„Leicht? Nie – aber immer mit Leidenschaft.“

SL-Interview mit dem Dülmener Fußballer Paul Wietzorek

Der 17-jährige Rechtsverteidiger in Aktion: Youngstar Paul Wietzorek (links) aus Dülmen lebt für seinen Sport. Mit Erfolg.

Dülmen. Mit vier Jahren beim ersten Spiel seines Lebens pflückte er noch die Blümchen vom Rasen. Doch die Zeit vergeht schnell. Plötzlich 17: Das Junioren-Bundesliga-Logo auf dem rechten Ärmel, das Preußen-Stadion war lange Zeit sein zweites Zuhause und ein Traum in Reichweite. Sein Erfolgsrezept? Eine Prise Talent, ein unermüdlicher Wille und eine große Portion Training. Streiflichter-Mitarbeitern Renée Erfkemper sprach mit dem angehenden Abiturienten Paul Wietzorek, der in der kommenden Saison von der U17 Preußen Münsters in die U19 des 1.FC Gievenbecks wechselt ...

Saisonende. Das heißt erst einmal durchatmen und Regeneration. Wie verlief die vergangene Saison für Dich persönlich?

Paul Wietzorek: Diese Saison war definitiv die krönende Saison. Die Erfahrung in der U17-Bundesliga zu spielen ist einfach einmalig. Und dann noch der Klassenerhalt?! Mehr ging nicht. Schon allein, wenn ich drüber nachdenke, gegen was für namenhafte Youngstars und Nachwuchsnationalspieler ich gespielt habe, fange ich an zu schmunzeln. Zudem war ich die ganze Saison verletzungsfrei. Trotzdem gab es auch Tiefen in der Saison: Spiele mal auf der Bank verfolgen zu müssen gefällt keinem Spieler. Auch mir nicht.

Mit vier Jahren begann Dein Weg in der „Pampers-Liga“ bei der DJK Dülmen. Wie kam es 2012 zu dem Wechsel nach Münster?

Paul: Ich wurde damals mit einem weiteren Spieler aus der Umgebung zum Probetraining nach Münster eingeladen und nach zwei Probetrainings stand der Wechsel fest. Ab der U11 spielten wir dann gemeinsam, am Anfang als Jungjahrgänge, für Preußen.

Wie oft die Woche hast Du bei Preußen trainiert?

Paul: Regulär hatte ich vier Einheiten die Woche, habe aber wöchentlich mindestens einmal das Angebot unseres Athletiktrainers in Anspruch genommen. Einfach, um meine Schnelligkeit und meine Muskulatur, vor allem die des Oberkörpers, zu verbessern. Dadurch, dass ich gut trainiert bin und viel für mich selbst getan habe, blieben auch die Verletzungen aus.

Fünf Mal die Woche Training ist nicht nur körperlich anstrengend. Wie gehst Du mit dem ständigen Leistungsdruck um?

Paul: Im „Profibereich“ bist du sehr auf dich allein gestellt, du musst lernen, Dinge hinzunehmen – auch ohne Erklärungen. Es kann sein, dass du Leistung bringst, hart trainierst und trotzdem mal auf der Bank Platz nehmen musst. Natürlich denkt man dann viel drüber nach, trotzdem komme ich gut damit klar und ich habe mich schnell an den Druck gewöhnt. Er gehört mittlerweile einfach dazu.

Sieben Jahre sind mittlerweile seit Deinem Wechsel vergangen. In der kommenden Saison wechselst Du von Preußen nach Gievenbeck in die Westfalenliga. Wie sieht die Vorbereitung aus?

Paul: Unser erstes Training findet am 1. August statt. Dann werde ich auch den genauen Plan bekommen, wie viele Testspiele und Trainingseinheiten stattfinden, bevor die Saison dann im September beginnt. Regulär habe ich im Laufe der Saison dreimal die Woche Training.

Viel Training, weite Auswärtsreisen. Das alles gehört zu einem Leben eines ambitionierten Sportlers dazu. Auf was musst Du verzichten?

Paul: Wenn am nächsten Tag ein Spiel ist, verlasse ich Partys schon eher. Überhaupt ist es so, dass ich mich viel besser organisieren muss, als die meisten Jugendlichen in meinem Alter. Mit dem vielen Training sind Treffen mit Freunden einfach oft nicht drin. Aber daran habe ich auch erkannt, wer meine wahren Freunde sind. Sie haben Verständnis für mein Hobby und unterstützen mich. Dafür bin ich ihnen unglaublich dankbar. 

Bist du glücklich mit Deiner Entscheidung, den Weg in den professionelleren Bereich eingeschlagen zu haben?

Paul: Absolut. Ich würde niemals auch nur eine Sekunde rückgängig machen. Natürlich musste ich auch Mal auf etwas verzichten, aber sobald ich auf dem Platz stand, war jeder Verzicht völlig vergessen. Ich habe einfach nur Bock Fußball zu spielen. Zudem habe ich extrem fürs Leben gelernt: Wenn man was erreichen will, muss man hart dafür arbeiten. Ohne meine Extra-Einheiten und meinen Ehrgeiz, hätte ich es niemals so weit geschafft. Ein anderer Punkt ist, dass ich durch die verschiedenen Trainer über die Jahre gelernt habe, mit unterschiedlichen Charakteren klarzukommen. Egal, wie meine weitere Karriere verläuft, die Erfahrungen kann mir niemand mehr nehmen.


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