In Istanbul hoffen die Schalker auf die Wende

ISTANBUL ▪ Horst Heldt trat die Reise nach Istanbul ziemlich verschnupft an. Den Schalker Manager hatte eine Erkältung erwischt, die Augen waren gerötet und die Stimme belegt. Doch hat der 43-Jährige derzeit größere Sorgen, als einen Schnupfen auszukurieren. Von Jens Greinke

Die Wogen haben sich seit dem 2:2 beim FSV Mainz 05 ein wenig geglättet beim Traditionsklub aus Gelsenkirchen, doch abgeflaut ist der Sturm noch lange nicht. „Der Knoten ist noch nicht nachhaltig geplatzt“, beschreibt Cheftrainer Jens Keller etwas sperrig und fügt an: „Es waren gute Ansätze da. Aber nicht alles ist Gold, was glänzt.“ Auch nicht hier in Istanbul, an der Grenze zwischen Orient und Okzident. Glänzend war zumindest der Ausblick, der sich den Schalkern in Istanbul bot. Die Mannschaft bezog Quartier im Ritz Carlton mit Aussicht auf den Bosporus.

Hier erwartet das Schalker Team Mittwoch Abend (20.45 Uhr) etwas, was gemeinhin als heißer Tanz bezeichnet wird. Das Hinspiel im Achtelfinale der Champions League gegen Galatasaray Istanbul dürfte zu einem prägenden Erlebnis für alle Schalker Beteiligten werden – sowohl für die rund 2 800 mitgereisten Fans als auch für Trainerstab und das Team. „Die türkischen Mannschaften geben in den ersten 20 bis 25 Minuten Vollgas, da dürfen wir nicht nervös werden“, mahnt Horst Heldt.

Das dürften schwierig werden, zumal die Schalker Defensive persönliche Bekanntschaft mit hoher Fußball-Prominenz machen wird. Mit Wesley Sneijder und Didier Drogba haben die Türken in der Winterpause zwei Weltstars eingekauft. Und der 34-jährige Drogba hat in seinem ersten Pflichtspiel für die „Cimbom“ nur wenige Minuten nach seiner Einwechslung getroffen – an der Vorarbeit war Wesley Sneijder beteiligt. Drogba ist zwar mittlerweile 34 Jahre, doch umgibt den Ivorer weiterhin eine gewisse Aura. „Allein seine Präsenz sorgt für einen riesigen Motivationsschub bei meinen Spielern“, hat Galatasarays Trainer Fatih Terim in der kurzen Zeit festgestellt. Sogar das aktuelle Passwort für das WLAN-Netz in der Türk-Telekom-Arena ist dem Ivorer mit der Rückennummer 12 gewidmet: Es lautet „Drogba!12“.

Doch weder die aktuelle Krise noch der namhafte Gegner lässt Jens Keller in Ehrfurcht erstarren. Schalkes Coach hält „einen Sieg oder ein Remis für wünschenswert“, für Horst Heldt ist die Partie „ein Duell auf Augenhöhe“. Tatsächlich könnte Istanbul für die Schalker zum Wendepunkt werden. Anders als in der Bundesliga sind die Knappen in der Champions League in dieser Saison noch nicht traumatisiert. Schalke war eine von nur vier Mannschaften, die die Vorrunde ohne Niederlage überstanden hatte. „Wir werden die Spieler daran erinnern“, sagt Jens Keller, der selbst vor seiner Premiere in der Champions League steht. Und seinem Debüt nach Aussage von Horst Heldt recht gelassen entgegen blickt: „Es ist nicht so, dass ihm die Haarspitzen nach oben stehen.“

Zumal sich die personelle Situation ein wenig entspannt. Vor allem die Rückkehr von Klaas-Jan Huntelaar sorgt für Optimismus. Der Niederländer, der zuletzt wegen einer Augenverletzung ausgefallen war, hat in den bisherigen sechs Spielen in der Königsklasse vier Treffer erzielt. „Unser Gegner hat großen Respekt vor ihm, ich wurde in sämtlichen Interviews mit türkischen Medien nach ihm gefragt“, sagt Keller, er allerdings noch nicht verrät, ob er Huntelaar von Beginn an aufbieten wird.

Sollte Huntelaar dazu beitragen, dass die Schalker den Hexenkessel am Bosporus mit einem Lächeln im Gesicht verlassen können, sollten sie ihm daheim in der Gelsenkirchener Arena das WLAN-Passwort widmen.

Mindestens.

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