Raúl feiert mit Schalke den Einzug ins Halbfinale der Champions League

+
Der Wahnsinn geht weiter: Raúl feiert mit den Schalker Ultras den Einzug ins Halbfinale der Champions League. ▪

GELSENKIRCHEN ▪ Die Capos auf dem kleinen Podest vor der Nordkurve hatten ihr Reich gerne zur Verfügung gestellt. Als von links ein gewisser Raúl González Blanco die Treppe hinaufkletterte, machte einer der Fan-Einpeitscher mit nacktem Oberkörper bereitwillig Platz. Von Jens Greinke

Hinter ihm ertönte wie ein Tremolo aus tausend Kehlen ein lang gezogenes „Rauuúl“. Als der Spanier das Megaphon in die Hand gedrückt bekam, wurde es mucksmäuschenstill in der ausverkauften Arena, man hätte einen Schienbein-Schoner fallen hören können. Bis Raúl „Kämpfen und Siegen“ ins Megaphon brüllte, den Spruch, den ihm der Capo souffliert hatte. Da vibrierte die Arena ein letztes Mal an diesem Abend in ihren Grundfesten. So heftig, dass man kapitale Gebäudeschäden befürchten musste. Und Raúl González Blanco strahlte wie ein kleiner Junge unter dem Weihnachtsbaum.

Nach dem 2:1 (1:0)-Erfolg der Schalker im Rückspiel des Champions-League-Viertelfinales war Raúl nach Ansicht von Mannschaftskapitän Manuel Neuer „einfach dran gewesen“. „Die Fans hatten ihn schon letztens in der Kurve haben wollen, heute kam er einfach nicht darum herum“, sagte der baumlange Schalker Keeper, der den kleinen Spanier mit einem kräftigen Schubser in Richtung Nordkurve gestoßen hatte. Dort erlebte er dann einen Moment, der auch für einen Super-Star wie ihn ein außergewöhnlicher war. Zwar wird der 33-Jährige von den Fans seines Ex-Klubs Real Madrid abgöttisch verehrt. Aber welche Zuneigung er in seiner ersten Saison im Gelsenkirchener Stadtteil Buer erlebt, das hat auch für ihn eine neue Dimension. Weil er, der Weltstar, keinerlei Allüren zeigt. Sondern das, was die Fans bei ihren Spielern am liebsten sehen: Die Fähigkeit zu kämpfen und zu siegen. Aus der respektvollen Ehrfurcht, mit der sie Raúl nach seinem Wechsel im Sommer begegnet waren, ist eine tiefe Zuneigung geworden.

Zumal der Spanier mittlerweile Garant für viele Erfolge ist. Raúl gehörte zwar schon unter Felix Magath zu den konstantesten und besten Spielern. Aber nach dem Engagement von Ralf Rangnick blüht der 33-Jährige noch mehr auf. Im Rückspiel gegen Mailand war ihm kurz vor der Pause das wichtige 1:0 gelungen, sein insgesamt 73. Europapokal-Tor. Dieser Treffer hatte die Ambitionen der Mailänder, nach der 2:5-Hinspiel-Niederlage das „Wunder von Schalke“ zu schaffen, endgültig erstickt. Dem Ausgleich durch Thiago Motta (49.) war das 2:1 in der 81. Minute durch Benedikt Höwedes gefolgt – nach einem Traumpass von Raúl. „Das ist ein historischer Moment für alle“, sagte der Spanier nach dem erstmaligen Einzug der Schalker ins Halbfinale der Champions League: „Für solche Momente bin ich nach Schalke gekommen.“

Jetzt geht es für die Schalker am 26. April zunächst daheim und am 4. Mai in „Old Trafford“ gegen Manchester United. „Früher haben wir immer auf der Playstation in Old Trafford gespielt. Gewonnen haben meistens die, die Manchester hatten. Nun können wir in der Realität sehen, was dort möglich ist“, sagte der 21-jährige Innenverteidiger Benedikt Höwedes, der gegen Inter eine überragende Partie abgeliefert hatte. Hans Sarpei, der fast 35-jährige Defensiv-Routinier, meinte: „Schalke gegen Manchester – das klingt besser als Musik.“ Und Raúl González Blanco fragte schließlich: „Warum sollen wir nicht auch gegen Manchester weiterkommen? Ich träume von einem Finale gegen Real.“ Und bislang scheinen all seine Träume auf Schalke in Erfüllung gegangen zu sein.

Quelle: wa.de

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare