Politische Botschaft

Militär-Gruß: Wagner berichtet von Gespräch mit Kabak und Co.

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Schalkes Neuzugang Ozan Kabak (l.) mit Trainer David Wagnersteht in der Kritik.

Beim FC Schalke 04 springt Suat Serdar nach dem Eklat wegen der türkischen Nationalmannschaft Ozan Kabak zur Seite. Dabei steht er zwischen den Stühlen.

  • Die türkische Nationalmannschaft hat beim Länderspiel salutiert, um den Militäreinsatz in Nordsyrien zu unterstützen
  • Dabei ist auch Schalke-Profi Ozan Kabak in die Kritik geraten
  • Suat Serdar sprang seinem S04-Teamkollegen zur Seite

Update 18. Oktober, 15.43 Uhr: Schalke 04 hatte im Zuge der salutierenden türkischen Nationalspieler angekündigt, mit Ozan Kabak zu sprechen. Der Innenverteidiger hatte den umstrittenen Jubel ebenfalls gezeigt.

"Dieses Gespräch hat stattgefunden - nicht nur mit ihm, sondern wir haben uns mit allen türkisch stämmigen Jungs unterhalten", bestätigte Cheftrainer David Wagner am Freitag. Dazu gehören auch der deutsche Nationalspieler Suat Serdar, der türkische Nationalspieler Ozan Kabak und der junge Stürmer Ahmed Kutucu.

"Es war ein Gespräch, das auch für mich total lehrreich war", erklärte der Coach, "weil auch ich gelernt habe, wie der Militär in der Türkei angesehen wird. Es war ein gutes und interessantes Gespräch, aus dem wir sicher alle etwas herausgenommen haben, weit zum Beispiel auch Ozan nicht wusste, wie die Bundeswehr bei uns gesehen wird im Vergleich zum Militär in der Türkei. Wir wissen alle, was wir nicht wollen: Das sind Krieg, Terror und Gewalt. Das ist so banal und selbsterklärend, dass man das nicht erwähnen muss. Aber ich tue es trotzdem an dieser Stelle stellvertretend für alle Schalker."

Wegen Militär-Gruß: Suat Serdar springt Ozan Kabak beim FC Schalke zur Seite 

Update, 15.13 Uhr: Suat Serdar vom FC Schalke 04 hat selbst türkische Wurzeln, hat sich aber für das DFB-Trikot entschieden. Ansonsten wäre er vielleicht in eine ähnliche Lage wie sein S04-Teamkollege  Ozan Kabak gekommen. 

Mit seinem Hintergrund steht Suat Serdar etwas zwischen den Stühlen, kassierte vom türkischen Nationalcoach auch schon Kritik für seine Entscheidung. "Es gab ein bisschen Kontakt zur türkischen Nationalmannschaft, aber nicht so konkret. Als der Jogi dann angerufen hat, habe ich mit der Familie gesprochen, was für mich die beste Entscheidung ist", sagte Serdar.

Kabak nahm er nach dem strittigen Militärgruß mit der türkischen Nationalmannschaft jetzt in Schutz, sprach aber auch über seine Rolle im DFB-Team. "Ich bin unendlich stolz darauf, dass ich das erreicht habe", sagte Serdar. Er wolle sich nun aber zunächst voll auf den Verein konzentrieren – falls der Wirbel um den Salut seines Mitspielers bei der türkischen Nationalmannschaft das denn zulässt. Für wirbel sorgte auf Schalke noch etwas anderes: Eine überraschende Ausland-Aussage von Keeper Alexander Nübel über seine Zukunft.

Suat Serdar nimmt ihn in Schutz: Schalke-Profi Kabak erntet Kritik nach türkischem Militärgruß

Update, 12.11 Uhr: Der FC Schalke 04 muss sich nach dem Militärgruß der türkischen Nationalmannschaft ebenfalls mit dem Thema beschäftigen, auf einem Foto salutierte Ozan Kabak ebenfalls. Der S04 hat Konsequenzen angekündigt, weitere Spieler könnten betroffen sein. Stammspieler Suat Serdar stellt sich schützend davor.

