Ein junger Künstler am Ball

Fußballer Gabriel Cavar spielt in Bochum in der A-Junioren-Bundesliga

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Gabriel Cavar im Trikot des VfL Bochum.

Coesfeld. Vor sechs Jahren, da stand Gabriel Cavar auf dem Rasenplatz der SG Coesfeld. Er spielte Fußball. Guten Fußball. Seine Leidenschaft zur Sportart hat sich bis heute nicht geändert. Der Verein ist allerdings ein anderer, die Farben auf dem Trikot sind nicht mehr grün und rot, sondern blau und weiß. Und vor allem ist die Liga eine ganz andere. „Gabriel hat das Zeug zu einer Bundesliga-Karriere“, sagte Peter Arning schon vor vier Jahren. Damals coachte Arning Gabriel, nachdem dieser zu Grün-Weiß Nottuln gewechselt war. Heute ist Gabriel Cavar 17 Jahre alt. Und er spielt für die U19-Mannschaft des VfL Bochum in der A-Junioren-Bundesliga. Auch die kroatische Nationalmannschaft seiner Altersklasse hat schon bei dem Coesfelder angefragt.

Gabriel ist in der Kreisstadt aufgewachsen. Sein Vater Andelko Cavar ist seit 2010 Inhaber der Pizzeria Calzone in der Bahnhofstraße. „Früher habe ich dort manchmal mitgeholfen, zum Beispiel die Soßen aufgefüllt“, so der Sportler. Heute bleibe dafür weniger Zeit. „Fußball macht mir natürlich immer noch Spaß. Aber der Sport ist schon wie ein kleiner Minijob für mich geworden“, sagt Gabriel, der in Bochum als Spieler ein kleines Honorar erhält. 

Fünfmal pro Woche steht das Training in der Ruhrgebietsstadt an. Zusätzlich gibt es am Wochenende ein Spiel. Die Intensität des Trainings sei selbstverständlich eine ganz andere als noch zu seinen Zeiten in Coesfeld oder Nottuln, erklärt der defensive Mittelfeldspieler. Auf dem Programm stehen nicht nur Übungseinheiten auf dem Rasen, sondern auch solche im Kraftraum und auf der Laufbahn. „Es wird verstärkt auf die Technik und auch auf kleine Dinge geachtet“, so der 17-Jährige.

Ehrgeiz und Sportlichkeit kommen bei Gabriel Cavar nicht von ungefähr: Schon Andelko Cavar spielte Fußball. Er war unter anderem in Kroatien aktiv und kickte später für ESV Coesfeld.

Sandra Server-Cavar spielte in Tischtennis-Bundesliga

Die Familie zog unter anderem deshalb ins Münsterland, weil Sandra Server-Cavar in der Tischtennis-Bundesliga für die Kreisstädter aktiv war. 

Gabriel selbst startete seine fußballerische Laufbahn in Coesfeld. Zwischenzeitlich stand er auch für Dinamo Zagreb auf dem Platz. In der kroatischen Stadt hat die Familie ihre Wurzeln, hier wurde er auch eingeschult. Im Jahr 2010 kehrten die Eltern mit ihren beiden Kindern – Gabriel hat eine Schwester, die in Enschede Internationales Management studiert – nach Coesfeld zurück. 

Von der SG Coesfeld folgte für Gabriel 2014 der Wechsel zu Grün-Weiß Nottuln. Dort spielte er ein Jahr, trat danach für Preußen Münster an. Seit 2017 ist er nun für den VfL Bochum aktiv. Ob er Fan von einem Profi-Fußballclub ist? „Von Real Madrid“, antwortet Gabriel. „Als ich noch jünger war, war ich außerdem Bayern-Fan. Aber seitdem ich selbst so viel spiele, hat sich das geändert“, schmunzelt der Fußballer. Bundesliga-Spiele gucke er sich eher selten an, sehe lediglich die Ergebnisse nach. 

Dass in dem Sport letztendlich nur das Ergebnis zählt, hat der 17-Jährige vor Kurzem wieder zu spüren bekommen: Vor gut einer Woche unterlag er mit seinem Team knapp im Finale der Westfalenauswahl. „Etwas unverdient“, sagt Andelko Cavar, der seinem Sohn vor und nach den Spielen Rückhalt gibt. Dennoch weiß Gabriel zu schätzen, auch für die U18-Westfalenauswahl aufgestellt worden zu sein. „Das Turnier ist ein Sichtungsturnier“, erklärt er. „Da standen vermutlich mehr Scouts als normale Zuschauer am Rand“, sagt er grinsend. 

Entdeckt wurde Gabriel bereits von Scouts der kroatischen U18-Nationalmannschaft. Die luden ihn schon zweimal dazu ein, an Spielen im Trikot des kroatischen Teams teilzunehmen. Für Gabriel, der fließend kroatisch spricht, eine große Ehre. „Leider musste ich aber absagen, da ich für die Mannschaft in Bochum eingespannt war“, erklärt der Junioren-Bundesliga-Spieler.

Bis zu sechs Stunden ist Gabriel manchmal zu Auswärtsspielen unterwegs. „Dann fahren wir von Bochum aus im Mannschaftsbus los“, sagt er. Um überhaupt nach Bochum zu kommen, gibt es für den jungen Fußballer einen Fahrdienst. „Wir werden – auch zum Training – von Dülmen aus abgeholt“, so Gabriel. Mit ihm fahren noch zwei weitere Fußballer aus Coesfeld ins Ruhrgebiet: Luca Tersteeg und Justus Das Gupta, die für das U17-Team des VfL Bochum spielen. „Als ich noch in Nottuln gespielt habe, wurde ich auch mal von Pizza-Auslieferern mitgenommen“, erinnert sich Gabriel. Das habe sein Vater organisiert. Überhaupt erhalte er viel Unterstützung von seiner Familie. Andelko Cavar ist bei fast jedem Spiel als Zuschauer dabei – und natürlich stolz auf seinen Sohn.

Auch ein Plan B steht schon

Der 17-Jährige ist sich bewusst, dass er gerade den Traum vieler jugendlicher Fußballspieler lebt. „Ich glaube, dass ich es in die Fußballbundesliga schaffen kann. Ich war schon immer ehrgeizig“, sagt er. „Aber es kann natürlich auch immer etwas dazwischenkommen, da reicht schon eine Verletzung“, weiß Gabriel. Deshalb hat er auch einen Plan B parat: Anders als einige seiner Mitspieler wohnt er nicht in Bochum. Der Familie wegen bleibe er lieber in Coesfeld, sagt er. Derzeit besucht er hier noch die Liebfrauenschule. Dort wird er voraussichtlich im kommenden Jahr sein Abitur machen. Danach möchte er gerne studieren – selbstverständlich irgendwas mit Sport.

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