Coesfelder Jung-Schiedsrichter mit dickem Fell

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Tom Gernemann und Simon Krempin pfeifen regelmäßig Fußballspiele.

Coesfeld. Trillerpfeife, Stoppuhr, Notizblock, gelbe und rote Karte – mit dieser Ausrüstung betreten Tom Gernemann und Simon Krempin jede Woche den Fußballplatz. Die jungen Schiedsrichter der DJK Eintracht Coesfeld-VBRS haben ihre Ausbildung vor knapp einem Jahr abgeschlossen und pfeifen seitdem bei Kreisliga-Spielen.

Die 15-Jährigen sind selbst keine aktiven Fußballer. Doch Simons Bruder und Toms Patenonkel dienten als Vorbild, sodass die beiden sich für den Schiedsrichter-Lehrgang des Fußballkreises Ahaus/Coesfeld anmeldeten. An fünf Abenden vermittelte ein Lehrwart den 20 Schiedsrichter-Anwärtern alle wichtigen Grundlagen und Regeln. Danach waren sie gut vorbereitet für die theoretische Prüfung mit der Beantwortung von Fragebögen sowie den körperlichen Test mit Laufübungen. Schiedsrichter müssen schließlich auch eine gewisse Fitness mitbringen, da sie ähnlich viel laufen wie die Spieler und nicht ausgewechselt werden können.

Seitdem stehen die Schüler circa ein- bis zweimal pro Woche als Schiedsrichter auf dem Fußballplatz. „Bei den ersten drei Spielen wurden wir von erfahrenen Schiris begleitet, die uns ein bisschen unter die Arme gegriffen haben“, erklärt Simon Krempin das sogenannte „Patensystem“. Die Coesfelder pfeifen bei Spielen von Mädchen und Jungen bis zur B-Jugend, außer bei Partien des eigenen Vereins. „Am weitesten müssen wir nach Ahaus und Lüdinghausen fahren.“ Wenn die Spielorte nicht mit dem Fahrrad zu erreichen sind, springen die Eltern als Fahrer ein. Zu den Aufgaben gehört dann nicht nur das Pfeifen, sondern auch die Vor- und Nachbereitung des Spiels: „Man kontrolliert zum Beispiel die Pässe und klärt ab, in welchen Trikotfarben gespielt wird“, sagt Tom. Sie haben selber zwei Trikotfarben zur Auswahl, wovon sie die auswählen, die sich von denen der beiden Mannschaften unterscheidet. „Nach dem Spiel muss der Spielbericht ausgefüllt werden.“ Wichtig sei, mit Motivation auf den Platz zu gehen.

Ob Elfmeter, Abseits oder Rote Karte – Ein Schiedsrichter muss blitzschnell Entscheidungen treffen. Doch wie handelt er bei strittigen Situationen? Wenn er der Meinung ist, eine schwierige Entscheidung zunächst falsch getroffen zu haben, darf er sie zurücknehmen, solange er die Partie noch nicht wieder angepfiffen hat. „Ansonsten sollte man sich nicht den Kopf darüber zerbrechen und einfach weitermachen“, meint Simon. Tom ergänzt: „Manche Menschen werden auf dem Platz zu anderen Menschen. Falls jemand vor Wut überreagiert, kann es helfen, ihn hinter die Bande zu stellen. Man muss ein dickes Fell haben.“ Solche Maßnahmen erfordern außerdem Durchsetzungsvermögen und Selbstbewusstsein. „Als Schiedsrichter entwickelt man sich auf jeden Fall persönlich weiter“, so Simon. Das Ehrenamt sei auch ein Vorteil bei Bewerbungen, beispielsweise für Schülerpraktika. In ihrer Liga erhalten die 15-Jährigen neben der Fahrtkostenerstattung eine Aufwandsentschädigung von 10 bis 20 Euro. Mit ihrem Schiedsrichter-Ausweis haben sie zudem freien Eintritt bei nicht ausverkauften Bundesliga-Spielen. „Bei einem Schalke-Dortmund-Derby ist die Chance auf Karten dann natürlich eher gering“, lacht Tom.

Wer Interesse hat, auch Schiedsrichter zu werden, muss folgende Voraussetzungen mitbringen: Mindestens 14 Jahre alt und Mitglied in einem Sportverein sein, mit dem Auto, dem Motorroller oder den Eltern mobil und für regelmäßige Einsätze bereit sein – bei der DJK Eintracht Coesfeld-VBRS sind es mindestens 13 Spielleitungen pro Saison.

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