Ein freundlicher Empfang für Manuel Neuer

GELSENKIRCHEN ▪ 152 Bundesligaspiele hatte Manuel Neuer bis Samstag absolviert.

Und immer war es der gleiche Ablauf gewesen, als er den Platz betrat – egal, ob zuhause oder auswärts: Einige Minute vor dem Rest der Mannschaft lief er mit Ersatztorwart Matthias Schober auf den grünen Rasen und begann, sich als Erster warm zu machen und auf die kommende Aufgabe vorzubereiten. Vor der 0:1 (0:1)-Heimniederlage gegen den 1. FC Kaiserslautern am Samstag durch den Treffer von Srdjan Lakic (42.) war der 25-Jährige, der in der vergangenen Woche unter Tränen seinen Abschied vom FC Schalke 04 verkündet hatte, allerdings von seinem bewährten Ritual abgewichen und hatte zusammen mit den anderen Spielern den Platz betreten. „Das war die Idee von unserem Trainer. Wir wollten damit zeigen, dass wir eine geschlossene Einheit und eine Mannschaft sind“, erklärte Neuer später die ungewohnte Aktion, mit der Ralf Ragnick aber vielmehr vermeiden wollte, dass sein wechselbereiter Torwart mutterseelenalleine in die Arena gekommen und damit der Gefahr ausgesetzt worden wäre, von den eigenen Anhängern mit einem gellenden Pfeifkonzert empfangen zu werden.

Doch am Samstag war nichts dergleichen passiert. Zwar gab es ein paar vereinzelte Pfiffe und wenige Plakate mit Aufschriften wie „Als Torwart die Nr. 1, als Mensch eine O“ oder „Geh doch gleich zum BVB“. Die große Mehrheit der Schalker Fans begleitete einen der wahrscheinlich letzten königsblauen Arbeitstage von Manuel Neuer, der als Kind und Jugendlicher selbst in der Fankurve stand, aber mit warmem Applaus. „Unsere Anhänger haben einfach super reagiert, mich herzlich empfangen. Die einzigen, die gepfiffen haben, waren die Lauterer. Und mit denen habe ich ja nichts zu tun“, zeigte sich der Nationalkeeper sichtlich erleichtert.

Vor dem Anpfiff war er noch ungemein nervös gewesen. Sogar richtig aufgeregt. „Ich wusste nicht, was passiert“, meinte Neuer, der bereits um viertel nach zwei eine erste Vorahnung hatte, dass dieser Tag nicht allzu extrem für ihn werden würde. Denn da war er aus dem Mannschaftsbus gestiegen, sah in viele ihm wohlgesonnene Gesichter und spürte, dass sein vermeintlich schwerster Gang doch eher ein lockerer Spaziergang wird. „Ich hatte ein mulmiges Gefühl, als wir zum Stadion gefahren sind. Aber die Anspannung fiel schon ein bisschen ab, als ich beim Aussteigen aus dem Bus merkte, dass alle freundlich und nett zu mir sind“, sagte Neuer, der gegen die Pfälzer anschließend eine gewohnt souveräne Leistung zeigte. Die 0:1-Niederlage konnte er dabei sogar gut verkraften, ihm war eines viel wichtiger: „Jetzt habe ich es hinter mir. Und ich bin froh, dass es so gelaufen ist.“ ▪ –pad–

Quelle: wa.de

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