SW Havixbeck bietet Rhythmische Sportgymnastik an 

Diese Sportart gibt es im Kreis Coesfeld nur in Havixbeck

+
Drei Mal in der Woche trainieren die insgesamt 23 Mädchen Rhythmische Sportgymnastik in Havixbeck. Bei den Bewegungen kommt es vor allem auf Ästhetik und Eleganz an.

Havixbeck. Monatelang trainieren die Mädchen für diese eine Choreographie. Etwa zwei Minuten lang muss jeder Schritt und jeder Kniff sitzen – sowohl bei sich selber als auch in der Gruppe. Unzählige Male haben die fünf Sportlerinnen sich die roten Bälle schon entgegenkatapultiert, unzählige Male haben sie die Bälle mit den Beinen wieder aufgefangen. Und immer wieder ertönt die Stimme der Trainerin Jeanette Rotermund: „Nochmal!“ Rhythmische Sportgymnastik ist mehr als nur ein bisschen „Rumgehüpfe“. Im Gegenteil erfordern die Übungen höchste Konzentration und Körperbeherrschung. Und dennoch – oder gerade deshalb: Für die 23 Mädchen und die beiden Trainerinnen bei Schwarz-Weiß Havixbeck ist die Liebe zum Sport riesig.

Doch was genau ist eigentlich rhythmische Sportgymnastik? „Sogar eine olympische Disziplin“, erklärt Rotermund ihren ausschließlich weiblichen Sport. Insgesamt gibt es fünf Handgeräte: Seil, Ball, Reifen, Keule und die Königsdisziplin – das Band. Mit diesen Handgeräten performen die Mädchen entweder einzeln oder zu fünft eine Choreographie im Einklang mit der Musik. Rotermund beschreibt den Sport als „Mischung aus Ballett, Turnen und Tanzen.“ Bei der Ausübung der einzelnen Disziplinen kommt es vor allem auf Ästhetik und Eleganz an. Dafür bedarf es ein hohes Maß an Ausdauer, Kraft und Beweglichkeit. „Das ist mega anspruchsvoll“, weiß die zweite Trainerin Manuela Sehmisch-Bartel aus eigener Erfahrung. „Deshalb trainieren wir immer abwechselnd Gerätetechnik, Beweglichkeit und Kraft.“ Genau diese Mischung aus Sport und Kunst mache den Reiz von rhythmischer Sportgymnastik aus.

Bis vor zwei Jahren turnten die Mädchen noch in Schapdetten, nach dem Umzug nach Havixbeck ist Schwarz-Weiß nun der einzige Verein im Kreis Coesfeld, der rhythmische Sportgymnastik anbietet. „Hier haben wir einfach bessere Trainingsbedingungen“, sagt Jeanette Rotermund. Die nutzen die Gymnastinnen auch aus: Dreimal die Woche trainieren sie für mehrere Stunden. An diesem Abend sind als Nächstes die silbernen Ringe dran: Drehen, rollen, durch sie durchschlüpfen, werfen und auffangen – größtenteils gleichzeitig. „Das können wir doch besser“, ertönt die Stimme der Trainerin. Also alles auf Anfang.

Fast ein halbes Jahr studieren die Mädchen in unterschiedlichen Altersgruppen die Choreografien ihrer Trainerinnen ein, um sie dann auf Wettkämpfen vorzutragen. Für viele der Mädchen sind die Wettkämpfe das Highlight. „Das gefällt mir einfach am besten, obwohl es auch anstrengend ist“, sagt die zwölfjährige Sophia, die ihren ersten Wettkampf mit sieben beim Sommerpokal in Münster hatte. Auch die elfjährige Antonia freut sich auf die Wettkämpfe: „Das ist aufregend und spannend, da kriegt man ganz schön Herzklopfen.“

Für die Havixbeckerinnen geht es zunächst zu den Gaumeisterschaften gegen andere Vereine aus dem Münsterland. Eine Jury verteilt dann je nach Ausführung und den drei Schwierigkeitsstufen Stand, Sprung und Drehung Punkte. „Die Besten qualifizieren sich für die Westfälischen Meisterschaften, dann kommen die Regionalen Meisterschaften und letztendlich der Deutschland-Cup“, erklärt Rotermund. „Dafür muss man aber ganz viel arbeiten. Bis nach ganz oben haben wir keine Chance.“ Ganz oben stehen vor allem russische Athletinnen, hier hat der Sport seinen Ursprung. Aber auch Deutschland war bereits in der Weltspitze vertreten. Der größte Erfolg gelang Regina Weber 1986: Olympia-Bronze. Rotermund und Sehmisch-Bartel schwärmen aber von Magdalena Brezska: „Sie ist die bekannteste deutsche Sportgymnastin.“ Neben 26 Deutschen Meisterschaften und der Teilnahme bei den olympischen Spielen ist sie auch aus Fernsehsendungen wie „Let´s Dance“ bekannt.

Bis dahin haben die Havixbeckerinnen noch Zeit, die jüngsten Mädchen sind gerade fünf Jahre alt. Trotzdem war Schwarz-Weiß bereits in ganz Deutschland vertreten. „Wir waren zum Beispiel schon in Frankfurt bei einem Wettkampf, mit Übernachtung natürlich.“ Die ist auch nötig, ein Wettkampf dauert mehrere Stunden. Kein Wunder, dass da auch das Training den ganzen Abend in Anspruch nimmt.

Zum Schluss kommen die Keulen: jonglieren, werfen und auffangen – auch hier alles gleichzeitig. Jeanette Rotermund guckt skeptisch, dann ist die Übung vorbei. Die Mädchen schweigen, dann erlöst sie die Trainerin: „Na also, geht doch!“

Zum Thema

Trainer gesucht

Gesucht: Ehrenamtliche Trainerinnen mit Erfahrungen im Ballett oder Gymnastik. Alle Trainingszeiten und weitere Informationen online auf www.sw-havixbeck.de/turnen-gymnastik/rhytmische-sportgymnastik.html.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare