„Das tun, was ich am meisten liebe“

Interview mit dem U-23-Europameister Manuel Sanders aus Dülmen

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Der Dülmener Leichtathlet Manuel Sanders (Mitte) hat auch für 2020 viele Pläne und Ziele ins Auge gefasst.

Dülmen. Deutscher Meister über 400m, U-23-Europameister und eine Weltmeisterschaft in Doha. All das kann der Dülmener Leichtathlet Manuel Sanders seit diesem Jahr in seiner Biografie aufweisen. Ein junger Sportler auf dem Höhepunkt seiner Karriere. Oder war das nur der Anfang? Streiflichter-Mitarbeiterin Renée Erfkemper sprach mit dem für die LGO Dortmund laufenden Youngstar über das vergangene Jahr, Zukunftspläne und natürlich: Rote-Bete-Saft…

Das Jahr 2019 ist gerade vorbei. Zeit für einen kleinen Jahresrückblick: Was war der sportlich schönste Moment für dich?

Manuel: Definitiv die U-23-EM in Schweden. Gemeinsam mit der 4x400m-Staffel habe ich Gold gewonnen – die erste Goldmedaille seit 20 Jahren für eine deutsche Langsprintstaffel. Gerade nach der bitteren Disqualifikation im Final-Lauf bei der U-20-EM 2017 war der Sieg mehr als Balsam für die Seele. Eine Wiedergutmachung, auf die wir zwei Jahre lang hingearbeitet haben.

Das Leben – besonders das eines Leistungssportlers – ist dennoch nicht immer einfach. Was war die schmerzhafteste Erfahrung, die du bisher gemacht hast?

Manuel: Das Ausscheiden bei der Weltmeisterschaft in Katar mit der 4x400m-Mixed-Staffel tat schon weh. Die Qualifikation für Olympia war zum Greifen nah. Es war ein großes Ziel, aber auch ein realistisches – nun haben wir uns selber die Steine in den Weg gelegt.

Stichwort Ziel: Was möchtest du 2020 erreichen? Dein Erfolgsdurst scheint ja noch lange nicht gestillt.

Manuel: 2020 steht Olympia an. Die Teilnahme mit der 4x400m-Staffel und der Mixed-Staffel ist auf jeden Fall das große Ziel, obwohl die Qualifikation kein Kinderspiel wird. Wir sind nicht chancenlos, trotzdem muss auch einiges zusammenspielen, damit dieser Traum in Erfüllung geht. Zudem möchte ich natürlich meinen Deutschen-Meister-Titel verteidigen.

Wie oft wirst du dieses Jahr trainieren?

Manuel: Sechs bis sieben Mal die Woche. Hinzu kommen Trainingslager auf Teneriffa und in Florida.

Die meiste Zeit verbringst du auf der Tartanbahn oder in Trainingshallen. Auf welche Übung könntest du niemals verzichten?

Manuel: Niemals verzichten? Auf die Tempoläufe im maximalen Geschwindigkeitsbereich zwischen 300 und 450 Meter. Sie sind besonders wettkampfähnlich und extrem anstrengend. Aber der Moment, nachdem ich die Einheit absolviert habe, ist mit Abstand der Beste. Ich kenne kaum ein besseres Gefühl.

Dein Tag ist anders getaktet als der vieler 21-Jähriger. Für welche Eigenschaft bist du dankbar, die du ohne den Sport eventuell niemals an dir entdeckt hättest?

Manuel: Das ist einfach: der Kampf und der Ehrgeiz. Egal, wie ich mich mal fühle – ich stehe jeden Tag auf und verfolge meine Ziele. Ich trainiere hart und verliere den Fokus nie, gerade wenn ich an Olympia 2024 denke. Je weiter das Ziel entfernt scheint, desto mehr Disziplin ist erforderlich. Ich bin dankbar und stolz, diese Erfahrungen durch meine Leidenschaft gemacht zu haben.

Die meisten Sportler haben Rituale. Hast du auch ein besonderes?

Manuel: Meinen Rote-Bete-Saft. Jeden Morgen trinke ich einen halben Liter, um fit in den Tag zu starten. Zudem höre ich vor Wettkämpfen seit drei Jahren die gleiche Playlist, und beim letzten Lied wird mir jedes Mal wieder aufs Neue bewusst: Gleich geht es los – gleich darf ich das tun, was ich am meisten liebe.

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