"Ich möchte nur dazu sagen, dass wir alle gegen den Krieg sind. Auch Ozan", sagte Serdar unter anderem der Bild in einer Medienrunde am Mittwoch. Der deutsche Nationalspieler nimmt seinen Mitspieler damit in Schutz. 

Türkische Nationalmannschaft salutiert – nicht nur Kabak sorgt für Schalke-Ärger

Update vom 16. Oktober, 10.08 Uhr: Der FC Schalke 04 will nach dem Wirbel rund um die türkische Nationalmannschaft und dem militärischen Gebaren das Gespräch mit Schalke-Profi Ozan Kabak suchen, der ebenfalls salutierte. Er scheint aber nicht der einzige S04-Spieler zu sein, mit dem die Königsblauen über den Vorfall sprechen müssen.

Vor dem Länderspiel der deutschen Nationalmannschaft am Wochenende sorgten nämlich der in Gelsenkirchen geborene Ilkay Gündogan und Emre Can für Schlagzeilen. Beide hatten das umstrittene Foto der türkischen Nationalmannschaft – auf dem auch Kabak salutiert – mit einer "Gefällt mir"-Angabe bei Instagram gewürdigt. Während die beiden Profis ihr "Like'" nach der Kritik zurücknahmen, verhält sich ein Profi des FC Schalke 04 anders..

Türkische Nationalspieler salutieren erneut - Schalke kündigt Gespräch mit Kabak an

Update vom 15. Oktober, 16.26 Uhr: Die türkische Nationalmannschaft sorgt mit umstrittenen Gesten für Aufsehen, weil sie salutiert. Noch kein Spiel für das A-Team absolviert, aber mittendrin war Schalkes Ozan Kabak. Der Verteidiger gehörte zu den Profis, die salutierten, wie Fotos belegen.

Schalke 04 kündigte am Dienstag den Dialog mit Kabak an. "Wir werden darüber mit Ozan Kabak intern sprechen und danach das Thema auch abschließen", teilte der Klub dem Kicker mit. Nicht ohne zu unterstreichen, "dass sich Schalke 04 von solchen symbolischen Gesten zum Geschehen in Syrien distanziert".

Türkische Nationalspieler salutieren erneut - Schalkes Fans fordern Statement von Kabak

Update 15. Oktober, 7.18 Uhr: Sie haben es schon wieder getan. Auch beim 1:1 der türkischen Nationalmannschaft in der EM-Qualifikation in Frankreich im Pariser Stade de France reihten sich einige türkische Profis nebeneinander auf und hielten sich die rechte Hand an die Schläfe.

Nach dem Treffer von Joker Olivier Giroud (76.) erzielte der Düsseldorfer und Ex-Schalker Kaan Ayhan (81.) den Ausgleich für die Türkei. Erneut salutierten türkische Spieler und zeigten so ihre Sympathie mit der Politik von Präsident Recep Tayyip Erdogan.

Ayhan selbst bejubelte zwar seinen Treffer, salutierte allerdings nicht. Auch wenn Verteidiger Merih Demiral ihn dazu animieren wollte, was zu einer Diskussion zwischen den beiden Spielern führte. Ayhan ging schließlich einfach von seinem Teamkollegen weg und ließ sie allein salutieren.

Dies hängt vermutlich damit zusammen, dass sich sein Klub Fortuna Düsseldorf bereits in den vergangenen Tagen zu den Unruhen rund um die türkische Nationalmannschaft geäußert und Sportvorstand Lutz Pfannenstiel das Gespräch mit Ayhan und Kenan Karaman gesucht habe. "Wir sind davon überzeugt, dass ihnen nichts ferner lag, als ein politisches Statement abzugeben. Beide Spieler stehen für die Werte, die unser Verein lebt."

