„Schwimmen ist für mich das Größte!“

SL-Interview mit dem Billerbecker Erfolgsschwimmer Jakob Wiens

Im Schwimmbecken fühlt sich Jakob Wiens wohl. Die Hauptdisziplin des 10-Jährigen ist das Brustschwimmen, aber auch die anderen Disziplinen machen dem Billerbecker Spaß.

Billerbeck. Bei der Sportlerehrung in Billerbeck stand er schon ganz allein vorne und die Leistungen, für die er geehrt wurde, sind beachtlich. 

Mit gerade einmal zehn Jahren bekam Jakob Wiens eine Urkunde der Stadt Billerbeck für seine Erfolge im Schwimmen. Um es mit den Worten von Eva Voß wiederzugeben: „Seinen Weg werden wir auf jeden Fall weiterverfolgen.“ SL-Mitarbeiter Tim Nieswandt hat mit Jakob gesprochen und ihn gefragt, wie er zum Schwimmen gekommen ist, wie er seine bisherigen Erfolge einschätzt und wie der Schwimmsport sein Leben gestaltet.

Von 31 Rennen im vergangenen Jahr hast du 13 gewonnen, zwölf Mal den zweiten Platz belegt, fünf dritte Plätze und nur einen Vierten. Aktuell bist du sogar auf dem ersten Platz der nationalen Bestenliste des Deutschen-Schwimm-Verbandes (DSV) in der Disziplin 50-Meter-Kraulen mit einer Zeit von 33,0 Sekunden. Wie zufrieden bist du selbst mit deinen vergangenen Leistungen? 

Jakob Wiens: Natürlich bin ich mit meinen Leistungen sehr zufrieden, aber ich bin ein sehr ehrgeiziger Sportler. Als ich die 33,0 Sekunden geschwommen bin, habe ich mich geärgert, dass es keine 32-er Zeit war. Zu dem Zeitpunkt wusste ich aber auch noch nicht, dass ich damit auf Platz Eins der DSV gelandet bin in meiner Altersklasse. Ich bin derzeit auf einen sehr guten Weg und freue mich schon, wenn ich von dem C-Kader in den B-Kader komme nach den Sommerferien. 

Du schwimmst aktuell für die SGS Münster. Angefangen hast du aber bei der SG Coesfeld. Wieso hast du dich entschieden, die weitere Strecke nach Münster in Kauf zu nehmen? 

Jakob: Ich bin mit sechs Jahren dem Schwimmverein der SG Coesfeld beigetreten. Nach einem halben Jahr kamen die Trainer auf mich zu und sagten, dass es für mich besser wäre, wenn ich zur Startgemeinschaft Schwimmen Münster wechseln würde. Dort könnte ich noch intensiver gefördert werden. Seitdem fahre ich vier Mal die Woche nach Münster, um meine Leistungen zu verbessern. 

Vier Mal die Woche nach Münster zu fahren ist schon eine Menge. Dazu kommt die Zeit, die du während des Trainings dort verbringst. Wie meisterst du das alles? 

Jakob: Ich habe meine Familie, die mich sehr viel unterstützt. Besonders meine Eltern, aber auch meine anderen Verwandten sorgen immer dafür, dass ich zum Training komme. Zusätzlich sorgen meine Trainerinnen dafür, dass alles funktioniert. Manchmal ist es schon etwas stressig, sodass ich es gerade einmal schaffe, während der Fahrt etwas zu essen. Der Donnerstag ist immer für meinen besten Freund reserviert, das ist mir sehr wichtig. Ansonsten bin ich die Woche über die meiste Zeit beim Training. Schwimmen ist für mich einfach das Größte. 

Als Schwimmer benötigst du neben der Technik auch ein gewisses Maß an Athletik und Kraft. Ihr werdet wohl kaum das ganze Training im Wasser sein. 

Jakob: Das Training gestaltet sich immer unterschiedlich. Meist ist es eine Kombination aus Athletik- und Schwimmtraining. Wenn ich zwei Stunden lang im Wasser bin, lege ich in etwa eine Strecke von vier Kilometern zurück. An anderen Tagen machen wir bis zu eineinhalb Stunden Athletik. Aktuell machen wir zum Beispiel viele Liegestütze und Klimmzüge, weil wir uns auf den Landesvielseitigkeitstest des Schwimmverbandes NRW vorbereiten. 

