Manuel Neuer kündigt unter Tränen den Abschied an

GELSENKIRCHEN ▪ Er stockte, wischte sich mit der Hand durch die Augen, um dann ganz abzubrechen.

Nichts ging mehr, die Emotionen waren einfach zu groß. Als sich dann aber schon der nächste Fragesteller zu Wort meldete, musste Pressesprecher Thomas Spiegel erst einmal kurz mit Manuel Neuer Rücksprache halten, ob er wieder bereit sei, zu antworten. Er war. Allerdings immer wieder mit Tränen in den Augen und mühsam seine Stimme suchend, als der Torwart des FC Schalke 04 gestern Mittag das verkündete, was niemanden mehr sonderlich überraschte. Nämlich, dass er seinen bei seinem Heimatverein am 30. Juni 2012 auslaufenden Vertrag nicht verlängern wird. „Das war weiß Gott keine einfache Entscheidung für mich. Ich habe eine gewisse Zeit gebraucht, um sie zu treffen“, sagte der 25-jährige Nationalkeeper, der nun wohl für eine noch auszuhandelnde Ablösesumme, die bei rund 20 Millionen Euro liegen dürfte, im Sommer zum FC Bayern wechseln wird. „Ich möchte mich persönlich weiterentwickeln, einen neuen großen Schritt in meiner Karriere machen und immer auf höchstem Niveau spielen, und das ist die Champions League.“

Zu einem klaren Ja für den deutschen Rekordmeister wollte und konnte sich der Keeper allerdings nicht durchringen – doch scheint dies nur eine Frage der Zeit zu sein. Und des Geldes. „Ich habe zuletzt eine Anfrage von Karl-Heinz Rummenigge erhalten, ob es zu einem Treffen kommen kann“, verriet S04-Manager Horst Heldt. „Aber ich habe ihm mitgeteilt, dass ich im Moment für Gespräche nicht zur Verfügung stehe. Denn wir haben noch einige wichtige Spiele, auf die wir unseren Fokus legen. Und nicht auf andere Dinge.“

In den vergangenen Tagen stand das Thema Manuel Neuer beim FC Schalke intern allerdings an allererster Stelle. Zwei Tage lang, so Trainer Ralf Rangnick, habe er noch einmal „mit Leib und Seele gekämpft, dass Manuel hier bleibt“. Doch es nützte nichts. Die Verlockungen, die der FC Bayern zu bieten hat, waren zu groß für den laut Rangnick „besten Torwart der Welt“.

Zwar ließ Neuer offen, wann und wohin er wechselt. Doch die Richtung ist genauso offensichtlich wie der Zeitpunkt. Denn die Schalker werden sicherlich nicht noch ein Jahr an ihrem Torwart festhalten, um dann im kommenden Jahr keinen Cent Ablösesumme zu kassieren. „Das kann ich nicht alleine entscheiden. Ich habe einen Vertrag bis 2012, ich bin kein Verantwortlicher des Vereins. Es gibt gewisse Tendenzen. Horst Heldt hat mich über das Interesse von Bayern München informiert. Die Entscheidung liegt bei den Vereinen“, erklärte Neuer, der einerseits froh war, dass er nun seine Entscheidung verkündet hat: „Ich wollte das hinter mir haben. Wir wollen keinen Eiertanz machen.“ Andererseits fiel es ihm aber sichtlich schwer, den Abschied von seiner großen Liebe, der er mehr als 20 Jahre die Treue gehalten hat, anzukündigen.

Fraglich ist nur, wie die Schalker Anhänger mit dem Abgang ihres Idols umgehen. Selbst Manuel Neuer hatte gestern keine Ahnung, was am Samstag im Heimspiel gegen den 1. FC Kaiserslautern auf ihn zukommen wird. „Klar, dass einige sauer sein werden. Denn das ist kein schöner Moment für die Fans von Schalke 04. Mit zehn Jahren, als ich selbst in der Kurve stand, hätte ich es wahrscheinlich auch nicht verstanden“, sagte der Torwart, der nach eigenen Angaben kein Problem damit hätte, wenn die Zuschauer pfeifen würden. „Wichtig ist nur, dass die Mannschaft keinen Schaden nimmt.“

An Pfiffe und Missfallsbekundungen ist er allerdings schon gewöhnt. Im Halbfinale des DFB-Pokals am 2. März hatten die Bayern-Fans ihren Ärger über einen möglichen Neuer-Wechsel nach München zum Ausdruck gebracht. Ein Grund, deswegen nicht nach München zu gehen, seien die Tausende von Pappschildern mit der Aufschrift „Koan Neuer“, die die Fans ihm entgegengehalten hätten, aber nicht: „Es ist schlimmer, von den eigenen Fans ausgepfiffen zu werden, als von Noch-Fremden.“ Aber das kann ja am Samstag noch folgen.

Patrick Droste

Quelle: wa.de

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