Echtes Finale für Schalke: Zittern bis zum Schluss

GELSENKIRCHEN - Es waren keine Zaubertricks und keine Hexereien, zu denen die Verantwortlichen des FC Schalke 04 in dieser Woche griffen. Der einzige Unterschied zu einer normalen Trainingswoche bestand darin, dass Trainer Jens Keller erstmals die Öffentlichkeit von einigen Einheiten fern hielt

Von Jens Greinke 

Eine ungewöhnliche Maßnahme beim Volksklub aus Gelsenkirchen, weshalb Keller die Fans auch sofort beruhigt: „Das wird sicherlich nicht dauerhaft passieren. Aber es ist auch mal ganz angenehm, wenn man eine gewisse Ruhe hat.“

Dass über solche Maßnahmen in der letzten Woche der Saison überhaupt nachgedacht werden musste, hatte der Verein dem kläglichen Auftritt seiner Profis am vergangenen Wochenende gegen den VfB Stuttgart zu verdanken. Anstatt sich vorzeitig den vierten Platz zu sichern, verloren die Knappen mit 1:2. So wurde nicht aus dem Plan von Manager Horst Heldt, die Spielzeit in aller Ruhe ausklingen zu lassen: „Dann hätten wir im Training Junge gegen Alt oder Raucher gegen Nichtraucher spielen lassen“, sagt der Nikotin-affine Manager.

So aber sehen sich die Knappen am Samstag einem regelrechten Endspiel beim SC Freiburg (15.30 Uhr) gegenüber. Die Schalker müssen am Rande des Schwarzwaldes mindestens ein Remis erreichen, um die Qualifikationsrunde für die Champions League zu erreichen. Heldt selbst behauptet, „total gelassen“ zu sein: „Es ist ein Endspiel, und ich freue mich darauf. Es ist schön, dass man Teil von einem Finale ist.“ Hätte man ihm im Dezember, als die Schalker in der Tabelle in Richtung graues Mittelfeld unterwegs waren, angeboten, im letzten Saisonspiel um den vierten Platz zu spielen, „hätte ich sofort unterschrieben“.

Heldts demonstrative Lockerheit ist verständlich, doch dürfte es auch in ihm rumoren. Das Schalker Team hat sich in dieser Spielzeit schon mehrfach als Chancentod erwiesen und viele gute Möglichkeiten, sportlich voran zu kommen, ausgelassen. Die unnötige Niederlage gegen Stuttgart war in dieser Beziehung der bisherige Höhepunkt – und hatte auch mal wieder Clemens Tönnies auf den Plan gerufen. Der Aufsichtsratsboss meldet sich schließlich immer dann gerne recht markant zu Wort, wenn es einmal nicht so läuft. „Die Spieler müssen sich ihrer Verantwortung gegenüber dem Verein und den Fans endlich mal bewusst werden“, hatte der Großunternehmer nach dem Larifari-Auftritt gegen den VfB quasi per Dekret angeordnet. Und zudem auf lange Sicht endlich Ruhe im Verein gefordert: „Wir dürfen uns nicht länger von inneren und äußeren Einflüssen ablenken lassen.“

Dass Tönnies selbst oft die „inneren Einflüsse“ dominiert, scheint ihm dabei offenbar nicht bewusst. Zuguterletzt fordert der Großmetzger eine Abrechnung nach der Saison. Ähnliches will auch Horst Heldt, der es etwas diplomatischer formuliert: „Eine Aufarbeitung der Saison wird stattfinden.“ Viele Punkte gelte es abzustellen, mit dem Ziel, „zur Perfektion zu finden“. Heute wartet aber erst einmal der SC Freiburg. Die Schalker haben zwar so gut wie keine personellen Sorgen mehr, da auch Sead Kolasinac wieder zu Verfügung stehen wird, doch dürften die Breisgauer ein sehr unangenehmer Gegner werden. Doch dass das Team von Trainer Christian Streich völlig unbeschwert aufspielen kann, glaubt Jens Keller nicht: „Glauben Sie mir, die haben auch viel zu verlieren. Wer weiß, wie schnell sie wieder in die Nähe der Champions-League-Plätze rücken“, sagt Keller.

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