Absage an Lehmann: Schalke will Torwart mit Perspektive

Jens Lehmann ▪

RÜGEN ▪ Ein spektakuläres Comeback von Jens Lehmann beim FC Schalke wird es nicht geben. Manager Horst Heldt hat Lehmanns Berater abgesagt. Stattdessen rückt ein junger Torwart aus Polen ins Blickfeld.

Von Heiko Buschmann

Horst Heldt wirkt entspannt. Gerade hat er mit der Schalker Mannschaft eine Runde durch den Selliner Wald gedreht, vom Himmel lacht die Sonne und die Ostsee schlägt krause Wellen. Was dem Sportvorstand der Königsblauen allerdings noch viel wichtiger als der gelungene Auftakt des sechstägigen Trainingslagers der Königsblauen auf Rügen ist: Die zurückliegende Sommerpause hat er gut genutzt, um in dem von seinem Vorgänger Felix Magath aufgeblähten Kader aufzuräumen.

14 Spieler ist Heldt inzwischen los geworden, und bis zum Ende der Transferperiode dürften noch einige Abgänge hinzu kommen. Zuvor hat der 41-Jährige aber erst einmal den Poker um den gleichaltrigen Jens Lehmann beendet. „Wir haben Jens’ Manager mitgeteilt, dass wir von einer Verpflichtung Abstand nehmen. Dies ist eine rein sportliche Entscheidung und hat nichts mit irgendwelchen Forderungen, die im Raum stehen, zu tun“, sagte Heldt. Angeblich habe Lehmann für ein Engagement bei seinem früheren Klub vier Millionen Euro aufgerufen. „Wir gehen zunächst mit unseren drei jetzigen Torhütern Ralf Fährmann, Mathias Schober und Lars Unnerstall in die Vorbereitung. Dabei werden wir uns alle Optionen offen halten“, will Heldt allerdings einen späteren Transfer nicht ausschließen.

Vakant ist die Zukunft von Nachwuchsmann Unnerstall, der in der vergangenen Saison in der Schalker Regionalligareserve hielt. In Gelsenkirchen im Gespräch ist der 21-jährige Pole Grzegorz Sandomierski von Jagiellonia Bialystok. „Falls wir noch einen Torwart holen sollten, dann einen jüngeren“, sagte Heldt, ohne den Namen des Talents der „Extraklasa“ konkret zu nennen.

Während der bereits 35 Jahre alte Schober in den nächsten Tagen einen neuen Einjahresvertrag erhalten soll, darf sich Rückkehrer Fährmann keineswegs als Nummer eins beim DFB-Pokalsieger fühlen. „Wir leben in einer Leistungsgesellschaft, da erwarten wir von jedem, dass er um seinen Platz kämpft. Das gilt auch für Ralf“, betont Heldt.

Weitere Verkaufskandidaten sind hingegen die beiden Ghanaer Hans Sarpei und Anthony Annan, der Edelreservist Albert Streit sowie Chinese Junmin Hao. Dessen eigentlich am 30. Juni 2011 auslaufenden Vertrag hatte Magath Anfang dieses Jahres bis 2013 verlängert, ohne jemandem im Verein zu informieren. Trainer Ralf Rangnick plant nicht mit dem Mittelfeldkicker, der sich aber nicht abschieben lassen will. So hat zwar der Klub Hangzhou Greentown aus seiner Heimat Interesse angemeldet, doch Hao sieht seine sportliche Zukunft nicht im Reich der Mitte. Kann Heldt auch noch die letzten Ladenhüter an den Mann bringen, wird ein Teil des eingesparten Geldes für Verstärkungen ausgegeben. „Wenn wir noch zuschlagen können, werden wir das tun“, kündigte er an.

Ersatz für Jefferson Farfan muss er vorerst nicht beschaffen, obwohl der Peruaner die nächsten drei bis vier Wochen nicht zur Verfügung stehen wird. Farfan hat sich in der Vorbereitung auf die Copa America einen Muskelfaserriss im Oberschenkel zugezogen und wird auf seine Teilnahme bei der Südamerikameisterschaft verzichten müssen. „Jeff wird noch einige Tage dort bleiben, um sich von den Ärzten seiner Nationalmannschaft behandeln lassen und dann zurück nach Deutschland fliegen“, kündigt Heldt an.

Quelle: wa.de

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