Königlicher Abschied für Raúl auf Schalke

GELSENKIRCHEN - Die Fotografen-Traube hatte eine Dimension, wie man sie nur vom WM-Finale kennt. Es gab Hostessen in schicken Kostümen und eine Bühne, die jeder Meisterschafts-Feier gerecht geworden wäre.

Von Jens Greinke

Angesichts dieser pompösen Saison-Abschluss-Feier in der Schalker Arena fragte sich so mancher Beobachter, warum keine Medaillen verteilt oder Konfetti-Kanonen abgefeuert worden waren. Aber man musste Verständnis haben an diesem Samstagnachmittag, die Schalker Seele gierte nach Gefühlen und großem Kino. Schließlich hieß es Abschied nehmen. Unter anderem von einer Legende: Raúl. Nach zweijähriger Dienstzeit absolvierte der 34-jährige Spanier gegen Hertha BSC sein letztes Heimspiel im Schalker Trikot. Es war ein perfekter Abschluss-Akkord für den Weltstar, wie von einem unsichtbaren Meisterregisseur inszeniert und in seinem Ablauf fast unglaublich. Unzählige Transparente würdigten den Star-Stürmer, viele auf spanisch: „Muchas Gracias el Rey de Futbol“ stand auf einem geschrieben, ein anderes betonte die vereinshistorische Bedeutung dieses zweijährigen Engagements: „Datt mit Raúl erzähl ich meine Enkel“.

So wurde Raúl verabschiedet

Schalker Fans feiern Abschied von Rául

Sechs Minuten vor dem Abpfiff gelang dem so belobigten tatsächlich noch ein letztes Tor in der Arena. Raúl lief zur Eckfahne und fiel dankbar für dieses Geschenk auf die Knie. Es war der Treffer zum 3:0-Zwischenstand, die weiteren Tore beim 4:0 (1:0)-Sieg über eine erbärmlich schwache Mannschaft von Hertha BSC erzielten Klaas-Jan Huntelaar (32., 88.) und Lewis Holtby (73.). Als Raúl während der Abschieds-Zeremonie nach Abpfiff mit seinen fünf Kindern in Richtung Nordkurve lief, konnte er die Tränen nicht mehr zurückhalten. „Es war ein sehr emotionaler Moment“, sagte der 34-Jährige später. Noch einmal erschütterten „Rauuul“-Sprechchöre die Arena, die den Weltstar tief ins Herz trafen: „Dieser Verein und seine Fans sind einzigartig, so etwas gibt es nirgendwo anders. Es hat mich sehr berührt.“

Die Beziehung Raúl-Schalke muss tatsächlich als eine besondere angesehen werden: In der nur zwei Jahre währenden Liaison hat sich eine außerordentliche Liebe entwickelt. Raúl gab den Fans zauberhafte Momente und war stets ein tadelloser Sportler auf dem Platz. Die Anhänger zahlten es ihm mit großem Respekt und tiefer Zuneigung zurück. „Meine beiden Großen haben gesagt, ich hätte hier bleiben sollen“, sagte Raúl. Doch Jorge (12) und Hugo (9) hatten ihren Vater in seiner Entscheidung schließlich nicht mehr beeinflussen können. Nach der Saison wird der Weg der Familie weg von Europa führen, am wahrscheinlichsten ist ein Wechsel in den Wüstenstaat Katar.

Etwas unter ging der Abschied von drei weiteren Schalker Spielern. Neben Levan Kenia, dessen Jahre auf Schalke in erster Linie durch schwere Verletzungen geprägt waren, und dem 35-jährigen Hans Sarpei beendet mit Mathias Schober auch der letzte Schalker „Eurofighter“ nach dieser Saison seine Karriere. Auch für „Schobi“ wurde es ein sehr sentimentaler Moment, der 36-jährige Keeper hat insgesamt 15 Jahre lang das blauweiße Trikot getragen. „Ein bisschen Wehmut empfinden wir alle, aber natürlich überwiegt die Freude über die Qualifikation für die Champions League“, sagte Mannschaftskapitän Benedikt Höwedes später. Durch den Sieg über die Berliner haben die Schalker den wichtigen dritten Tabellenplatz gesichert, der eine Millioneneinnahme in der neuen Saison garantiert. „Mit den vier Spielern, die heute verabschiedet wurden, verlassen uns gute Charaktere“, sagte Höwedes weiter: „Aber es geht weiter, andere Spieler werden kommen.“ Einer wie Raúl Gonzales Blanco dürfte allerdings vorerst nicht dabei sein.

Quelle: wa.de

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