Und was musst du für diesen Test alles können? 

Jakob: Zunächst musste ich mich durch die Teilnahme an Wettbewerben über vier Schwimmarten auf allen 50m Strecken sowie 100 Meter Lagen und 400 Meter Freistil qualifizieren. Zusätzlich muss ich mindestens fünf Rudolphpunkte über eine beliebige Wettkampfstrecke gesammelt haben. 

Wobei handelt es sich bei den Rudolphpunkten? 

Jakob: Wenn ich bei einem Wettkampf mitschwimme werden die Zeiten in Punkte umgerechnet. Das ist vergleichbar mit den Anforderungen beim Deutschen Sportabzeichen, nur dass der Vielseitigkeitstest ein Test extra für Schwimmer ist. 

Und was musst du bei dem Test zeigen? 

Jakob: Wie fit ich bin. Dabei zählen aber nicht nur meine Leistungen im Schwimmen, sondern auch meine physische Fitness an Land wird überprüft. Zum Beispiel wird geschaut, wie viel Liegestütze ich im Zwei-Sekunden-Takt schaffe oder wie viele Klimmzüge ich machen kann. Der Test dient zur Überprüfung des Ausbildungsstandes. 

Gibt es neben des guten Abschneidens beim Vielseitigkeitstest noch etwas wofür die speziell trainierst? 

Jakob: Meine Hauptdisziplin beim Schwimmen ist das Brustschwimmen. Aktuell bin ich auf 200 Metern leider auf Rang 5 in meinem Jahrgang gefallen, da ich die Strecke schon länger nicht auf Wettkämpfen geschwommen bin. Ich weiß, dass ich schneller geworden bin und möchte meine Zeit demnächst aktualisieren. 

Gibt es auch einen Schwimmstil, den du nicht so gut beherrscht oder den du gar nicht magst? 

Jakob: Also generell mag ich jede Disziplin, sowohl vom Stil als auch von der Länge. Beim Rückenschwimmen muss ich noch etwas an meiner Technik feilen, da ich beim Eintauchen der Hände noch zu sehr mit der Hand auf das Wasser klatsche. Das kostet jedes Mal ein bisschen Zeit. Hinzu kommt beim Rücken die Umdrehung am Ende einer Bahn. Jeder Schwimmer hat eine bestimmte Zugzahl, damit er weiß, wann er die Rollwende machen kann. 

Was ist, wenn du dich verschätzt und diese Rolle zu früh machst? 

Jakob: Nach der Rollwende darf ein Schwimmer noch einen zusätzlichen Zug machen. Sollte er aber mehr als diesen einen Zug brauchen, wird er vom Rennen disqualifiziert. Am Anfang habe ich deshalb noch eine Kippwende gemacht. Diese Variante kostet mich zwar mehr Zeit, aber dafür laufe ich nicht Gefahr disqualifiziert zu werden. Mittlerweile habe ich aber mein Timing gefunden. 

Was war denn bisher dein schönstes Erlebnis beim Schwimmen? 

Jakob: Bei dem NRW-Finale in Wuppertal waren sehr viele Leute in der Schwimmhalle. Es gab sogar Zuschauer, die mit einer riesen Trommel angereist sind. Die waren so laut, dass ich das Trommeln selbst unter Wasser gehört habe. Das war schon echt ein aufregendes Gefühl. Generell war das Finale ein großartiges Ereignis. Wir sind alle zusammen verkleidet mit Fahnen in die Halle eingelaufen. Ich hoffe, dass ich bald öfter so schöne Wettkämpfe haben werde.

Zur Person: 

Jakob Wiens ist zehn Jahre alt und wechselt im Sommer von der Ludgeri-Grundschule zur Anne-Frank-Gesamtschule. Er schwimmt seit seinem vierten Lebensjahr und betreibt den Sport seitdem er sechs ist. Nach nur einem halben Jahr bei der SG Coesfeld, wurde ihm ein Wechsel zur SGS Münster (Landesleistungsstützpunkt in NRW, der ständig nach Talenten sucht) ans Herz gelegt, wo er bis heute seine Bahnen zieht. Wenn Jakob nicht im Wasser ist, geht er zum Karate, trifft sich mit Freunden oder hilft als Messdiener in der Kirche.

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