Keiner glaubt an ein Wunder in Manchester

GELSENKIRCHEN ▪ Sie standen da. Völlig bewegungslos. Wie Ölgötzen. Die Spieler von Manchester United hatten sich längst von ihren Fans verabschiedet und waren Richtung Umkleidekabine verschwunden.

Die Akteure des FC Schalke 04 befanden sich in diesem Moment aber immer noch in einer Art Schockstarre in der Mitte des Platzes, wollten und konnten nicht begreifen, was ihnen in den 90 Minuten vorher widerfahren war. Erst dann, fast zehn Minuten nach dem Abpfiff, schleppten sich die Königsblauen mit hängenden Köpfen und schweren Schritten in Richtung Nordkurve, wo ihre Anhänger „Auswärtssieg, Auswärtssieg“ skandierten. Doch nach der bitteren Lektion und der verdienten 0:2 (0:0)-Heimniederlage gegen den englischen Rekordmeister im Halbfinal-Hinspiel der Champions League kann eigentlich niemand ernsthaft auf ein Wunder von Old Trafford hoffen. „Wir sind auf eine sehr starke Mannschaft getroffen und hatten nicht die Mittel, gegen diesen Gegner zu bestehen. ManU war besser“, gestand Sportdirektor Horst Heldt offen und ehrlich ein. Und Raul fügte an: „Natürlich ist das enttäuschend und fühlt sich schlecht an.“

Schlecht war vor allem, wie groß der Respekt, bei manchen Spielern die Angst vor dem millionenschweren Starensemble von Sir Alex Ferguson war. Lediglich in den ersten 15 Minuten waren die Schalker Manchester United auf Augenhöhe gegenüber getreten, anschließend fand Königsblau überhaupt nicht mehr statt, wurde von den Engländern förmlich an die Wand gespielt. „Das hatten wir uns ganz anders vorgestellt“, zeigte sich auch Trainer Ralf Rangnick nach der Lehrstunde fassungslos. „Nach einer Viertelstunde haben wir mit jedem Angriff von ManU mehr falsch gemacht, sind immer nur im freien Raum stehen geblieben. Dadurch kam Manchester immer wieder unbehelligt nach vorne.“

Hätte Manuel Neuer nicht einmal mehr eine Weltklasse-Partie abgeliefert und die Gäste-Stürmer zumindest 67 Minuten lang schier zur Verzweiflung gebracht, hätte die Begegnung auch in einem Debakel enden können. So mussten die teilweise überforderten Schalker nur zwei Gegentreffer von Ryan Giggs (67.) sowie Wayne Rooney hinnehmen (69.).

Allerdings ärgerte sich Rangnick nach der Partie maßlos über den Zeitpunkt dieser beiden Treffer, durch die die Knappen nun äußerst chancenlos zum Rückspiel am kommenden Mittwoch reisen. „Sicher hatten wir es Manuel zu verdanken, dass wir zur Pause nicht schon mit einem, zwei oder drei Toren zurücklagen. Da hatten wir einige prekäre Situationen zu überstehen. Dennoch war es bitter, dass wir das 0:1 in einer Phase bekommen, als nichts auf einen Rückstand hindeutete“, schimpfte der Coach. „Da haben wir auf zu vielen Positionen einfach nur zugeschaut.“

Dennoch machte sich rund eine Stunde nach dem Abpfiff bei Ralf Rangnick ein kleines Fünkchen Hoffnung breit, dass der Traum vom Finale am 28. Mai im Londoner Wembley-Stadion doch noch Realität werden kann. „Klar spricht die Ausgangslage für Manchester. Aber im Fußball sind schon viele Dinge passiert, wir sind auswärts immer für Tore gut. Und vielleicht ist sich ManU ja seiner Sache zu sicher“, meinte der Coach. „Wir haben rein gar nichts mehr zu verlieren und können da frei nach vorne spielen.“

Sollte es nicht klappen, haben die Schalker trotzdem einen tollen Trost: zwei überraschende Triumphe in der K.o.-Phase der Königsklasse gegen den FC Valencia und Titelverteidiger Inter Mailand sowie rund 50 Millionen Euro Einnahme durch das Erreichen des Halbfinals.

Patrick Droste

Quelle: wa.de

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