Bittere Rückkehr von Magath nach Schalke

+
Die Stimmung ist wieder bestens: Schalkes Coach Ralf Rangnick (links) feiert mit Ersatz-Torwart Mathias Schober den 1:0-Sieg über Wolfsburg.

GELSENKIRCHEN - Wahrscheinlich lag es an der dampfenden Teetasse vor ihm, dass Felix Magath am Samstagnachmittag eine Fehleinschätzung unterlief: „Ich habe hier alles so vorgefunden wie gehabt.“ von Jens Greinke

Das Personal im Schalker Presseraum hatte dem ehemaligen Chef wie in den vergangenen eineinhalb Jahren seinen geliebten Tee aufgebrüht, in dem der 57-Jährige bei der Pressekonferenz nun rührte. Sieht man aber einmal vom heißen Aufgussgetränk ab, so hat sich auf Schalke doch einiges grundlegend geändert. Was Magath geflissentlich übersah. Die größte Modifikation saß im königsblauen Trainingsanzug gut gelaunt zwei Meter neben ihm: Ralf Rangnick.

Es ist müßig darüber zu diskutieren, welchen Anteil der neue Cheftrainer an den Erfolgen in den vergangenen drei Spielen hatte. Festzuhalten bleibt allerdings, dass die Schalker seit dem Comeback von Ralf Rangnick alle drei Partien gewonnen haben und sich das Charisma des Teams grundlegend verändert hat. Aus einer ängstlich und wenig selbstbewusst wirkenden Mannschaft ist ein Team geworden, dass mit Disziplin beim FC St. Pauli 2:0 gewann, mit Fantasie und Inspiration Inter Mailand mit 5:2 aus dem Guiseppe-Meazza-Stadion schoss und nun mit großem Willen einen widerspenstigen VfL Wolfsburg mit 1:0 (0:0) niederrang. „Wir haben gehofft, dass sich die Mannschaft kurzfristig auf die Dinge einlässt, die wir als Trainerteam vorgeben. Wie unvoreingenommen die Jungs alles aufgenommen haben, ist natürlich fantastisch“, sagte Rangnick und ergänzte: „Wir haben jetzt in allen drei Wettbewerben wirklich noch etwas zu erreichen. Diese Saison kann noch eine außergewöhnliche werden.“ Neben dem Pokalfinale am 21. Mai gegen den MSV Duisburg könnten die wundersamen Schalker in der Champions League noch Geschichte schreiben. Der Halbfinal-Einzug dürfte am Mittwoch im Rückspiel gegen Inter perfekt gemacht werden, was danach noch drin ist, können derzeit wohl auch die größten Experten nicht einschätzen. Und in der Liga ist der Rückstand auf Rang fünf auf sechs Punkte geschmolzen.

Auf alle Fälle wirken die Schalker wie beflügelt. „Der Kummerkasten ist leer“, bemerkte Kapitän Manuel Neuer nach dem Spiel, die Stimmung in der Kabine sei wieder bestens. Wie wichtig einigen Schalker Spielern der Sieg über ihren ehemaligen Coach gewesen war, war nach dem 1:0 (76.) durch Jose Manuel Jurado deutlich geworden. Während Neuer wild hüpfend bis zur Mittellinie lief, wurde der Torschütze von seinen Mannschaftskameraden fast erdrückt. Und Rangnicks Freudentanz nach dem Schlusspfiff war ähnlich exaltiert wie der von BVB-Trainer Jürgen Klopp – nur nicht so verbissen. „Das war vielleicht nicht der wertvollste, aber der wichtigste Sieg“, sagte der 52-jährige Schwabe: „Das hat aber nichts mit ehemaligen Trainern zu tun. Sondern damit, dass wir uns nun endgültig aller Abstiegssorgen entledigt haben und uns voll auf die beiden Pokal-Wettbewerbe konzentrieren können.“

Für Felix Magath hingegen sind die Probleme nach seiner Rückkehr nach Schalke noch größer geworden. „Ich habe große Sorge wegen der Situation, die Truppe ist den Abstiegskampf offenbar nicht gewohnt“, sagte der 57-Jährige, trank seinen Tee aus und verschwand.

Quelle: wa.de

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare