Rangnick startet auf Schalke voller Elan und kritisiert Arbeit von Magath

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„Ein Glückauf können wir hier alle gebrauchen“: Ralf Rangnick bei seiner offiziellen Vorstellung als neuer Schalke-Trainer. ▪

GELSENKIRCHEN ▪ Ralf Rangnick verließ nach seiner offiziellen Vorstellung schnellen Schrittes die Schalker Arena, was einerseits seinem umtriebigen Wesen entsprach, andererseits auch den vielen Aufgaben geschuldet war, die den 52-Jährigen in den nächsten Tagen erwarten. Vor allem die Kennenlern-Phase mit seiner neuen Mannschaft dürfte einiges an Zeit in Anspruch nehmen. Wie viele Lizenzspieler er da übernimmt, weiß er selbst noch nicht. „Der Kader ist auf jeden Fall größer geworden“, sagte Rangnick, als er gefragt wurde, ob er das aktuelle Schalker Personal stärker einschätze als in seiner ersten Amtszeit. Von Jens Greinke

Diese Aussage war nur einer von einigen kleinen Seitenhieben auf seinen Vorgänger Felix Magath, der fünf Tage zuvor seine allmächtigen Geschäfte auf Schalke hatte niederlegen müssen. Und der kapitale Baustellen hinterlässt. Was auch einer der Gründe für Rangnick war, bereits jetzt als Trainer einzusteigen und nicht erst im Juli. „Eigentlich hatte ich vor, erst im Sommer wieder zu arbeiten. Aber Horst Heldt und Clemens Tönnies haben mich davon überzeugt, dass ich jetzt schon hier gebraucht werde“, sagte Rangnick über seine Gespräche mit dem Manager und dem Aufsichtsratsvorsitzenden. Absolutes Hauptargument sei dabei gewesen, „den Klassenerhalt zu sichern“, sagt Rangnick. Die Schalker stehen nach der 0:2-Niederlage am Sonntag bei Bayer Leverkusen zwar noch auf dem zehnten Tabellenrang, doch beträgt der Abstand zum Relegationsplatz lediglich fünf Punkte. „Der Klassenerhalt steht an oberster Stelle. Wir brauchen zwei Siege und die so früh wie möglich“, so Rangnick.

Mit welchem Personal dies geschehen soll, wird sich in den nächsten Tagen herausstellen. Die zweiwöchige Länderspiel-Pause gibt Rangnick jedenfalls genügend Zeit, Spieler und Strukturen kennen zu lernen. Dass der von Magath aufgeblasene Kader unbedingt verkleinert werden muss, steht für Rangnick außer Frage: „Selbst wenn wir – knapp bemessen – von 30 Spielern ausgehen, wäre eine vernünftiges Training nicht möglich“, sagt Rangnick.

Auf Schalke wird sich innerhalb kürzester Zeit einiges ändern, soviel machte Rangnick jedenfalls deutlich. Der 52-jährige ausgebildete Pädagoge hat aus der Ferne den Eindruck gewonnen, dass die Verantwortlichkeiten innerhalb des Schalker Teams auf zu wenige Schultern verteilt sind. „Ein Raul allein kann nicht über Wohl und Wehe eines Spiels entscheiden“, glaubt Rangnick. Gleiches gelte auch für Manuel Neuer. Den Nationalkeeper, dessen Vertrag 2012 auslaufen würde, will Rangnick möglichst bald langfristig an den Verein binden: „Das wird für mich und Horst Heldt eine der Hauptaufgaben der nächsten Tage oder Wochen sein“, so Rangnick.

Wichtig wird es für Rangnick auch sein, möglichst schnell die Fans wieder zu einen. Die Personalie Magath hatte zuletzt einen tiefen Graben in der Anhängerschaft hinterlassen. „Die Fans müssen merken, dass wieder eine Mannschaft auf dem Platz steht, dann stehen sie auch wie eine Eins hinter dem Team“, sagt Rangnick.

Alles in allem eine beeindruckende Aufgabenfülle, die auf Rangnick während seiner zweiten Amtszeit auf Schalke zukommt. Aber eine, die er gerne und mit sichtlichem Elan annimmt: „Ich habe mich hier immer sehr wohl gefühlt. Diese Rückkehr ist schon mit besonderen Emotionen besetzt.“ Rangnick hatte die Schalker bereits von September 2004 bis Dezember 2005 mit großem Erfolg trainiert, war aber unter anderen an der patriarchalischen Klubleitung vom damaligen Manager Rudi Assauer gescheitert. Dieses Mal scheinen die Aussichten vielversprechender. Es könnte eine Liebe auf den zweiten Blick werden.

Quelle: wa.de

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