke. Zwar ist der Verein nach der Trennung von Magath nicht unbedingt in einem beneidenswerten Zustand, doch kann sich Rangnick dieses Mal einer großen Unterstützung sicher sein. Für Horst Heldt war diplomierte Sport- und Englisch-Lehrer jedenfalls die Optimalbesetzung. „Ich schätze die ganzheitliche Handschrift von Rangnicks Trainerarbeit“, sagt Schalkes neuer starker Mann: „Beim VfB Stuttgart hat er als Cheftrainer zum Beispiel eine Jugendarbeit konzipiert, von der der Verein noch heute profitiert.“

Die Arbeit, die auf Rangnick in den kommenden Monaten zukommen wird, ist immens. Zum einen muss er aus dem weiterhin riesigen Schalker Aufgebot einen wettbewerbsfähigen Kader für die kommende Spielzeit formen. Zum anderen warten in der laufenden Saison noch wichtige Aufgaben. In der Meisterschaft findet Heldt die Situation des Tabellenzehnten „weiterhin kritisch“. Der Abstand zum Relegationsplatz beträgt nur fünf Punkte. Zudem steht noch das DFB-Pokal-Finale gegen den MSV Duisburg am 21. Mai an. Und heute werden die Königsblauen nach der Auslosung in der Uefa-Zentrale in Nyon (ab 12 Uhr) erfahren, auf wen sie im Viertelfinale der Champions League treffen. Horst Heldt hat dabei übrigens klare Präferenzen: „In Madrid war ich noch nie.“

Quelle: wa.de

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