Felix Magath auf Schalke vor dem Aus

GELSENKIRCHEN - Felix Magath steht beim FC Schalke vor dem Aus. Die Führungsgremien sollen sich bereits einig sein: Spätestens am Saisonende ist Schluss. Unser Sportredakteur Jens Greinke analysiert die Situation.

Von Jens Greinke

Als Horst Heldt im Juli 2010 zur Vorstandsmannschaft des FC Schalke 04 stieß, dachten viele, dass dies auch auf Initiative von Felix Magath geschehen war. Magath kannte Heldt aus der gemeinsamen Zeit beim VfB Stuttgart, gemeinhin galten die beiden sogar als gute Bekannte. Wer Heldt und Magath allerdings in den darauffolgenden Monaten beobachtete, bemerkte schnell, dass der Kontakt frostig war und sich nur aufs Nötigste beschränkte. Das vermeintlich gute Verhältnis zu Heldt ist einer von vielen falschen Eindrücken, die in der Öffentlichkeit über Magath entstanden sind. Heldt dürfte nun sogar die Aufgabe zukommen, als Manager den FC Schalke 04 an seiner Spitze neu aufzustellen. Ohne Felix Magath. Dessen Zeit scheint jedenfalls abgelaufen zu sein.

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Aufsichtsrats-Chef Clemens Tönnies will sich „vor dem wichtigen Spiel gegen Valencia“ am heutigen Abend dazu nicht äußern, doch die Zeichen stehen auf Trennung. Spätestens zum Saisonende soll Magath, dessen millionenschwerer Vertrag noch bis 2013 läuft, laut übereinstimmenden Medienberichten den Klub verlassen. Weder ein Sieg heute über den FC Valencia im Viertelfinale der Champions League noch der Gewinn des DFB-Pokals dürften dieses Szenario verhindern. Nach Magaths Abgang will der Klub auf einen jungen Trainer setzen. Als Favoriten gelten dabei Robin Dutt (SC Freiburg) und Thomas Tuchel (FSV Mainz). Sogar eine Trennung von Magath vor Saisonende soll im Gespräch sein. Der 57-Jährige selbst gibt sich ahnungslos. „Kicker online“ gegenüber sagt er: „Ich weiß von nichts.“

Offenbar hat Tönnies schon vor einem dreiviertel Jahr bemerkt, dass sich die enorme Machtfülle, die er Magath ein Jahr zuvor selbst übertragen hatte, ungesund auf den Verein auswirken könnte. Die Verpflichtung Heldt ging einzig und allein auf das Konto des Großmetzgers aus Ostwestfalen, und es war ein erstes dünnes Indiz dafür, dass intern nicht alles so glatt lief, wie es nach außen schien. Jetzt, wo sich die Ära Magath dem Ende zuneigt, kann Tönnies froh sein, auf Heldt zurückgreifen zu können. Auch, wenn der Aufsichtsrat-Vorsitzende mit dem Vorwurf leben muss, den Verein einem Autokraten überlassen zu haben, der nach seinem Abgang einen enormen Flurschaden hinterlassen wird. Vereinsangestellte, die namentlich nicht genannt werden wollen, sind der Meinung, dass die Ära Magath den FC Schalke um mindestens drei Jahre zurückwerfen wird.

Konnte die Saison 2009/2010 durch die überraschenden Vize-Meisterschaft noch darüber hinwegtäuschen, dass die Beziehung zwischen dem FC Schalke 04 und Felix Magath ein großes Missverständnis ist, so traten in der laufenden Saison die Risse immer deutlicher zu Tage. Auf der einen Seite der eigensinnige und machtbessesene Magath, der sich durch einen Kokon von eigenen Mitarbeitern schützte, die er auf Schlüsselpositionen des Klubs installierte. Eine Konstruktion, die der „Spiegel“ bereits zu Saisonbeginn recht treffend als „Besatzungsmacht“ bezeichnete. Während Magath und seine Claqueure sich als unantastbar gerieren, herrscht in der übrigen Belegschaft Angst und Schrecken. Der Frust dort hat enorme Ausmaße angenommen. Zumal sich einige von Magaths Leuten selbst als echte Koryphäen sehen, sie in Wirklichkeit in ihrem Bereich aber eine enorme Talent-Freiheit erkennen lassen.

Die negative Motivation ist auch Magaths Basis in der Arbeit mit den Spielern, zu denen er in den meisten Fällen keine persönliche Bindung aufbaut. Magaths Pädagogik ist die seiner eigenen alten Lehrmeister Ernst Happel und Branco Zebec, die es für ausreichend hielten, den Profis grantelnd Kommandos zu erteilen und sie nur im Falle einer schlechten Leistung persönlich anzusprechen. Die Stimmung im Schalker Kader ist jedenfalls so schlecht wie lange nicht mehr, insbesondere die jungen Spieler sind verunsichert und jedes Selbstvertrauens beraubt. Magaths Wutanfälle in der Kabine gelten als berüchtigt. Lediglich zu den Stars Raul und Klaas-Jan Huntelaar soll der 57-Jährige ein besonderes Verhältnis pflegen.

Da passt es ins Bild, dass die Mannschaft in dieser Saison enorme Leistungsschwankungen zeigt. Lediglich in den Pokal-Wettbewerben hat das Team bislang überzeugt. Die Vorstellungen in der Bundesliga hingegen lassen weder Spielfreude noch eine Weiterentwicklung des Teams erkennen. Weshalb es folgerichtig wieder in den Tabellenkeller gerutscht ist. Der Abstand auf den Relegationsplatz beträgt nur noch fünf Punkte. Auch in dieser Beziehung geht auf Schalke langsam die Angst um.

Quelle: wa.de

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