Schalke demontiert Inter Mailand: 5:2-Sieg in San Siro

San Siro gestürmt: Die Schalker feiern ihren Triumph in Mailand. ▪

MAILAND ▪ Schalkes Sternstunde in Mailand: Die Königsblauen stehen nach dem unfassbaren 5:2-Sieg bei Inter vor dem Einzug ins Viertelfinale der Champions League. Jens Greinke berichtet aus Mailand:

Ralf Rangnick hatte den Auftritt seiner jungen Mannschaft im höllisch lauten und furchterregend großen Guiseppe-Meazza-Stadion von Mailand als kleinen Selbsterfahrungskurs tituliert.

Angesichts des mittelschweren personellen Notstandes meinte der Schalker Coach vor dem Anpfiff: „Nun müssen halt die nicht so erfahrenen Spieler in solch einer Partie ihre Erfahrung sammeln.“ Das gelang der jungen Truppe in einem rasanten Spiel gelinde gesagt auf spektakuläre Art und Weise. Die Schalker schlugen im Hinspiel des Viertelfinales der Champions League den Titelverteidiger Inter Mailand sensationell mit 5:2 (2:2) und stehen damit mit einem Bein im Halbfinale. Falls die Schalker ihren Vorsprung am kommenden Mittwoch im Rückspiel in Gelsenkirchen verteidigen können, würde in der Vorschlussrunde der FC Chelsea oder Manchester United warten.

Die Statistiker von der Fifa, die die Medien vor der Partie mit allerlei Papierkram überhäufen, hatten gestern arge Mühe, die Aufstellung von Ralf Rangnick in eine taktische Formation zu bringen. Schalkes Coach hatte neben Peer Kluge (Bauchmuskelzerrung) und Mario Gavranovic (Syndesmose-Riss) zu allem Überfluss auch auf Innenverteidiger Christoph Metzelder verzichten müssen. Der Nasenbeinbruch, den sich der 30-Jährige in St. Pauli zugezogen hatte, ließ noch keinen Einsatz zu. So musste Rangnick die Defensive kräftig ummodeln: Joel Matip rückte in die Innenverteidigung, Hans Sarpei auf die linke Außenverteidiger-Position und Manuel Jurado bildete mit Kyriagos Papadopoulos das defensive Mittelfeld.

Die Partie brauchte keine große Anlaufzeit, bereits nach 26 Sekunden kochte die Stimmung im mit 74 000 Zuschauern besetzten Meazza-Stadion über. Schalke-Keeper Manuel Neuer hatte gleich beim ersten Inter-Angriff außerhalb des Strafraums vor Diego Milito klären müssen, der Ball segelte bis zur Mittellinie, wo ihn Dejan Stankovic volley nahm und über Neuer hinweg ins Tor schoss. Ein Horror-Start für die Schalker – die aber eine fast unglaubliche Reaktion zeigten. Zwei Kopfbälle von Raúl (4./6.) wären fast postwendend im Mailänder Tor gelandet. So mussten die 4 000 mitgereisten Fans bis zur 17. Minute warten, bis sie erstmals jubeln konnten: Nach einer Ecke von Jefferson Farfan ließ Inter-Keeper Julio Cesar den Kopfball von Papadopoulos nur abprallen. Matip war zur Stelle und staubte zum Ausgleich ab. „Das war zwar ein nicht allzu schönes Tor, aber Hauptsache Tor“, erklärte der 19-Jährige.

Zwei Minuten später hatte Jose Manuel Jurado sogar die Führung auf dem Fuß, doch scheiterte der Spanier freistehend an Cesar. Auch die erneute Führung durch Diego Milito (34.) schockte die Schalker nicht. Edu sorgte in der 40. Minute im Nachschuss für den erneuten Ausgleich, der für Entsetzen bei den Mailändern sorgte.

Die Partie blieb auch in der zweiten Hälfte ein Tanz auf dem Drahtseil. Die Italiener zeigten mit Samuel Eto‘o, Milito und Wesley Sneijder in der Offensive oft Schwindel erregende Angriffe. Dafür wackelte das Team von Trainer Leonardo in der Abwehr teilweise fürchterlich. Die Waage schlug gestern zum Vorteil der Schalker aus. Während vorne Milito (47.) zunächst vorbeischoss und Eto‘o (48.) am überragend reagierendem Neuer scheiterte, nutzte Raúl die Desorganisation in Inters Abwehr zur 3:2-Führung. Sein 72. Europapokaltreffer. Als vier Minuten später Andrea Ranocchia eine Flanke von Jurado nur ins eigene Netz lenkte, war die Moral der Gastgeber endgültig gebrochen. Nach zwei Mal Pfosten von Jurado (65.) und Farfan (75.) erhöhte Edu sogar noch auf 5:2 (75.). Danach war Schluss an einem für beide Teams unfassbaren Abend. „Auswärts fünf Tore, das habe ich noch nie erlebt, und dann noch in Mailand. Das ist grandios“, meinte Torhüter Manuel Neuer.

Quelle: wa.de

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