„Körpergröße ist nicht entscheidend“ – Interview mit Jan Weber, Basketballtrainer vom TV Dülmen

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Nachwuchs ist bei der Basketballabteilung des TV Dülmen immer willkommen.

Dülmen. Immer häufiger sind auf den Basketballcourts in Dülmen Jugendliche zu sehen, die gemeinsam auf die Körbe werfen. Streetball – eine vereinfachte Form des Basketballs – gewinnt auch hier im Kreis stetig an Beliebtheit. Ein Grund mehr für die Basketballabteilung des TV Dülmens daran zu erinnern, dass der Sport auch in Dülmen praktiziert wird. Streiflichtermitarbeiter Tim Nieswandt hat mit Jan Weber, Trainer der U18-Mannschaft, über die Entwicklung der Abteilung, die Bedeutung der Größe im Basketball und wieso ihm persönlich der Sport so viel Freude bereitet, gesprochen.

Deutschland ist Fußballnation. Vermutlich ist es da gar nicht so einfach, eine Sportart wie Basketball in einer kleinen Stadt wie Dülmen zu etablieren. Was bietet dieser Sport den Jugendlichen, was Fußball nicht bietet?

Jan Weber: Basketball bietet auch unerfahrenen Spielern einen schnellen Zugang ohne große Vorkenntnisse zu haben. Hinzu kommen viele Erfolgsmomente, die unmittelbar zu Beginn für viel Freude sorgen, sich immer weiter zu verbessern. Anders als im Fußball ist der Sport deutlich schneller und flexibler. Als Basketballer kann man verschiedene Rollen einnehmen und aktiv auf jeder Position mitwirken. Quasi bist du in einem Moment Stürmer und im nächsten Moment Verteidiger. Das ist Dynamik pur. Basketball wird immer als körperloses Spiel definiert, was aber nicht heißt, dass man es ohne Körper spielt. Im Gegenteil: Basketball ist ein sehr athletischer Sport und beinhaltet sowohl Werfen, Laufen und auch Körperkontrolle.

Der ideale Basketballspieler hat wohl mindestens eine Körpergröße von zwei Metern. Dieses Bild haben wahrscheinlich auch die Jugendlichen im Kopf, die überlegen Basketball zu spielen. Ist es Voraussetzung großgewachsen zu sein?

Weber: Nein, man muss gar nicht groß sein, um Basketball zu spielen. Natürlich ist es für großgewachsene Menschen einfacher, da der Weg zum Korb geringer ist, aber es ist keine Grundvoraussetzung. Schnelligkeit und Treffsicherheit sind Attribute, die nichts mit der Körpergröße zu tun haben. Meist sind die kleineren Spieler in ihrer Bewegung agiler und haben dadurch einen Vorteil gegenüber den Größeren. Für uns zählt nur, dass jeder Spaß hat. Die Größe ist dabei völlig egal.

Wie sieht der aktuelle Spielbetrieb des TV Dülmens aus? Welche Mannschaften sind zurzeit aktiv?

Weber: In Dülmen haben wir eine aktive U14- und eine U18-Mannschaft. Bei den jüngeren Spielern sind aber auch Kinder dabei die 2009 geboren wurden. Deshalb ist es unser nächstes Ziel, eine U12-Mannschaft zu gründen, damit wir altersgerechter trainieren können. Für den Spielbetrieb ist aktuell aber am sinnvollsten, wie es jetzt ist. Der Vorteil im Ligasystem des Basketballs auf Kreisebene ist, dass die Jungs in zwei Vereinen gleichzeitig spielen können. So können talentierte Spieler weiterhin in ihrem Ort mit ihren Freunden spielen, aber gleichzeitig ihr Talent in größeren Vereinen fördern. Für uns zählt es nur, am Wettbewerb teilnehmen zu können, um Spielpraxis zu sammeln. Durch das System sind dann auch Spiele gegen höherklassige Mannschaften möglich.

Das nicht jedes Dorf im Umkreis eine Basketball-Mannschaft hat, wirkt sich ebenfalls auf den Spielbetrieb aus. Wie erleben Sie es selbst als Trainer der U18?

Weber: Gerade im Jugendbereich merkt man das deutlich. Ich fahre in der Kreisklasse der U18 weiter als damals zu meiner aktiven Landesligazeit. Aber die Jungs und ich haben da auch Bock drauf. So viel, dass wir mit der Minimalstärke von fünf Spielern als Team gestartet sind. Mittlerweile sind wir doppelt so viele. Schön wäre es, wenn wir immer mit zehn Leuten trainieren könnten. Gerade weil es in den meisten Dörfern keine Möglichkeit gibt Basketball zu spielen, würden sie bei uns die Gelegenheit bekommen. Also kann das auch ein Vorteil sein, dass es so wenig Vereine gibt.

Gibt es denn aktuell Pläne, die Anzahl der Spieler in den Jugendklassen kurzfristig zu erhöhen?

Weber: Ja da gibt es momentan Gespräche mit Union Lüdinghausen. Während wir in Dülmen eine solide U14- und U18-Truppe stellen können, gibt es in Lüdinghausen eine U16 und eine Seniorenmannschaften. Durch eine Spielgemeinschaft könnten wir so personelle Lücken schließen und gleichzeitig bestehende Mannschaften verstärken. Aber in erster Linie wollen wir natürlich neue Jugendliche für den Sport gewinnen.

Spieler zu gewinnen ist die eine Seite, aber wie sieht es mit dem Ehrenamt des Trainers aus? Ist der TV Dülmen aktuell für die neuen Pläne gut aufgestellt?

Weber: Aktuell sind wir fünf aktive Trainer, wobei schon für die kommende U12 potenzielle Trainer in den Startlöchern stehen. Es ist quasi wie ein Generationenvertrag, da die aktiven Spieler der älteren Klassen ihr Wissen an die Jüngeren vermitteln. Die Abteilung ist dadurch sehr familiär und das ist auch eine gute Voraussetzung für die Zukunft. Es ist uns aber wichtig die aktuellen Trainer zu binden und zu fördern. Deshalb wollen wir den aktuellen Trainern Lehrgänge anbieten, damit sie ihren Trainerschein machen können.

Zur Person:

Jan Weber

Jan Weber spielt seit dem 14. Lebensjahr Basketball und hat bereits 30 Jahre Praxiserfahrung. Als Spieler, Trainer und Schiedsrichter hat er alle Facetten des Sports kennengelernt. Neben dem TV Dülmen, spielte er für Lette und Lüdinghausen von der Kreisklasse bis hin zur Landesliga. Gerne dribbelt er auch heute noch mit der Hobbytruppe des TV Dülmens mit und kümmert sich neben seinem Engagement für die U18, um die Abteilung im Ganzen.

Zum Thema:

Trainingszeiten

U12: Samstags 10 bis 11.30 Uhr; Annette-von-Droste-Hülshoff-Sporthalle.

U14: Mittwochs 17 bis 18.30 Uhr; Richard-von-Weizsäcker-Sporthalle, Freitags 17.30 bis 19 Uhr; Annette-von-Droste-Hülshoff-Sporthalle.

U18: Mittwoch 18.30 bis 20 Uhr; RvW-Sporthalle.

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