Raúl verlässt mit großer Traurigkeit den FC Schalke – und Europa

[UPDATE 19 Uhr] GELSENKIRCHEN -  Die Bundesliga und Schalke 04 verlieren einen ihrer Topstars: Fan-Liebling Raúl kehrt dem Revierverein nach zwei Jahren im Sommer schweren Herzens den Rücken. Alle Versuche, ihn noch ein Jahr zu behalten, sind gescheitert.

Von Jens Greinke

Es war ein schwerer Hauch von Sentimentalität, der am Donnerstagmittag durch den Schalker Presseraum wehte. Am Ende flossen bei den starken Männern oben auf dem Podium zwar keine Tränen, aber die Stimmung ging stark ins Melancholische, als Raúl Gonzales Blanco mit einem Kloß im Hals seinen Abschied vom FC Schalke 04 bekannt gab: „Vielen, vielen Dank“, sagte der Spanier auf deutsch und ergänzte in seiner Muttersprache mit verdächtig glänzenden Augen: „Der S04 wird immer Teil meines Lebens bleiben.“

So wird am Ende dieser Saison ein glanzvolles Kapitel der Vereinsgeschichte enden. Schalkes Aufsichtsratsvorsitzender Clemens Tönnies verglich die zwei Jahre mit Raúl sogar mit dem legendären Schalker Kreisel: „Du hast als Señor Glanz nach Schalke gebracht“, sagte der 55-Jährige und ergänzte mit großem Pathos: „In diesem Sinne: Glückauf! Und vergiss uns nicht.“

Diese Gefahr dürfte nach den Worten von Raúl selbst allerdings nicht bestehen. Der Superstar, der im Sommer 2010 von seinem Stammverein Real Madrid nach Gelsenkirchen gekommen war, bezeichnete seine beiden Schalker Jahre als „wundervolle Zeit, die ich immer im Herzen tragen werde“.

BVB-Trainer Jürgen Klopp äußert Hochachtung für die Person Raul. "Wir alle hatten sehr viel Spaß an ihm. Er hat die Liga enorm aufgewertet. Auch im Ausland könnte die Bundesliga durch ihn einige Prozentpunkte an Respekt gewonnen haben", sagte Klopp.

Dass es trotz aller Harmonie und gegenseitiger Wertschätzung nicht zu einer Verlängerung des Vertrages gekommen war, begründete der Spanier in erster Linie mit privaten Motiven. „Es ging mir um die Familie, mit der ich künftig mehr Zeit verbringen möchte. Ich möchte meine Kinder aufwachsen sehen“, sagte der fünffache Familienvater. Deshalb werde er ein neues Engagement auch nur „außerhalb der spielstarken Ligen Europas“ suchen. Ihm liegen nach eigener Aussage zwei in Frage kommende Angebote vor, die er mit seinem Berater Gines Carvajal nun sondieren werde. Spekulationen zufolge soll es sich dabei um Angebote aus dem Wüstenstaat Katar und aus der Major Soccer League in den USA halten. De facto ist die sportliche Karriere Raúls damit beendet, der Superstar tritt von der großen Fußballbühne ab.

Raul in Bildern:

Raúl verlässt Schalke nach zwei Jahren am Saisonende

Während Schalkes Manager Horst Heldt bereits am Dienstag über die Entscheidung Raúls informiert worden war, unterrichtete der 34-Jährige die Mannschaft erst am Vormittag vor dem Training. „Es war ein schwerer Moment“, sagte Raúl mit leiser Stimme, „es war ein gewisse Traurigkeit mit im Spiel.“ Trainer Huub Stevens lobte ausdrücklich die Art und Weise, wie Raúl sich von seinen Mannschaftskameraden verabschiedete. „Ich kann nur sagen: Hut ab!“, sagte der Niederländer.

