„Abenteuer Regionalliga weiterleben“

Fußballer Marvin Möllers aus Dülmen spielt bei TuS Haltern in der 4. Liga

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Der Dülmener Marvin Möllers (links) stürmt aktuell für den TuS Haltern in der Regionalliga.

Dülmen. Alemannia Aachen, Rot-Weiss Essen oder diverse U23-Mannschaften aus Schalke, Dortmund oder Düsseldorf – dazwischen der Aufsteiger aus dem vergangenen Jahr, TuS Haltern. In den vergangenen Wochen ein immer wiederkehrender Name in der Startaufstellung. Die Rede ist von Marvin Möllers aus Dülmen. 

Der 26-Jährige mit Nottulner Vergangenheit spielt bereits sein zweites Jahr bei dem Fußballverein aus dem Nachbarkreis und seit dieser Saison in der Regionalliga West. Nachdem er in der in der Oberliga in der Hinrunde verletzungsbedingt ausfiel, kämpfte er sich seinen Weg zurück in die Startelf.

„In dieser Saison habe ich bisher nur ein Spiel gar nicht gespielt“, so Marvin Möllers. „Der Grund dafür war die Hochzeit meines Bruders, für die ich mir ein Spiel freigenommen habe.“ Verständlich, denn der Lehramtsstudent für die Fächer Sport und Spanisch war der Trauzeuge.

Mehr Trainingseinheiten, weniger unterwegs

Aber eigentlich steht für Möllers der Leistungssport im Mittelpunkt. „Natürlich nimmt der Fußball viel Zeit in Anspruch“, weiß der 26-Jährige. „Aber wenn ich darauf kein Bock hätte, würde ich es auch nicht machen.“ Nicht umsonst fährt er vier Mal die Woche zum Training nach Haltern und opfert jedes Wochenende seinem Sport. „Wir spielen immer samstags. Sonntag haben wir dann wieder Training“, beschreibt er ein typisches Wochenende. „Die Einheit unterscheidet sich dann für die Spieler in der Intensität, je nachdem ob sie gespielt haben oder nicht.“

Im Gegensatz zur Westfalenliga in der Möllers vor dem Wechsel für die SpVgg Vreden auf dem Platz stand, bestand die Woche nur aus drei Trainingseinheiten. „Dafür war ich doppelt so lange unterwegs“, erinnert er sich an die knapp einstündigen Fahrten in den Kreis Borken. „Aber das war für mich nie ein Problem, solange ich das Gefühl habe, dass es das Wert ist und mir diese Wertschätzung auch entgegengebracht wird.“

Dabei war dem Dülmener eins immer ganz wichtig: Sich jedes Jahr erneut zu fragen, ob er immer noch zu 100 Prozent hinter seiner Entscheidung steht. „Aus diesem Grund unterschreibe ich nur Verträge, die für eine Saison gültig sind“, verrät der 26-Jährige. Dementsprechend ist abzuwarten, ob Möllers auch im nächsten Jahr für den TuS Haltern auflaufen wird.

Ohne Familie und Freunde geht es nicht

So wird die Nummer 34 des Turn- und Sportvereins genau wie in den zwei Jahren zuvor wieder mit seinem Vater bei den Vereinsverantwortlichen sitzen und darüber sprechen, wie es in Zukunft weiter geht. „Mein Vater ist bei solchen Gesprächen immer dabei“, verrät Möllers. „Er hat einfach nochmal einen anderen Blick und kann mir so während und nach dem Gespräch bei meiner Entscheidung helfen.“ So saßen die Beiden auch gemeinsam beim Gespräch mit dem Trainer, dem sportlichen Leiter und sogar beim Präsidenten Christoph Metzelder. „Seitdem Zwischenfall um seine Person habe ich ihn nicht mehr gesehen“, antwortet Möllers auf Streiflichter-Nachfrage. „Sowas ist für uns Spieler auch nicht relevant.“ Weitaus relevanter ist Möllers dafür die Unterstützung seiner Familie und seiner Freunde. „Bei jedem Spiel stehen mindestens acht bis zehn von ihnen am Rand und feuern mich an“, freut der Student sich über seinen Fanclub. „Darunter neben meiner Freundin und meinem Vater natürlich auch meine Mutter.“ Besonders seine Freundin müsse durch den Fußball oft auf gemeinsame Zeit verzichten. „Sie ist zum Glück genauso fußballverrückt wie ich“, weiß er das Verständnis zu schätzen. „Zudem gibt sie mir zu jeder Zeit den nötigen Rückhalt.“ 

Selbst ein wenig schmunzeln musste Möllers, als er seinen eigenen Marktwert auf der Internetseite transfermarkt.de entdeckte – der dort bei 25 000 Euro liegt. „Freunde haben mich darauf hingewiesen, dass ich jetzt einen Marktwert besitze“,

erinnert er sich. „Ob das wirklich stimmt, sei dahingestellt. Es ist natürlich ein cooles Gefühl, aber ansonsten nur eine willkürliche Zahl“, schmunzelt er. In der Regionalligaist ein Marktwert keine Seltenheit. Die meisten Mannschaften bestehen nur aus Profi-Fußballern, die ihren Lebensunterhalt mit dem Sport verdienen. „Bis auf vier Mannschaften – darunter wir – besteht die Liga nur aus Profis“, weiß der Lehramtsstudent. „Die kommen alle aus Leistungszentren und widmen dem Fußball noch mehr Zeit.“ Dennoch gehören Videoanalysen, Taktiktrainings und viel Disziplin auch zum Trainingsalltag des „Amateurs“. „Ich muss mich halt auch noch um mein Studium kümmern“, erklärt er den Unterschied zu den Vertragsprofis

Weniger Herzblut steckt er deshalb nicht in den Sport. „Ich war schon immer ein sehr ehrgeiziger Mensch“, würde sich der aktuelle Stammspieler nie mit einem Bankplatz zufriedengeben. Und auch wenn die anderen Vereine ganz andere Voraussetzungen haben, weiß der TuS-Spieler, dass sie mithalten können: „Wir haben eine gute Truppe. Nach einer schlechten Phase haben wir aus unseren Fehlern gelernt und sind nun endlich in der Liga angekommen.“ Mut machen ihm auch seine jüngsten Leistungen. „Ich muss einfach noch mehr den Zug zum Tor entwickeln“, weiß Möllers. Hungrig auf Tore war der 26-Jährige immer. Zwar freut er sich über seine beiden Treffer in der aktuellen Spielzeit, aber zufrieden ist er noch nicht. „Ich weiß, dass noch viel mehr möglich ist“, bleibt er selbstkritisch.

Schon Angebote als Spielertrainer erhalten

Langfristig möchte der 26-Jährige Fußballtrainer werden – genau so wie sein Vater und sein Bruder. Dafür hat er bereits über die Universität die Trainer-Lizenz B absolviert. „Ich habe auch schon Angebote als Spielertrainer bekommen“, verrät der Dülmener. „Aber aktuell möchte ich das Abenteuer in der Regionalliga weiterleben.“ Das Ziel dabei ist für ihn klar: Die Liga halten! Ob er in der kommenden Saison erneut im Trikot der Halterner auflaufen wird, entscheidet er bei dem nächsten Vertragsgespräch – natürlich nicht ohne seinen Vater.

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