Ein Stück Lebensqualität

(K)ein Tabuthema: Warum auch Männer Beckenbodenkurse besuchen sollten

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Jutta Dieckhöfer ist die Frau, der die Männer vertrauen. Mit ihren Übungen hilft sie den Alltag der Teilnehmer zu erleichtern.

Dülmen. Bei strahlendem Sonnenschein auf der Terasse sitzen und gemütlich ein 0,5-Liter-Weizenbier trinken. Das war für einen Teilnehmer des Bodenbeckenkurses in der Vergangenheit nicht möglich. „Meine Blase fasste in etwa 200 Milliliter, danach musste ich direkt zur Toilette“, verrät er. Doch mittlerweile kann er sich in Ruhe in seinem Gartenstuhl niederlassen und sein Getränk genießen.

„Durch die gezeigten Übungen im Kurs konnte ich das Volumen der Blase auf einen halben Liter erweiteren.“ Eine OP, ein Trick, oder gar Zauberei? Nein, die Antwort ist so einfach, aber doch spricht niemand darüber: Beckenbodentraining – und zwar für Männer.

„Wir hatten anfangs Schwierigkeiten, genügend Teilnehmer für den Kurs zu gewinnen“, erinnert sich die Kursleiterin Jutta Dieckhöfer an die Anfänge des Kurses. „Nachdem wir das Thema rund um das Angebot nochmal öffentlich gemacht haben, war der Zuspruch groß.“ So konnte der Kurs nach mehrmaligen Anläufen mit neun Teilnehmern stattfinden. „Sie waren durchgängig über die gesamten zehn Wochen bei den Kurseinheiten dabei“, freut sich die Mitarbeiterin des Sport- und Gesundheitszentrums (SGZ) Dülmen.

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„Ich habe damals den Artikel in der Streiflichter gelesen und mich dann getraut, etwas zu machen“, erinnert sich einer der Kursteilnehmer. „Nachdem ich 13 Jahre geschludert habe mit den Beckenbodenübungen, habe ich mich wieder dazu aufgerafft, mein Wissen aufzufrischen.“ Dabei zeigt der Kurs Übungen, die ohne Weiteres in den Alltag integriert werden können. Der Ort spielt dabei keine Rolle – zu Hause, an der Supermarktkasse oder im Bus. „Wichtig ist, dass die Übungen selbstständig und regelmäßig gemacht werden“, betont Dieckhöfer. „Daher haben die Teilnehmer nach jeder Stunde Hausaufgaben bekommen, die sie zur nächsten Woche erledigen sollten.“

Und das Ergebnis kann sich sehen lassen – sogar beobachten: „Nachts muss ich nur noch höchstens zwei Mal aufstehen, während es vor dem Kurs noch bis zu fünf Mal war“, so einer der Männer. „Das ist Lebensqualität, die zurückkommt.“

Dabei hat es am Anfang natürlich Überwindung gekostet, sich seine Probleme einzugestehen und etwas dagegen zu tun. Beckenbodentraining bleibt, trotz seiner positiven Auswirkungen, weiter ein Tabuthema. „Schon nach der zweiten Einheit habe ich einen Unterschied gemerkt“, freut sich ein Herr über die schnellen Erfolge. „Es ist einfach deutlich intensiver, in einer kleinen Gruppe zu arbeiten.“

Und dass den reinen Männerkurs eine Frau leitet? Das war für die Männer kein Problem. Im Gegenteil: „Die Jutta macht das schon richtig gut! Es herrscht immer eine lockere Atmosphäre und die Übungen helfen im Alltag.“

Auch wenn Beckenbodentraining ein Tabuthema ist und die neun Teilnehmer aus diesem Grund nicht namentlich erwähnt werden möchten, sind sie sich in Bezug auf den Kurs einig: „Traut euch, es hilft!“ Ein Appell an alle Männer, die sich ein Stück Lebensqualität zurückholen möchten.

Das SGZ möchte an den Kurs anknüpfen und plant das nächste Angebot ab dem 19. September. „Wir hoffen, dass sich die Männer ermutigen lassen, etwas gegen ihre Probleme und für ein unbeschwerteres Leben zu unternehmen“, appelliert auch Kursleiterin Jutta Dieckhöfer.

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