Coesfelder Fußballerin auf Erfolgskurs: Interview mit Anna Aehling

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Die Coesfelderin Anna Aehling (rotes Trikot) spielt für den FSV Gütersloh in der zweiten Frauen-Bundesliga.

Coesfeld. Von der DJK-VBRS Coesfeld über die SG Coesfeld 06 bis hin zum FSV Gütersloh. Von der Kreisliga bei den Jungen in die zweite Bundesliga der Frauen. Das hat die Coesfelderin Anna Aehling in den letzten 13 Jahren geschafft. Mittlerweile kickt sie bei den ganz Großen mit und konnte mit dem Deutschlandkader der U17-Fußballerinnen bereits an der EM in Litauen und der WM in Uruguay erfolgreich teilnehmen. Aehling hat Streiflichter-Mitarbeiterin Lotte Köhne verraten, wie sie zum Fußball gekommen ist, was ihre größten Erfolge sind und wie es ist, bei großen Turnieren mitzuspielen.

Wann und wie bist du zum Fußball gekommen? 

Anna Aehling: 2006 bei der Männer-WM saßen mein Bruder und ich zusammen vor dem Fernseher und haben uns jedes Spiel angeschaut. Das hat uns dann so sehr inspiriert, dass wir in der Halbzeit schon immer im Garten ein bisschen gespielt haben. Kurz danach haben wir uns dann zusammen im Verein angemeldet.

Was ist das Besondere für dich am Fußball und was macht den Sport für dich aus? 

Aehling: Das Besondere ist der Mannschaftszusammenhalt. Für mich gibt es nichts Besseres, als mit der Mannschaft auf dem Platz zu stehen und füreinander zu kämpfen und sich für den Anderen einzusetzen. Man ist nie alleine. Wenn man einen Fehler macht, bügelt ein Anderer ihn wieder aus – oder eben anders herum.

Du hast zunächst für die DJK Coesfeld gespielt und bist dann zur SG Coesfeld gewechselt. Danach hast du noch mal den Verein gewechselt. Wohin bist du gegangen und warum? 

Aehling: Ich bin im Sommer 2017 zum FSV Gütersloh gewechselt. Zuvor hatte ich mich bei einem Spiel sehr schlimm verletzt. Ich hatte einen mehrfachen Sprunggelenk-Bruch im rechten Fuß. Meine Mutter wollte dann nicht mehr, dass ich bei den Jungen weiter spiele (lacht).

Wie war diese Zwangspause für dich? Kamst du danach wieder gut ins Spiel rein? 

Aehling: Die Verletzungspause war sehr hart, weil ich immer alle Anderen hab spielen sehen und ich bemerkt habe, wie sehr sie sich weiter entwickeln. Ich wollte immer so schnell es geht wieder auf dem Platz stehen, aber es hat ein bisschen länger gedauert als geplant, und mit der Geduld hab ich es einfach nicht so. Nach etwa einem Jahr durfte ich dann zum Glück endlich wieder ran. Das erste Spiel wurde ich dann nur für die letzten zehn Minuten eingewechselt, und da hatte ich, glaube ich, einen Glücksmoment erwischt, weil ich in dieser kurzen Zeit noch zwei Tore vorbereiten konnte. Danach war es aber sehr schwierig, wieder rein zu kommen, weil ich im ersten Moment noch gedacht habe, dass noch alles einigermaßen klappt. Damit lag ich aber leider total falsch. Ich glaube, es hat fast ein halbes Jahr gedauert, bis ich wieder einigermaßen an meine vorherigen Leistungen ran kam. Das Einschätzen der Bälle oder der Abstand zum Gegner fiel mir echt schwer, und ich musste es mit der Zeit wieder lernen. Ab da ist mir auch bewusst geworden, wie wichtig die Spielpraxis ist. Aber jetzt bin ich wieder topfit, und ich freue mich jede Woche wieder auf das Wochenende, weil da unsere Spiele anstehen.

Was waren bisher deine größten Erfolge und schönsten Erfahrungen?

Aehling: 2018 konnte ich mit dem U17-Deutschlandkader an der EM in Litauen und der WM in Uruguay teilnehmen. Wir wurden Vizeeuropameister und haben bei der WM das Viertelfinale erreicht. Außerdem konnten wir ebenfalls 2018 den Klassenerhalt in der zweiten Frauenbundesliga sichern und 2016 den Länderpokal gewinnen. Das waren so meine größten Erfolge und schönsten Erinnerungen zusammen.

Was war das für ein Gefühl, als ihr euch im Finale der EM 0:2 gegen Spanien geschlagen geben musstet? 

Aehling: Das war sehr bitter. Vor allem weil wir im Halbfinale noch 8:0 gegen England gewonnen haben und eine richtig gute Leistung gezeigt haben, die wir im Finale dann nicht mehr abrufen konnten. Das war mit das Enttäuschenste. Einfach, weil wir wussten, dass viel mehr drin war. Dann kam auch noch dazu, dass Spanien ein Erzrivale von Deutschland ist und es dann noch bitterer war, uns gegen die geschlagen geben zu müssen.

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