Nächstes Ziel ist die Weltmeisterschaft

Wie viel die junge Tänzerin Cameroon Collins für ihr Hobby investiert

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Die charismatische Tänzerin hofft bei der anstehenden Weltmeisterschaft der UDO auf den Titel.

Dülmen. Ein Mädchen, eine Leidenschaft und ein großes Ziel: Die Weltmeisterschaft der United Dance Organisation (UDO) gewinnen. Ihr Name ist außergewöhnlich, sie selbst einzigartig: Die Rede ist von der 13-jährigen Tänzerin Cameroon Collins. Während sie im vergangenen Jahr bei der Europa- und Weltmeisterschaft der UDO jeweils den vierten Platz im Street-Dance-Solo ihrer Altersklasse (unter 14, Fortgeschrittene) erreichen konnte, ertanzte sie sich in diesem Jahr bereits den ersten Platz bei der Europameisterschaft in Veldhoven (Niederlande). „Jetzt möchte ich natürlich daran anknüpfen und mir auch den Titel als Weltmeisterin holen“, so die motivierte Cameroon.

Angefangen hat die Leidenschaft fürs Tanzen schon in frühen Kinderjahren. Bereits seit dem Kindergarten tanzte sie einmal in der Woche in der Gruppe der Neuen Spinnerei. „Die Kursleiterin Verena Kuhmann hatte mir damals empfohlen bei den Tanzsportfreunden Dülmen (TSF) zu melden“, erinnert sich die Tänzerin. „Dort habe ich, bis ich neun war, in der Formation getanzt.“ Ihrem jungen Alter geschuldet, entschied sie sich auf Rat ihres Betreuers im Duo und auch Solo zu tanzen.

Solo sorgte erst nicht für Begeisterung

„Meine Tanzgruppe ist von der Kinder- in die Jugendgruppe aufgestiegen. Daher konnte ich nicht mehr mittanzen“, erklärt Cameroon. „Da ich aber weiterhin an Wettbewerben teilnehmen wollte, machte mir mein Betreuer den Vorschlag im Solo anzutreten. Anfangs war ich von der Idee alleine zu tanzen noch nicht wirklich überzeugt.“

An drei Schulen gleichzeitig getanzt

Dennoch wagte sie es und machte damit einen wichtigen Schritt für ihre Entwicklung. „Als ich mit Solos angefangen habe, wollte ich nicht mehr aufhören“, erzählt 13-Jährige lachend. Ab dann ging alles ganz schnell. Bis 2017 tanzte sie noch für die TSF Dülmen, bevor es für ein halbes Jahr nach Hamm ging, um zu trainieren.

Sehr ehrgeizig ist Cameroon, die mittlerweile an drei Tanzschulen gleichzeitig tanzt.

Mittlerweile tanzt sie an drei Tanzschulen gleichzeitig. „Montags bin ich in Essen, Dienstag in Düsseldorf, Mittwoch in Krefeld und Donnerstag und Freitag wieder in Düsseldorf“, stellt sie ihren vollen Terminkalender vor. Am Wochenende könnte Erholung anstehen – aber Fehlanzeige. „Am Wochenende stehen meist Battles, Workshops oder eben Meisterschaften an“, erklärt sie schmunzelnt . Ob ihr das zu viel ist? Definitiv nicht. „Am liebsten würde ich 365 Tage am Stück tanzen!“

Doch auch wenn das Tanzen einen großen Teil ihrer Freizeit einnimmt, vernachlässigt sie die Schule nicht. „Ich möchte später auf jeden Fall studieren. Vielleicht Lehramt, da es mit den Zeiten gut mit dem Tanzen vereinbar ist“, blickt die 13-Jährige bereits in die Zukunft.

Tagesablauf: Schule, Tanzen, Schlafen

Gelernt wird im Zug, Hausaufgaben gibt es dank des Ganztages kaum. „Dennoch besteht der Tag aus Schule, Tanzen, Schlafen“, erklärt die UDO-Europameisterin. Für Wettbewerbe, Battles und Workshops werden sogar noch weitere Strecken zurückgelegt. „Zum Teil fahren wir bis zu 500 Kilometer, um teilzunehmen. Aber der Aufwand ist es jedes mal wert“, rechtfertigt sie die weiten Strecken.

