Der Weltrekordhalter im Rückwärts-Marathon startet in Rorup

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Nein, Markus Jürgens ist nicht in der falschen Richtung unterwegs: Er läuft seine Wettkämpfe rückwärts.

Rorup/Münster. Marathon: Die Königsdisziplin des Laufsports. Nötig sind ein optimaler Trainingsplan, eiserne Disziplin, Ausdauer und Fitness. Sind die 42,195 Kilometer überstanden, planen viele Sportler eine Wiederholung oder machen zufrieden einen Haken auf ihrer To-do-Liste und stellen die Laufschuhe für immer zurück in den Schrank. Oder sie machen es wie Markus Jürgens aus Münster, erfinden den Marathonlauf neu –und laufen rückwärts ...

Rückwärts? Wirklich? „Ja, viel lieber als vorwärts!“, ist der gebürtige Emsdettener mittlerweile längst überzeugt. „Als ich vor knapp drei Jahren meine ersten umgedrehten Schritte machte, war das, als würde ich mich an einer völlig neuen Sportart versuchen. Doch irgendwie faszinierte mich diese seltsame Idee.“ Und tatsächlich: Der Extremsportler wurde besser. Viel besser. Er wurde der beste Rückwärtsläufer der Welt.

Bereits 2014 qualifizierte er sich für die Rückwärts-Halbmarathon-Weltmeisterschaften in Italien und landete gleich auf Platz 1. Gold. 1:50:02 Stunden. Granatenzeit. Doch auf den Lorbeeren ausruhen war nicht angesagt. Der heute 29-Jährige drehte erst richtig auf. Es folgte sein erster Rückwärtsmarathon über die volle Distanz. 4:10:58 Stunden. Beachtlich – „aber ausbaufähig“, so Jürgens damals. Und er behielt recht. Wie sehr, ahnte er bis April diesen Jahres nicht.

Denn es folgte sein Meisterstück beim Hannover Marathon. Er knackte den aktuellen Weltrekord von 3:42:41 Stunden. Unterbot die Zeit sogar um satte 4 Minuten und 14 Sekunden. Durchschnittsgeschwindigkeit knapp elf Stundenkilometer.

Dass er damit ausgerechnet den Rekord verbesserte, den sein Rückwärtslaufmentor Achim Aretz 2010 in Frankfurt aufstellte, quittiert er mit einem Lächeln: „Ich denke, dass Achim da gut mit Leben kann. Schließlich brachte er mich dazu, meine Laufausrichtung so auf den Kopf zu stellen.“

Aretz und Jürgens lernten sich kennen, als sie vor vier Jahren gemeinsam an einer Skilanglaufexkursion der Uni Münster teilnahmen: „Achim erzählte mir von seiner verrückten Leidenschaft – und als ich zuhause war, habe ich es direkt ausprobiert. Ich bin damit angefangen, kleine Abschnitte im Training rückwärts zu laufen und habe das dann langsam gesteigert, bis ich ohne Probleme mehrere Kilometer am Stück schaffte. Nach meinen ersten zehn rückwärts am Stück gelaufenen Kilometern war ich genauso stolz wie vor circa zwölf Jahren nach meinen ersten zehn vorwärts gelaufenen Kilometern ...“

Ein steifer Nacken ist übrigens keines seiner Probleme: „Tatsächlich muss ich mich gar nicht so häufig umdrehen, um mich zu orientieren. Bei Laufveranstaltungen muss ich vor allem beim Start sehen, was hinter mir los ist – später kann ich mich am Straßenverlauf orientieren und muss nur noch ab und an über die Schulter blicken. Den Rest übernehmen meine anderen Sinnesorgane, beispielsweise meine Ohren.“

Am Freitag wird Markus Jürgens – unterstützt mit einer Spende vom Autohaus Wilstacke-Growe und von den Streiflichtern an „#bewegunghilft“ – beim Roruper Abendlauf an den Start gehen. Rückwärts, versteht sich. Rorup? Kein Zufall: „Tatsächlich habe ich vor drei Jahren in Rorup meinen ersten Halbmarathon mit Schulterblick über die Bühne gebracht. Das war meine Generalprobe für die WM in Italien! Mal sehen, wie ich am Freitag abschneiden werde...“

www.markus-juergens.de

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