Schalke-Profi Ozan Kabak salutiert gemeinsam mit türkischer Nationalmannschaft

Auch Schalkes Ozan Kabak stand in der Partie der Türken in Frankreich zwar im Kader, allerdings nicht auf dem Platz. Dennoch war der Innenverteidiger anders als Ayhan dabei, als er sich mit seiner Mannschaft bei den mitgereisten Anhängern bedankten und sie gemeinsam für die Soldaten salutierten - dezent im Hintergrund, aber erkennbar.

Erneut hagelt es dafür in den sozialen Netzwerken reichlich Kritik, aber auch Enttäuschung über das Verhalten des 19-Jährigen und seinen Mitspielern. Viele fordern eine Erklärung beziehungsweise Entschuldigung vom Schalker. "Kommt ein Statement von Ozan, werde ich mich hier öffentlich entschuldigen", lautet einer der zahlreichen Kommentare.  

Währenddessen kam es beim EM-Qualifikationsspiel der Engländer in Bulgarien zu einem Rassismus-Eklat. BVB-Star Jadon Sancho war dabei und bezog anschließend klar Stellung.

Türkische Nationalmannschaft sorgt für Eklat – Schalkes Fans kritisieren Kabak heftig

Update 14. Oktober, 11.40 Uhr: Nach dem Wirbel um den Torjubel türkischer Nationalspieler wird die Europäische Fußball-Union ein Verfahren gegen den türkischen Verband einleiten. Nach dpa-Informationen tagt die zuständige Kontroll-, Ethik- und Disziplinarkammer der UEFA am Donnerstag (17. Oktober). Ob dann allerdings schon eine Entscheidung über mögliche Sanktionen fallen wird, ist aber fraglich. Zunächst werden Stellungnahmen von den Beteiligten eingeholt. Das UEFA-Verfahren kann sich gegen den Verband oder aber auch gegen einzelne Spieler richten.

Die Profis der türkischen Nationalmannschaft hatten direkt nach dem Siegtreffer zum 1:0 in der EM-Qualifikation gegen Albanien am Freitag auf dem Platz und später auch in der Kabine mit der Hand an der Stirn salutiert. Unter ihnen war auch Schalkes Abwehrspieler Ozan Kabak.

In ihren Stauten verbietet die UEFA politische Bekundungen jeder Art. In der Vergangenheit waren bei entsprechenden Vorfällen, die meist von den Fans auf den Tribünen ausgegangen waren, teils harte Strafen ausgesprochen worden.

Der türkische Fußballverband teilte zu den Szenen nach dem Siegtreffer mit: "Die Fußballer haben dieses Tor mit dem Militärgruß den Soldaten geschenkt, die in der "Operation Friedensquelle" dienen." Der türkische Militäreinsatz hatte am Mittwoch begonnen und richtet sich gegen die Kurdenmiliz YPG in Nordsyrien. Der Einsatz wurde international scharf kritisiert.

Türkische Nationalmannschaft sorgt für Eklat – Schalke-Fans kritisieren Ozan Kabak heftig

Ozan Kabak vom FC Schalke 04 steht in der Kritik, einige S04-Fans sind erregt. Der Grund dafür ist ein Foto der türkischen Nationalmannschaft. In der Kabine zeigt die Türkei-Auswahl einen militärischen Gruß, die Spieler salutieren in Richtung Kamera. Mit dabei: S04-Neuzugang Kabak.

"Kabak mit dem militärischen Gruß aus der Kabine der Nationalmannschaft. Solche Menschen sind keine Schalker. Sie haben es nicht verdient, das Königsblaue Wappen auf der Brust zu tragen", schreibt ein Schalke-Fan auf Twitter. Er erhält dafür weitestgehend Zustimmung. Kabak war sich wahrscheinlich nicht im Klaren darüber, was diese Geste auslösen könnte. Doch das Thema nahm unlängst an Brisanz zu – wegen eines türkischen Profis des FC St. Pauli.

