Rangnick vor seinem Debüt auf der Schalker Bank

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Ralf Rangnick. ▪

GELSENKIRCHEN ▪ Die Anspannung ist nahezu greifbar. Ralf Rangnick rang sich einen Tag vor seinem Debüt als Trainer des FC Schalke 04 jedenfalls kaum einmal zu einem Lächeln durch. Immerhin geht es in dem heutigen Duell beim FC St. Pauli (20.30 Uhr) für ihn und seine Spieler um nicht weniger als darum, eine völlig unbefriedigende Bundesligasaison möglichst frühzeitig zu einem guten Ende zu bringen. „Wenn wir nicht gewinnen, müssen wir uns noch mehr mit dem Thema Klassenerhalt beschäftigen“, sagte Rangnick. Eine Perspektive, die jegliche Euphorie eines Neuanfangs in der Nach-Magath-Ära zu ersticken droht.

Acht Trainingstage hat der 52-Jährige mit den Schalker Profis mittlerweile hinter sich gebracht. Sehr wenig Zeit für Rangnick, um den großen Erwartungen gerecht werden zu können. Auch wenn sich die zuletzt düstere Stimmung in und um den Klub deutlich aufgehellt hat. In diesem kurzen Zeitraum dürfte es für den neuen Trainer allerdings kaum Möglichkeiten geben haben, die Spielweise der Schalker Mannschaft nach seinen Vorstellungen umzustellen. Rangnick bevorzugt schnelles, direktes Flachpassspiel in die Spitze, was sich doch deutlich vom bisherigen, eher in die Breite angelegten Konzept unterscheidet.

Allerdings hat der Trainer im Umfeld bereits einige Änderungen veranlasst. Mit Andreas Falarzik wurde ein Arzt mit der medizinischen Betreuung der Mannschaft betraut. Bei seinem Vorgänger war diese Position nicht besetzt. „Das kannte ich aus meinen bisherigen Vereinen nicht“, sagte Rangnick. Zudem begleitet ein Dolmetscher das Team auf und neben dem Trainingsplatz. „Viele Spieler sprechen kein deutsch. Die müssen ja meine Anweisungen verstehen“, erläuterte der Trainer.

Zu Verwunderung führte bei Rangnick auch die Tatsache, dass es derzeit nur ein Spielfeld gibt, „auf der eine Bundesliga-Mannschaft vernünftige Verhältnisse vorfindet“. Da die übrigen Trainingsplätze in einem miserablen Zustand seien, trainierte das Team auf dem Stadionrasen. In den kommenden Tagen muss der Klub wohl Geld in die Hand nehmen, um Rollrasen anzuschaffen.

Rangnick versucht im Schnellverfahren, die größten Defizite, auf die er spontan Einfluss nehmen kann, nach seinen Vorstellungen abzustellen. Am Spielerkader kann er dagegen noch nichts ändern. Deshalb ist auch in diesem Punkt Improvisation gefragt. Und so wird der zuvor von Felix Magath zu den Schalker Amateuren abgeschobene Alexander Baumjohann von Rangnick eine neue Chance bekommen. „Er ist ein Spieler mit überdurchschnittlichen Fähigkeiten“, sagte der Trainer. Gegen die Hamburger könnte dem 24-Jährigen der Schritt zurück in die Startelf und dort auf die Position hinter den Spitzen gelingen. Da Klaas-Jan Huntelaar weiterhin mit einer Knieverletzung ausfallen wird, dürfte Jefferson Farfan neben Raúl in der Sturmspitze spielen. „Das ist sicher eine Option“, so Rangnick. Das kollektive Schalker Unbehagen dürfte mindestens bis zum Anpfiff der heutigen Partie bestehen bleiben. „Es bleiben ein paar Prozente Unberechenbarkeit“, sagte Rangnick. Eine wenig komfortable Ausgangsposition.

JÖRG STROHSCHEIN

Quelle: wa.de

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