Warum in einer Tanzschule trainieren, wenn es auch in mehreren Schulen möglich ist? „Jeder Trainer hat einen eigenen Stil und eine andere Art des Trainings. Es ist einfach unfassbar inspirierend. Da gibt es auch keinen Besten“, sagt sie. „Dennoch ist es immer ein besonderes Erlebnis, wenn berühmte Tänzer einen ansprechen. Da bleiben Selfies auch nicht aus.“ Beispielsweise gratulierte ihr Nikeata Thompson, die zuletzt als Jurymitglied in der TV-Show Masters of Dance oder auch bei Germany’s Next Topmodel zu sehen war, zu Cameroons Titel bei der Europameisterschaft der UDO.

Dass das Tanzen über Landesgrenzen hinweg verbindet, merkt Cameroon ebenfalls im Alltag. „Es kam schon vor, dass ich Leute, die ich auf Battles oder in Workshops kennengelernt habe, in Italien oder England wiedergetroffen habe“, sagt die 13-Jährige schmunzelnd. „Ich treffe immer mehr Leute. Über Trainer lerne ich andere Tänzer kennen und darüber wieder andere.“

Afro-Dance, Hip-Hop, House, Popping, Dancehall – das sind nur einige Beispiele der Tanzarten, die Cameroon aufs Parkett bringt. In welcher Reihenfolge? Das entscheidet die 13-Jährige spontan, während die Musik läuft.

Freestyle: Kaum ein Tanz, den sie nicht macht

„Ich denke nicht darüber nach, sondern tanze aus dem Bauch heraus – Freestyle eben“, erklärt sie. „Oft höre ich die Lieder bei Wettbewerben oder Battles zum ersten Mal, da bleibt einem nichts anderes übrig. Doch gerade das macht auch den Reiz aus.“ Dabei wurde ihr schon oft geraten, sich für eine Tanzrichtung zu entscheiden. Damit lässt sie sich allerdings noch Zeit, denn einen Nachteil sieht sie dadurch nicht. Im Gegenteil: „Die Elemente zusammen einzusetzen und zu kombinieren, macht unglaublich Spaß. Das nicht zu machen, würde meine Kreativität bremsen.“

Zwei Pokale konnte sich Cameroon bei der Europameisterschaft sichern – 1. Platz im Solo, 2. Platz im Popping.

Bei einer Sache ist sich Cameroon sicher. Wenn sie die Unterstützung ihrer Familie nicht hätte, wäre sie jetzt nicht schon da, wo sie momentan steht. „Mein Bruder schneidet Lieder für Schulauftritte zusammen, zu denen ich tanzen kann“, nennt sie ein Beispiel für die Unterstützung. Und ihre Mutter – wahrscheinlich ihr größter Fan – ist nicht nur ihr persönlicher Chauffeur, sondern auch eine Managerin und die personifizierte Unterstützung: „Ich bin unendlich dankbar, dass sie mir das alles ermöglicht.“

Weite Reisen zu den Wettkämpfen

Denn Geld bekommt Cameroon nicht, weder für die Reise, noch für die Teilnahme an Wettbewerben. „Da kann es auch mal sein, dass ich für nur einen Tanz sehr weit reisen muss, weil es nicht für die nächste Runde gereicht hat“, weiß die junge Tänzerin über das harte Geschäft Bescheid. „Trotzdem ist meine Mutter immer wieder bereit, die Wege auf sich zu nehmen.“

Auch Niederlagen gehören zum Tanzen dazu. Aber statt aufzugeben, versucht die Schülerin zu lernen. „Ich bin sehr ehrgeizig und zielstrebig. Auch Misserfolge machen stärker“, sagt sie. „Bei der Weltmeisterschaft in England gibt es aber nur eine Option – den ersten Platz.“ Das ist ihr Ehrgeiz und Anspruch.

Zur Person

Cameroon Collins

Cameroon geht mit ihren 13 Jahren noch zur Schule. Nach den Ferien wird die Dülmenerin die achte Klasse des Clemens-Brentano-Gymnasiums besuchen. Ihre Leidenschaft ist das Tanzen. Dafür legt sie viele Kilometer in der Woche zurück und investiert viel Zeit, um ihrer Passion nachzugehen. Weitere Hobbys der Dülmenerin sind das Singen im Chor und das Theater. Dennoch möchte sie nach der Schule ein Lehramtsstudium beginnen.

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