Lewis Holtby muss sich auf Schalke neu beweisen

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Lewis Holtby bei seinem Länderspieldebüt gegen Schweden. ▪

RÜGEN ▪ Mit seinem braven blonden Seitenscheitel sieht Lewis Holtby derzeit ein bisschen aus wie der Traum aller Schwiegermütter. Dabei hatte der 20-Jährige vor ein paar Monaten noch in einer schwer angesagten Rockband gespielt. Von Heiko Buschmann

Als Mainz 05 in der vergangenen Saison völlig überraschend an die Spitze der Bundesliga gestürmt war, mimte Holtby – begleitet von André Schürrle und Adam Szalai – gerne an der Eckfahne den Leadsänger.

Natürlich will er auch beim DFB-Pokalsieger mit Leistungen glänzen. „In Mainz war nach dem Wahnsinnsstart die Euphorie groß und wir die richtigen Typen dafür. Doch auf Schalke muss ich mir erst meinen Platz erkämpfen und die Tore machen“, gibt Holtby aber zu bedenken. „Es kann sein, dass die Rockband wieder auftritt, doch dafür müssen die Voraussetzungen stimmen.“

Zum Haare schneiden sei er übrigens nicht gekommen, dafür war die Pause zwischen seiner Nominierung für die deutsche A-Nationalmannschaft in den EM-Qualifikationsspielen in Wien gegen Österreich und in Baku gegen Aserbaidschan sowie dem Vorbereitungsauftakt in Gelsenkirchen zu kurz. „Das werde ich nach dem Trainingslager nachholen, denn ich trage die Haare doch lieber kurz“, kündigt Holtbyauf Rügen an, wo auch Raúl wie abgesprochen mit einem Tag Verspätung eingetroffen ist. Einen Imagewechsel, als ob er plötzlich seriös würde, hat er indes nicht geplant. „Ich werde mich nicht verstellen. Ich bin halt ein bisschen verrückt, daher passe ich auch so gut zu Schalke und seinen emotionalen Fans.“

Als die neue Nummer zehn der Königsblauen vor zwei Jahren beim FC Schalke anheuerte, war er nach seinem Bundesligadebüt fast schon unten durch. Da hatte es sich der damals 18-Jährige beim Saisonauftakt in Nürnberg tatsächlich erlaubt, einen Konter in der 90. Minute beim Stand von 2:1 für Schalke eigensinnig mit einem Heber aus 45 Metern abzuschließen, statt den mitgelaufenen Kevin Kuranyi anzuspielen. Der Versuch misslang, was der strenge Schalker Ex-Trainer Felix Magath zum Anlass nahm, seinen Jungspund derart in der Öffentlichkeit zusammen zu falten, dass der ohnehin nur 1,76 Meter kleine Spaßfußballer stehend unter einem Tischkicker hätte durchlaufen können. „Das war ein Fehler, ganz klar, aber aus dieser Szene habe ich gelernt. Da wusste ich, dass ich in der ersten Liga angekommen war“, sagt er heute. „Damals hatte ich null Bundesligaspiele, jetzt sind es 53. Außerdem bin ich Kapitän der U 21-Nationalelf und habe meine ersten beiden A-Länderspiele hinter mir. Das sind schon andere Voraussetzungen, aber ich werde nie der Typ sein, der die Nase in die Luft hält und sagt. Ich bin der Beste!“

Magath ist auf Schalke Geschichte und Holtby nach eineinhalb Jahren in Bochum sowie Mainz reif für einen zweiten Anlauf bei den Blau-Weißen. Das weiß auch Coach Ralf Rangnick, der das Supertalent schon vor drei Jahren von Alemannia Aachen nach Hoffenheim holen wollte. Holtby entschied sich für Schalke, nun treffen sie sich wieder. Der Trainer legte auf Holtbys Platz das Trikot mit der Zehn. „Ich habe nie gesagt, dass ich die Zehn will“, soll für Holtby die Rückennummer, die gewöhnlich der Spielmacher einer Mannschaft trägt, nicht zur persönlichen Last werden.

Quelle: wa.de

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