TSG Dülmen bot Selbstverteidigungskurs für Mädchen

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Trainer Ronald Zeidler musste für die Mädchen als menschlicher Boxsack herhalten.

Dülmen. „Stop! Geh weg!“, schallt es durch den ganzen Raum. Daraufhin folgt für eine kurze Zeit angespannte Stille. Das junge Mädchen streckt im gleichen Zug, wie sie ruft, die Hand in Richtung des vermeintlichen Angreifers, der sichtlich überrascht kurz zusammenzuckt. „Es ist wichtig, dass junge Frauen in Notsituationen dem Angreifer selbstbewusst entgegen treten“, erklärt Rüdiger Schillings, Fitnesstrainer des Selbstverteidigungskurses. „Insbesondere durch die Stimme können Angreifer abgeschreckt werden.“ In diesem Fall handelt es sich zwar nur um eine Demonstration einer solchen Situation, aber im Ernstfall kann das einem das Leben retten.

Die 13- bis 16-jährigen Pfadfinderinnen, die ein Wochenende in der Jugendbildungsstätte „Baustelle“ des Pfadfinderinnen-Diözesanverbands Münster in Dülmen-Daldrup verbringen, besuchen im Rahmen ihres Wochenendes unter dem Motto „Starke Frauen“ die Kampfsportabteilung der TSG Dülmen. Die Trainer Rüdiger Schillings, Ronald Zeidler, Walter Schüring und Norbert Reißmann spenden ihre Freizeit, um den jungen Mädchen die Selbstverteidigung und Selbstbehauptung zu lehren. Nach dem Einlaufen, Seilchenspringen und den ersten Annährungen an die Schlagtechniken taucht plötzlich eine schwarze Gestalt auf. Wie eine Kampfmaschine, die ein bisschen etwas von einem asiatischen Sumo-Ringer hat, steht Ronald Seidler in einem Schutzanzug, den sonst die Polizei bei Demonstrationen trägt, wie er sagt, auf der Matte. Vom Lehrer zum Gejagten – so verwandelt sich Zeidler in einen menschlichen Boxsack. „So können die Mädels sich mal richtig austoben und ihre Schüchternheit ablegen“, erklärt Zeidler.

Nach anfänglicher Zurückhaltung blitzt ein Grinsen in den Gesichtern der Mädchen auf, und mit dem Anziehen der Boxhandschuhe legen sie ihre Zurückhaltung ab. Das dumpfe Geräusch eines Schlags folgte dem Nächsten. Es hagelt auf Zeidler ein. „Einige der Mädchen haben wirklich kräftige Schläge, das spür ich selbst durch den Anzug“, gibt der Übungsleiter zu. Von Minute zur Minute werden die Mädchen größer, die Schläge härter und die Hemmung weniger. „Dabei soll nicht die Aggression gefördert, sondern das Selbstbewusstsein gesteigert werden“, betont Schillings. „Wichtig ist in Notsituationen, dass das nötige Selbstbewusstsein vorhanden ist. Dennoch ist eine gesunde Feigheit immer besser als ein ungesunder Mut“, weist er darauf hin, dass dieser Kurs der reinen Selbstverteidigung dient.

Dass dieser Kurs beitragsfrei angeboten worden ist, liegt an der Motivation der Kampfsporttrainer. „Uns geht es um die gut Sache“, äußert sich der Bulderaner Schillings. „Eventuell bieten wir so einen Kurs im Rahmen des diesjährigen Vereinsjubiläums an.“

Zum Thema: Die Abteilung

Die Kampfsportabteilung der TSG Dülmen gibt es bereits seit 1994. Abteilungsleiter und Gründer Ronald Zeidler bietet seitdem Ju-Jitsu an. Bis heute hat er zahlreiche Schüler zu Kampfsportmeistern ausgebildet. So auch Rüdiger Schillings, der unter Zeidler seine Ausbildung genoss und der Abteilung treu geblieben ist. Die Abteilung bietet neben Ju-Jitsu auch Wettkampfsportarten wie Judo, Karate und Boxen an. Die ausgebildeten Kampfsporttrainer unterrichten Ab-14-Jährige immer dienstags und donnerstags von 19.45 bis 21.15 Uhr in der Gymnastikhalle der TSG Dülmen. Weitere Infos gibt es unter www.tsg-duelmen.de und unter Tel. (02591) 893111.

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