Ähnlich emotional wie die Abschieds-Pressekonferenz dürfte Raúls letzter Auftritt in der Schalker Arena am übernächsten Samstag gegen Hertha BSC Berlin werden. „Wir haben den Zeitpunkt der Bekanntgabe bewusst so gewählt. Wir wollten unsere Fans so früh wie möglich darüber informieren, damit sie ihn gebührend verabschieden können“, sagte Manager Horst Heldt, der die Zeit mit dem Spanier als „zwei perfekte Jahre“ bezeichnete. „Wir können seine Entscheidung nachvollziehen, sind aber dennoch sehr traurig“, sagte der 42-Jährige weiter: „Wir haben in den Verhandlungen weder über Geld noch über Vertragslaufzeiten gesprochen“, so Heldt glaubhaft: „Aber gegen sein Hauptargument, mehr Zeit für die Familie zu haben, kamen wir nicht an.“

Aus Respekt vor den Leistungen beim FC Schalke 04 werde das Trikot mit der Nummer sieben laut Heldt „auf bestimmte Zeit nicht vergeben“. Zudem soll Raúl im Sommer 2013 ein Abschiedsspiel in Gelsenkirchen erhalten und in die Schalker Ehrenkabine aufgenommen werden.

„Die Türen des FC Schalke 04 stehen Dir auf für alle Zeiten. Wenn Du uns brauchst, dann stehen Schalke 04 und alle seine Fans dahinter und sagen: Willkommen“, sagte schließlich Clemens Tönnies. Und Raúl erwiderte: „Ich werde immer wieder gerne zurückkehren.“

Raul in zehn Fakten:

Name: Raul Gonzalez Blanco

Geburtsdatum: 27.06.1977 in Madrid

Größe: 1,80

Familienstand: verheiratet, fünf Kinder

Position: Sturm

Bisherige Vereine:

1987-1990 CD San Cristobal de Los Angeles

1990-1992 Atletico Madrid

1992-2010 Real Madrid

2010-2012 FC Schalke 04

Länderspiele/Tore für Spanien: 102 (Rekord)/44

Bundesliga: seit 1.7.2010 für Schalke, 27 Bundesligatore

Größte Erfolge:

Dreimaliger Champions-League-Gewinner mit Real Madrid 1998, 2000, 2002

Sechsmaliger Spanischer Meister 1995, 1997, 2001, 2003, 2007, 2008

DFB-Pokal-Sieger mit dem FC Schalke 04 2011

Zweimaliger Weltpokalsieger 1998, 2002

Dreimaliger WM-Teilnehmer 1998, 2002, 2006

Zweimaliger EM-Teilnehmer: 2000, 2004

Auszeichnungen:

Fünfmaliger Fußballer des Jahres in Spanien (1997, 1999, 2000, 2001, 2002)

Welttorjäger 1999

Torschützenkönig in der Champions League 2000

Spanischer Torschützenkönig 1999 und 2001

Kommentar: Traurige Scheidung

Nun heißt es also adios, Señor Raúl geht. Das ist einerseits sehr schade. Die Liga verliert eine ihrer Attraktionen, selbst wenn es sich bei dem bald 35-Jährigen um einen alternden Superstar handelt. Einige seiner Tore, die er in seinen zwei Jahren auf Schalke erzielte, werden noch lange Zeit in Erinnerung bleiben. Genauso wie sein tadelloses und unprätentiöses Verhalten auf dem Platz, das einen enormen Respekt verdient. Dafür gebührt dem Señor ein großer Dank.

Unser Autor: Jens Greinke.

Andererseits dürfte der Weggang Raúls – aller Romantik zum Trotz – für den FC Schalke 04 keine unlösbaren Probleme zur Folge haben. Von den sieben Millionen Euro Jahresgehalt mussten die Schalker in den vergangenen zwei Jahren fünf Millionen pro annum tragen, die restlichen zwei hatte Raúls Ex-Klub Real Madrid hinzu gesteuert. Die Subvention der Spanier fällt im Sommer weg, sie galt nur für zwei Jahre. Zwar hatten die Schalker Raúl ein deutlich reduziertes Angebot gemacht, dennoch hätte ein Verbleib des Spaniers den Etat belastet. Dieses Geld ist nun für andere Zwecke frei.

Die Schalker haben sich in der Causa Raúl ganz von der Vernunft leiten lassen, so schwer das in diesem Fall auch gefallen sein mag. Raúl selbst hat sich dazu entschieden, von der großen europäischen Fußballbühne abzutreten. Die Motivation, künfitg mehr Zeit für seine Familie zu haben, klingt authentisch. Den Spekulationen über Forderungen des Spaniers bezüglich des Gehaltes und der Vertrags-Laufzeit entzog er damit glaubhaft die Basis. So ist es eine saubere Scheidung zwischen dem Superstar und dem Traditionsverein aus dem Revier. Vor allem aber ist es eine sehr traurige. - Jens Greinke

Quelle: wa.de

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