S04 muss sparen

„Nächster Raúl“ auf Schalke? Jobst konkretisiert Gehaltsobergrenze und zerstört Fan-Träume

Schalke 04 muss sparen und hat offenbar beschlossen, eine Gehaltsobergrenze für die Profis einzuführen. Im Jahr 2010 war noch einiges anders in Gelsenkirchen.

  • Schalke 04 ist wirtschaftlich angeschlagen und muss sparen.
  • Eine Gehaltsobergrenze für die Profis bei Königsblau ist wahrscheinlich.
  • Marketingvorstand Alexander Jobst konkretisiert die Pläne und zerstört Träume.

Update vom 3. Juli, 12.22 Uhr: Im Juli 2010 kochte es beinahe über im königsblauen Fanlager. Schalke 04 verpflichtet Real Madrids Legende Raúl. Hinzu kam Klaas-Jan Huntelaar. Der Malocherklub erstrahlte in bisher unbekanntem internationalen Glanz. Rund zehn Jahre später ist nicht mehr viel davon übrig. Schalke 04 muss sparen - und führt eine Gehaltsobergrenze ein.

VereinFC Schalke 04
StadionVeltins Arena
Kapazität62.271 Plätze
TrainerDavid Wagner
SportvorstandJochen Schneider
AufsichtsratsvorsitzenderClemens Tönnies

„Einige Schalker hoffen immer noch, bald müsse mal wieder der nächste Raúl verpflichtet werden und der Verein wieder angreifen“, spricht Schalkes Marketingvorstand Alexander Jobst wohl einigen Fans aus der Seele. Der Wunsch nach Titeln und internationalem Fußball ist groß in Gelsenkirchen. Ähnlich ergeht es dem Hamburger SV. Der HSV denkt nach dem verpassten Aufstieg über Hungerlöhne für die Profis* nach. Daraus allerdings wird in den kommenden Jahren wohl nichts. „Das ist derzeit einfach nicht möglich. Die Wahrheit ist, dass uns einige Klubs enteilt und andere neu hinzugekommen sind“, gesteht Jobst.

Dreimal in vier Jahren verpassten die Knappen zuletzt das internationale Geschäft. Schalke hat sich mit Blick in die Zukunft verzockt. Nun geht es an den Etat der Spieler. „Wir werden uns intern ab sofort eine Richtlinie auferlegen für ein maximales Gehaltsgefüge in Bezug auf die Neuverpflichtung von Spielern“, sagte Jobst und bestätigte damit eine künftige Obergrenze von Gehältern. Ob diese Grenze bei 2,5 Millionen Euro pro Jahr liegen wird, wie das Handelsblatt berichtete, ist noch unklar. Schalker Bodenständigkeit statt Hochglanz im Ruhrgebiet.

Schalke 04 führt Gehaltsobergrenze für die Profis ein - drohen Notverkäufe?

[Erstmeldung] Gelsenkirchen - Wie schlecht es finanziell um Schalke 04 steht, haben die vergangenen Wochen noch einmal deutlich unterstrichen. Die Corona-Krise verschärfte die wirtschaftliche Situation noch einmal. "Existenzbedrohend" sei es gewesen, hieß es aus Gelsenkirchen.

Daher ist Klar. Schalke muss sparen. An allen Ecken und Enden. Das gilt auch für die Profi-Mannschaft der Königsblauen. Nur wie? Nach Informationen der Süddeutschen Zeitung führt der Klub als erster Bundesligist eine Gehaltsobergrenze für die Profi-Abteilung ein.

Konkret bedeute dies, dass bei dem hochverschuldeten Klub ab sofort keinen neuen Vertragsabschluss mehr geben werde, in dem eine Marke von rund 2,5 Millionen Euro Jahresgehalt überschritten wird. Spieler, die mehr Geld verlangten, werde man nicht mehr engagieren. Darauf haben sich laut SZ die Klub-Verantwortlichen verbindlich verständigt.

Schalke 04 führt offenbar eine Gehaltsobergrenze für Profis ein.

Schalke führt Gehaltsobergrenze ein: Reaktion auf wirtschaftliche Situation

Mit der Selbstbeschränkung reagiert Schalke in erster Linie auf die angespannte wirtschaftliche Situation. Bereits vor der Corona-Krise standen nach dem Geschäftsjahr 2019 Verbindlichkeiten in Höhe von 197 Millionen Euro zu Buche. Nach dem sportlichen Absturz in der Rückrunde mit 16 Spielen in Folge ohne Sieg verpassten die Königsblauen zum dritten Mal in vier Jahren das europäische Geschäft.

Es wäre ein bisher einmaliger Reformbeschluss, der in der Bundesliga durchaus für Aufsehen sorgen dürfte. Zwar hält Uli Hoeneß Diskussionen um allgemeine Gehaltsobergrenzen für "scheinheilig", wie der Ehrenpräsident des FC Bayern am Sonntag im BR sagte: "Das kannst du vergessen, weil das überhaupt nicht durchführbar ist".

Schalke führt Gehaltsobergrenze ein: Not-Verkäufe kein Tabu mehr

Doch das Thema "Salary Cap" schwelt schon länger, es ist populär in Zeiten der Krise. Die Gehälter der Spieler machen für die Klubs einen Großteil der Ausgaben aus. In der Spielzeit 2018/19 gaben die 18 Bundesligisten laut Wirtschaftsreport der Deutschen Fußball Liga (DFL) insgesamt 1,43 Milliarden Euro für Spieler und Trainerstäbe aus. Auch DFB-Präsident Fritz Keller forderte daher schon vor wenigen Wochen: "Wir müssen über Gehaltsobergrenzen reden."

Eine allgemeine Deckelung ist derzeit allerdings kaum durchsetzbar. Dazu bräuchte es eine gemeinsame europäische Lösung, die weder realistisch noch flächendeckend erwünscht erscheint. Dass Schalke sich selbst beschränkt und damit auf dem Transfermarkt nun mit stumpferen Waffen kämpft, ist auf die angespannte wirtschaftliche Situation zurückzuführen. Weniger auf eine Geste des Demuts. Schon vor der Corona-Srise standen nach dem Geschäftsjahr 2019

Besonders pikant für Schalke: Aufgrund der finanzielle Sorgen von Schalke 04 sollen auch Not-Verkäufe kein Tabuthema sein. Geld würden vor allem Verteidiger Ozan Kabak oder die Mittelfeldspieler Suat Serdar und Weston McKennie bringen. Weitaus schwieriger wird es, für Fehleinkäufe wie Sebastian Rudy, Stürmer Mark Uth oder Nabil Bentaleb, die derzeit ausgeliehen sind, hohe Ablösesummen zu erzielen.

Schalke führt Gehaltsobergrenze ein: Schneider kündigt Konsequenzen an

Welche Konsequenzen die Schalker derweil aus der verkorksten Rückrunde der abgelaufenen Saison ziehen wollen, werden Sportvorstand Jochen Schneider und Trainer David Wagner in einer Pressekonferenz am Mittwoch (11 Uhr/im Live-Ticker auf WA.de) erklären. Das Mediengespräch war ursprünglich für Montag angesetzt, musste aber wegen eines Termins von Schneider verschoben werden.

Dabei handele es sich um einen Termin die Schalker Zukunft betreffend. Die Causa Wagner sei davon unbetroffen. Der 48-Jährige bleibe wohl auch in der kommenden Saison Coach der Königsblauen, heißt es.

Rubriklistenbild: © Friso Gentsch

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