Denn beim Zweitligisten sorgte jüngst für Wirbel, der auf Instagram in Türkisch schrieb: "Wir sind an der Seite unseres heldenhaften Militärs." Der Verein distanziert sich klar, Fans protestieren vehement. Vom FC Schalke 04 erfolgte eine klare Abgrenzung noch nicht. Der Unterschied: Sahin ist selbst aktiv geworden, Kabak ist "nur" auf einem Gruppenbild zu sehen. Eine Art Mitläufer eben. Für manche Fans gilt das als Rechtfertigung nicht. "Schalke steht nicht für brutalen Nationalismus und Kriegstreiberei", schreibt etwa ein weiterer königsblauer Anhänger und legt Kabak einen Rückzug aus Gelsenkirchen nahe in etwas unflätiger Art.

Schalke-Neuzugang Kabak und türkische Mitspieler bringen Unterstützung für Militäroperation zum Ausdruck

Der Grund für das Foto und die Empörung ist der Einmarsch türkischer Truppen in Nordsyrien. Zivilisten sterben dabei, teilweise sollen Söldner äußerst grausam gegen die vornehmlich kurdische Bevölkerung vorgehen. Die türkische Nationalmannschaft – und darunter eben auch Schalke-Verteidiger Ozan Kabak – bringt so ihre Unterstützung für eben diese Militäroperation zum Ausdruck.

Türkische Nationalspieler sorgten schon zuvor mit gleicher Geste für einen Eklat

Schon bevor das Mannschaftsfoto veröffentlicht wurde, sorgten zudem ein paar Spieler für einen Eklat. Beim Last-Minute-Sieg gegen Albanien salutierten einige Türkei-Profis. Die UEFA will den Vorfall nun untersuchen, politische Botschaften sind eigentlich streng untersagt.

Türkei-Einmarsch in Nordsyrien: Ist sich Schalke-Verteidiger Kabak der Konsequenzen bewusst?

Der Militäreinsatz der Türkei in Syrien jedenfalls spaltet die Massen. Unter dem Deckmantel der Terrorbekämpfung marschiert das Erdogan-Regime im Norden des bürgerkriegsgebeutelten Landes ein, geht dabei mitunter grausam vor. Die abscheuliche Seite des Kriegs eben. Die einen sehen in dem Einsatz aber tatsächlich einen gezielten Schlag gegen militante kurdische Gruppen wie die PKK. Andere hingegen unterstellen der Türkei, man nutze die Operation, um den Einflussbereich der Kurden in Grenznähe möglichst gering zu halten.

Schalke-Neuzugang Kabak hat sich nun mit seiner Geste – ob bedacht oder unbedacht – auf die Seite der Anhänger geschlagen, die die türkische Militäroperation unterstützen. Dabei sollte man allerdings auch nicht außer Acht lassen, dass der S04-Verteidiger erst 19 Jahre alt ist. Die politische Lage ist unübersichtlich – gut möglich, dass Kabak zu diesem Zeitpunkt gar nicht wusste, was er oder die türkische Nationalmannschaft damit losgetreten haben könnten.

Kabak ist dabei natürlich nicht der einzige Schalker, der auf Länderspielreise ist. Suat Serdar etwa ist für Deutschland unterwegs, hätte aber theoretisch auch eine Karriere in der Türkei einschlagen können. Abseits der politischen Debatten beschäftigen sich die Knappen zudem gerade mit anderen Themen. Ex-Coach Domenico Tedesco steht wohl kurz vor der Unterschrift bei einem neuen Verein, wodurch der S04 ordentlich Geld sparen könnte, um in neue Stürmer wie Mariano Diaz von Real Madrid zu investieren. Zudem hat man immer noch ein Auge auf die ausstehende Vertragsverlängerung von Keeper Alexander Nübel. Wütend hingegen auf den FC Schalke 04 ist Ex-Knappe Holger Badstuber. maho/mg

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Quelle: wa.de

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