Klettern ohne jegliche Sicherung

SL-Interview mit Boulderpaar Jenny König und Koray Aktas

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Das Paar fuhr extra nach Frankreich, um dort der Trendsportart nachzugehen.

Dülmen. Ungesichert an Felswänden hinaufklettern. Ohne Kletterseil, ohne Klettergurt. Was nach einem waghalsigen Abenteuer klingt, ist in Wirklichkeit eine Trendsportart. Bouldern, zieht immer mehr Sportler in seinen Bann. In großen Hallen, künstlichen Kletteranlagen oder an natürlichen Felsen klettern Koray Aktas und Jenny König aus Dülmen über die Landesgrenzen hinaus. Noch in der letzten Woche war das Paar in Frankreich um ihrem gemeinsamen Hobby nachzugehen. SL-Mitarbeiter Tim Nieswandt hat mit dem Boulder-Paar gesprochen, über die Leidenschaft zum Sport, die vermeidlichen Gefahren und über die Szene des Trend-Klettersports.

Seit eineinhalb Jahren bouldert ihr gemeinsam. Jenny, du hast aber schon deutlich früher mit dem Sport angefangen. Wie bist du zu dem Sport gekommen und wie hast du es geschafft deinen Freund mit an die Wand zu bekommen?

Jenny: Zum einen ist es die Mischung aus Kraft und Koordination, zum anderen ist es die Kreativität, die benötigt wird, um Probleme lösen. Im Gegensatz zum Klettern wird mehr Kraft benötigt und es ist wesentlich intensiver. Koray hat durch den Turnsport im Bereich Kraft und Koordination gute Voraussetzungen für den Sport. Da musste ich gar nicht viel nachhelfen.

Koray: Natürlich ist es schön ein Hobby zu haben, dass wir gemeinsam machen können. Aber der Spaß am Bouldern kommt auch durch die stetigen kleinen Erfolge, die einen immer weiter motivieren. Dadurch, dass der Fortschritt gut zu beobachten ist, ist die Motivation von Beginn an sehr hoch.

Ohne jegliche Sicherungen zu klettern, klingt gefährlich. Das Verletzungsrisiko ist nicht unerheblich oder ist das ein Irrglauben?

Jenny: Verletzungen können, wie in den meisten Sportarten, nicht ausgeschlossen werden. Aber es gibt viele Möglichkeiten, die Risiken zu reduzieren. In den Hallen liegen überall Matten aus, die den Sturz abfangen können. Dazu können beim gemeinsamen Bouldern Gefahren durch „spotten“ gemindert werden. Dabei versucht der Partner den Sturz abzufangen, sodass die Person „richtig“ fällt.

Koray: Die Gefahren sind ziemlich berechenbar, dadurch dass die Wände nicht höher als 4,5 Meter sind. In der Natur geht es natürlich auch darüber hinaus, aber das machen nur Leute, die bescheuert sind. Generell geht es viel um Selbsteinschätzung. Sollte es einem nicht geheuer sein, gibt es immer noch die Möglichkeit umzudrehen.

In der letzten Woche wart ihr gemeinsam in Frankreich unterwegs. Warum extra bis nach Frankreich fahren, um in der Natur zu bouldern?

Jenny: Wir waren in Fortainebleau. Dort gibt es einen Wald, in dem es viele Felsen gibt, die optimal fürs Bouldern geeignet sind. Der französische Ort ist in der Szene sehr bekannt, da die Sportart dort auch ihre Wurzeln hat.

Wie gestaltet sich denn sonst das Training, wenn ihr nicht in einen Boulder-Urlaub fahrt?

Koray: Ich gehe zwei bis drei Mal die Woche mit Jenny zum Bouldern. Das variiert je nachdem ob ich Turnsaison habe. Jenny konzentriert sich ganz auf das Bouldern. In einem Verein sind wir nicht. Die meisten Sportler schließen Abos in den Kletterhallen ab, um dort regelmäßig trainieren zu können. So wie wir auch.

Und Trainingsinhalte?

Koray: Es ist ein Ganzkörpertraining. Der Kraftaspekt spielt eine große Rolle, aber fast noch wichtiger ist die richtige Technik. Ohne die geht gar nichts. Insbesondere im Bereich der Füße gibt es viele Techniken, die für das Bouldern elementar sind.

Wie ist es mit Wettbewerben? Gibt es sowas in dem Sport oder geht es um die eigene Herausforderung?

Jenny: Das ist ein spannendes Thema, da sich aktuell viel in dem Sport tut. Mit anderen Worten: Es wird immer spektakulärer und dynamischer. Neben offiziellen gibt es aber auch Hobbywettkämpfe Ich kann nur empfehlen, einmal nach Münster in die Monolith-Kletterhalle zu fahren oder nach Dortmund zu kommen.

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