Kommentar: Auf Schalke bleiben viele Fragen offen

+
Felix Magath ▪

Große Überraschungen gab es gestern auf Schalke nicht: Wie erwartet hat sich der Traditionsklub von Trainer Felix Magath getrennt. Doch wer sich Klarheit und Hintergründe erhofft hatte, der sah sich erneut enttäuscht. Clemens Tönnies und seine Mitstreiter im Aufsichtsrat beließen es bei diffusen Andeutungen. So wabert weiter ein dichter blauweißer Nebel über das Berger Feld.

Große Teile der Schalker Anhängerschaft müssen sich weiterhin ihr Bild von der Situation aus Zeitungsberichten, Internet-Meldungen und anderen sekundären Quellen zusammenpuzzeln, ohne dabei die Gewissheit zu haben, die tatsächlichen Gründe für die Trennung von Magath herausfiltern zu können. Immerhin wurde vom Aufsichtsrat bestätigt, dass sich Teile der Mannschaft massiv über den offenbar rüden und respektlosen Umgangsstil von Magath und seinen Trainern beschwert hatten. Erwiesen ist auch, dass sich zwischen den übrigen Angestellten des FC Schalke 04 und den Vertrauten von Felix Magath ein tiefer Graben aufgetan hatte. Die Hauptmotivation für die Trennung dürfte allerdings woanders liegen.

Es geht laut Tönnies um finanzielle Unregelmäßigkeiten, die offenbar festgestellt wurden. Welche finanziellen Verfehlungen sich Magath erlaubt hat, blieb gestern im Dunkeln. Dass der 57-Jährige gestern Nachmittag von sich aus seinen Anstellungsvertrag kündigte, könnte ein Indiz dafür sein, dass es sich um gravierende Fehltritte handelt.

Dass Tönnies nicht mehr Licht in die Sache brachte, könnte mehrere Gründe haben. Das deutsche Arbeitsrecht ist eine sensible Angelegenheit, öffentliche Äußerungen müssen mit Bedacht gewählt werden. Denkbar ist allerdings auch, dass Tönnies‘ Zurückhaltung auf einem „Deal“ mit Magath basiert – nach dem Motto „Leben und leben lassen“. Der profanste Grund wäre ein weiterer Fehler in der bislang so mangelhaften Öffentlichkeits-Arbeit von Tönnies.

So oder so: Für die Fans bleiben erneut viele Fragen offen. ▪ JENS GREINKE

Quelle: wa.de

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare