Die Meinungen sind geteilt

Neue Fußballregeln: Punkteabzug bei Nichtantritt und vierter Wechsel kommen

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Ab dem 1. Juli dürfen im Amateuerbereich vier Spieler pro Spiel ausgewechselt werden – eine von zwei neuen Regeln.

Kreis Coesfeld. Die aktuelle Saison neigt sich langsam, aber sicher, dem Ende zu. Und mit ihr auch das aktuelle Regelbuch. Das ändert sich nämlich zur neuen Saison in zwei Punkten und soll so mehr Gerechtigkeit schaffen. Bei Trainern und Spielern im Kreis Coesfeld stoßen die Regeländerungen allerdings auf geteilte Meinungen.

Viele Trainer aus den Amateur-Ligen können ein Lied davon singen: Der dritte Wechsel ist gerade vollzogen und plötzlich verletzt sich ein Spieler. Die einzige Option: Mit zehn Mann weiterspielen. Das soll in der kommenden Saison verhindert werden.

Der Westdeutsche Fußballverband (WDFV) hat für die neue Saison 2019/20 seine Spielordnung nämlich in zwei Bereichen angepasst. In den Amateur-Ligen von der Kreisliga D bis zu Regionalliga sind ab dem 1. Juli vier Wechsel pro Mannschaft erlaubt.

Für Patrick Steinberg, Trainer der SG Coesfeld, ist der vierte Wechsel eine willkommene Änderung: „Im Amateurbereich ist das vollkommen angemessen, in der Jugend ist das ja schon gang und gäbe.“ Auch Christoph Klaas, sein Nachfolger für die neue Saison, findet die neue Regel grundsätzlich gut: „Den vierten Wechsel halte ich für sinnvoll, da es doch hin und wieder vorkommt, dass man dreimal gewechselt hat und sich dann jemand verletzt.“ Gleichzeitig sieht er aber auch Gefahren: „Andersherum könnte es dann zum Nachteil für Vereine mit kleineren Kadern werden, die eh nicht mehr als drei Spieler auf der Bank haben.“ Ähnliche Nachteile sieht auch GW-Nottuln-Coach Oliver Glaser: „Den vierten Wechsel halte ich für weniger vorteilhaft, da er in der Schlussphase noch mehr Möglichkeiten zum Zeitspiel bietet und den Spielfluss zu hemmen.“

Für Denis Koopmann, Trainer bei der DJK Coesfeld, ist die neue Regel sogar ein Stück weit Herausforderung: „Ich freue mich immer, wenn ich mit dem Wechseln durch bin, denn manchmal vergesse ich im Eifer des Gefechts, dass ich noch einen zum Warmlaufen geschickt habe.“

Mit einer zweiten Regeländerung soll insbesondere die Gerechtigkeit gegen Saisonende hergestellt werden. Der Nichtantritt einer Mannschaft nach dem 1. Mai wird künftig nicht nur wie bisher mit einer negativen Spielwertung und 100 Euro Ordnungsgeld bestraft, sondern zusätzlich auch mit drei Minuspunkten für die neue Saison. „Diese Regel haben wir aus Berlin übernommen. Dort sind die Spielverzichte nach Inkrafttreten deutlich zurückgegangen“, wird Marianne Finke-Holtz, beratendes Mitglied des WDFV-Fußballausschusses, in der „Westfalenpost“ zitiert.

Viele Trainer aus dem Kreis Coesfeld glauben aber ohnehin, dass diese Regel nicht sehr oft zum Einsatz kommt. „Der Punktabzug ist zwar sinnvoll, aber kommt maximal in den unteren Klassen vor“, so Oliver Glaser, der mit seinen Nottulnern aktuell auf dem Sprung in die Westfalenliga ist. In den „unteren Ligen“ coacht zum Beispiel Christoph Klaas, der die verschärfte Strafe begrüßt: „Ich finde die Regel absolut positiv, da es zum Ende einer Saison immer mal zu Mauscheleien kommt.“ Sein Coesfelder Stadtrivale Denis Koopmann sieht vor allem bei den Reservemannschaften Probleme: „Man muss bedenken, dass viele Mannschaften echt jeden Sonntag zu kämpfen haben, elf Männer auf den Platz zu bringen. Ob man das sanktionieren muss, weiß ich nicht.“

Bei den beiden neuen Regeländerungen sind sich die Trainer und Spieler uneinig. Einigkeit besteht dagegen beim Thema fünfte gelbe Karte: „Persönlich würde ich mir wünschen, dass die fünfte Gelbe auf jeden Fall zu einem Spiel Sperre führt“, so SG-Torjäger Lucas Jacobs. Bisher gibt es bei der fünften gelben Karte nur eine Zehn-Tagesfrist. „Das sorgt nur dafür, dass es regelmäßig vor Totensonntag, der Winterpause oder vor Ostern eine Flut an gelben Karten gibt. Es gibt Spieler in der Liga, die haben zehn gelbe Karten und dadurch noch kein Spiel verpasst“, beschwert sich Koopmann. „Also entweder ganz oder gar nicht.“

Eine einheitliche Reglung soll es auch für das Diskussionsthema Nummer Eins geben: das Handspiel. Adler Buldern-Verteidiger Daniel Krzeminski erklärt das Problem: „Ich weiß einfach nicht mehr, wann es Handspiel ist und wann nicht. Das ist reine Willkür!“ Klaas sagt: „Man sollte nur Hand ahnden, wenn die wirklich klar zum Ball geht. Also nicht aus so kurzer Distanz wie zum Beispiel bei Mats Hummels am Wochenende gegen Düsseldorf.“

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