Ralf Kussler lehrt nicht nur thailändische Kampfkunst, sondern auch Kultur und Respekt

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Ralf Kussler (Mitte) lehrt neben der Technik und den Grundlagen vor allem Respekt: Selbst die jüngsten Kursteilnehmer müssen die thailändischen Zahlen lernen.

Buldern. Wenn der Begriff „Kampfsport“ fällt, kommt schnell der Gedanke auf, dass es sich um Gewalt und Aggression handelt.

Wer aber denkt, dass es darum in Buldern im ThaiAchira Camp geht, dem wird Ralf Kussler das Gegenteil beweisen: „Wer keinen Respekt entgegenbringt, sich nicht an die Regeln hält oder Inhalte außerhalb des Trainings anwendet, wird nicht weiter unterrichtet“, legt Ralf Kussler, Präsident für des ThaiAchira in Deutschland.

Kussler betreibt seit 40 Jahren Kampfsport, ist Assistent Großmeister und im Besitz von diversen Meistergarden.

Respekt vor dem Gegner, der Kunst und der thailändischen Kultur sind mindestens genauso wichtig wie die einzelnen Techniken, die der Muay-Chaiya-Trainer lehrt. „Im Muay Chaiya geht es darum, einen Angreifer allein mit den Mitteln der Verteidigung zu schlagen“, erklärt der 55-Jährige das Grundprinzip der Kampfsportart. „Anders als im Muay Thai gibt es keinen Wettbewerb. Muay Chaiya wird viel mehr auf Kulturfesten als Tanz aufgeführt.“ Ralf Kussler ist in seinem Wissen in Deutschland einzigartig. „Nur noch wenige beherrschen heutzutage diese Form des Boxkampfes“, weiß der Kampfsportlehrer. Besser bekannt sind Kampfsportarten mit Vollkontakt, bei denen auch Wettkämpfe ausgetragen werden. „Beim Muay Boran handelt es sich um eine alte Form des Muay Thais“, erklärt Kussler den Unterschied zwischen den beiden Kampfstilen. „Hier werden Showtechniken und unnötige Bewegungen weggelassen.“ Krabi Krabong gehört ebenfalls zum Portfolio des Kampfsport-Allrounders. Anders als bei den anderen Sportarten wird hier mit Schwertern, Lang- und Kurzstöckern und Hellebarden agiert. Letzeres ist eine alte Stangen-Kriegswaffe, die vergleichbar mit einem Spieß ist. „2016 war ich als Repräsentant des Deutschen Teams einer der wenigen Europäer bei der Weltmeisterschaft in Thailand“, erinnert sich Ralf Kussler, der in diesem Jahr Vize-Weltmeister im Dhab Thai (Doppelschwert) wurde. „Wichtig bei solchen Wettkämpfen ist der Respekt“, betont er. „Wenn man seinem Gegner, dem Lehrer und dem Land keinen Respekt entgegenbringt, darf man gar nicht erst bei solchen Wettkämpfen antreten.“

Aus diesem Grund lehrt er neben der Technik und den Grundlagen genau diesen Respekt. Kein Wunder also, dass selbst die jüngsten Kursteilnehmer die thailändischen Zahlen lernen müssen. „Wer die Kampfkunst lernen will, muss auch die Kultur lernen“, predigt der Bulderner. Was viele nicht wissen: Ralf Kussler lehrt neben den Kampfsportarten auch thailändische Kultur und Musik. „Ich bin selbst noch dabei zu lernen, auf der thailändischen Langtrommel zu spielen. Dafür kommt einmal im Monat extra ein Lehrer aus Berlin“, verrät der Kampfsporttrainer. „Ich bin aber schon so weit, dass ich das Wissen weitergeben kann. Der Trommelkurs findet also wöchentlich statt.“

Sein Können beweist der 55-Jährige nur noch auf Showevents. „Für Kämpfen bin ich mittlerweile zu alt. Ich brauche niemanden mehr was beweisen“, weiß er. Dass er es dennoch könnte, beweist er regelmäßig auf thailändischen Kulturfesten. Seit Jahren tritt er beispielsweise in Bad Homburg und im thailändischen Tempel in Dortmund auf, um das Muay Chaiya in Deutschland zu verbreiten und der thailändischen Bevölkerung seinen Respekt zu demonstrieren.

Seit 1984 gibt er bereits sein Wissen, das er in diversen Ländern wie Spanien, England und natürlich auch Thailand angesammelt hat, weiter. „Alter und Geschlecht spielen keine Rolle. Wer die Kampfkunst lernen möchte, ist immer herzlich willkommen“, lädt Kussler jeden Interessierten ein, sich das Training anzuschauen.

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