Metzelder möchte ins Management wechseln

Christoph Metzelder (rechts).
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Christoph Metzelder (rechts).

GELSENKIRCHEN - Das Abschlussgespräch zur sportlichen Karriere des Christoph Metzelder ist schon ziemlich weit fortgeschritten, als der Conferencier der Veranstaltung in die Mangel genommen wird...

Harald Stenger, ehemaliger DFB-Pressechef und somit langjähriger Begleiter des 32-jährigen Ex-Nationalspielers, wird gefragt, ob wenigstens er einmal den Moment erlebt habe, in dem „der Christoph mal so richtig explodiert“ sei. Stenger, der die Moderation des Metzelder-Abschiedes übernommen hat, überlegt eine Weile und sagt: „Ich kann mich nicht erinnern, dass er jemals die Contenance verloren hat.“ Neben Stenger sitzt Metzelder selbst und lächelt sein Diplomatenlächeln.

Morgen endet offiziell eine der bemerkenswertesten Karrieren der jüngeren Fußball-Geschichte. Nach 13 Jahren tauscht Metzelder Trainingskluft und Fußballtreter gegen vermutlich recht geschmackvolle Zivilkleidung. Der gebürtige Halterner tritt zwar ohne großen internationalen Titel ab, wird aber dennoch einen festen Platz in der deutschen Fußball-Historie finden. Als einer der ersten Bundesliga-Profis, die nicht nur durch Talent und Fleiß, sondern auch durch Eloquenz und Intellekt ihren Weg in diesem knüppelharten Geschäft fanden – und zwar in ziemlich jungem Alter. BVB-Trainer Matthias Sammer war es, der Metzelder 2000 im Alter von 19 Jahren seinen ersten Bundesliga-Einsatz ermöglichte. Der ehemalige Ministrant nutzte seine Chance, Metzelders Stern ging auf. Der junge Schlaks, der über den TuS Haltern, Schalke 04 und Preußen Münster den Weg zu den Borussen gefunden hatte, kann heute als Prototyp für jene Spieler gelten, die bereits in jungen Jahren einen große Karriere starten.

Metzelders sportliche Bilanz kann sich sehen lassen: 47 Länderspiele, Vize-Weltmeister 2002, Vize-Europameister 2008 und WM-Dritter beim deutschen Sommermärchen 2006. Dazu Deutscher Meister mit Dortmund 2002, spanischer Meister mit Real Madrid 2008 und DFB-Pokal-Sieger mit Schalke 04 2011. „Es war eine tolle Reise um die halbe Welt. Deshalb bin ich unglaublich dankbar“, sagt Metzelder.

Die letzten drei Jahre seiner Karriere hat er beim FC Schalke 04 verbracht (52 Bundesliga-Spiele/2 Tore) und diese Zeit „als große Herausforderung“ gesehen. Als Ex-Dortmunder stieß er anfänglich auf enorme Ressentiments. „Es war eine schwierige Zeit. Aber ich glaube, ich habe mir den Respekt der Schalker Fans erarbeitet“, so Metzelder. Zudem sagt er über die das Verhältnis zwischen Schalke und dem BVB: „Beide Klubs sind typische Reviervereine mit vielen Parallelen. Und sie sind sich deutlich näher, als es sich viele Fans vielleicht eingestehen wollen.“

Neben der Arbeit in seiner vor sechseinhalb Jahren gegründeten Stiftung, die in fast 15 Projekten gegen Kinderarmut und Jugend-Arbeitslosigkeit nahezu 500 Kinder und Jugendliche betreut („Meine Lebensaufgabe“) wird Metzelder zunächst als TV-Experte arbeiten. Mittelfristig strebt er allerdings einen Job im Fußball-Management an. „Ich habe viele Erfahrungen gesammelt und ein gutes Netzwerk. Allerdings möchte ich in der nächsten Zeit erst noch ein wenig dazu lernen“, sagt Metzelder.

Weitere Erfahrungen könnte er eventuell mit der Organisation eines Abschiedsspiels bei seinem Stammverein TuS Haltern sammeln – und ehemalige Mannschaftskameraden wie Raúl in die Stausee-Kampfbahn einladen. „Eigentlich war das nicht geplant“, sagt Metzelder, „aber vielleicht ist das gar keine schlechte Idee.“

Jens Greinke

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