Spuren von Herzblut in Istanbul

Bei den Knappen keimt neue Zuversicht auf

ISTANBUL - Die beiden Spuren, die Jermaine Jones mit seinen Knien beim Torjubel in den Rasen der Türk Telekom Arena gefräst hatte, sahen aus der Vogelperspektive aus wie ein großes „V“. „V“ wie Victory. Es waren Spuren aus Herzblut.

Von Jens Greinke

Zum ganz großen Triumph hatte es für die Schalker am Mittwochabend zwar nicht gereicht, doch war das 1:1 (1:1)-Remis beim Tabellenführer der türkischen Liga, Galatasaray Istanbul, wie ein gefühlter Sieg, der neue Lebensgeister in das zuletzt scheintote Team hauchte. „Heute hat man gesehen, dass wir als Mannschaft funktionieren“, befand der starke Schalker Keeper Timo Hildebrand, der sein Gehäuse verteidigt hatte wie ein Löwe – übrigens das Tier, nachdem im türkischen Volksmund die Spieler von Galatasaray benannt werden.

Doch die „Aslanar“ (Löwen) vom Bosporus waren letztlich ohne den rechten Biss geblieben. Trotz ihrer beiden Weltstars Wesley Sneijder und Didier

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Drogba. Sehr zur Enttäuschung der fanatischen Galatasaray-Fans, die im Nachtnebel von Istanbul betrübt den Heimweg antraten. Während Mannschaftsbetreuer Reiner Kübler eine Kiste Bier in die Kabine schleppte („Damit es mit der Dopingprobe besser klappt“), waren die meisten Schalker Profis bodenständig und beteuerten, dass es vorerst noch nichts zu feiern gäbe. Allerdings überwog die Meinung, dass die Chancen auf einen Einzug ins Viertelfinale nicht schlecht stünden. „Wir gehen mit einem guten Ergebnis ins Rückspiel“, sagte Jermaine Jones und ergänzte: „Ich denke, dass die Jungs das über die Bühne bringen.“

Bilder vom Spiel in Istanbul:

Champions League: Galatasary Istanbul - Schalke 1:1

Champions League: Galatasaray Istanbul - FC Schalke 1:1
Champions League: Galatasaray Istanbul - FC Schalke 1:1
Champions League: Galatasaray Istanbul - FC Schalke 1:1
Champions League: Galatasaray Istanbul - FC Schalke 1:1
Champions League: Galatasary Istanbul - Schalke 1:1

Jones selbst wird am 12. März in der Schalker Arena fehlen, weil er in Istanbul wegen Meckerns die dritte gelbe Karte sah. Sein Treffer zum 1:1 (45.) nach dem Führungstor durch den starken Burak Yilmaz (12.) übertünchte allerdings diesen kleinen Schönheitsfehler. Es war ein Tor, dass vielleicht die viel beschworene Wende in Schalke eingeläutet hat.

Welchen Anteil Jens Keller daran hat, ist noch nicht eindeutig zu ermitteln. Bei der Abschlussbesprechung vor der Partie hatte der Schalke-Coach im Mannschaftshotel noch zu ungewöhnlichen Maßnahmen gegriffen. Keller spielte der Mannschaft eine 45-sekündige Hörprobe der Stimmung im Galatasaray-Stadion vor, um das Team auf die beeindruckende Atmosphäre vorzubereiten. „Das war eine gute Idee, auch wenn die Stereoanlage natürlich nicht annähernd so laut war wie nachher die Stimmung im Stadion“, befand Jones, während Routinier Klaas-Jan Huntelaar vorsichtig anmerkte: „Es ist ja nicht so, dass wir so etwas noch nicht erlebt haben.“

Doch egal, wie relevant dieser kleine Kniff für die Partie in Istanbul war: So langsam wird die Handschrift des 42-Jährigen erkennbar. Seine Entscheidung, die von seinem Vorgänger Huub Stevens eingeführte Torwart-Rotation wieder abzuschaffen, hat sich als richtig erwiesen. Timo Hildebrand hat sich zu einem wichtigen Rückhalt entwickelt, nicht erst in Istanbul. Und Kellers Entschluss, den zuletzt formschwachen Linksverteidiger Christian Fuchs durch Sead Kolasinac zu ersetzen, zeugte von Mut – der schließlich belohnt wurde. Der 19-jährige Verteidiger zeigte eine beherzte Partie, die letztlich mit einem Brummschädel endete. Nach einem Zusammenprall mit dem 34-jährigen Drogba in der ersten Halbzeit litt der Youngster unter leichten Schwindelgefühlen. Doch am Ende dieser aufregenden Nacht ging es ihm schließlich wieder besser – wie der gesamten Schalker Mannschaft.

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