Bulderner David Schepp startet bei Olympischen Spielen der Jugend in Argentinien

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David Schepp (links) und Klaus Zerta im Gespräch über Jugendolympia heute und im Jahr 1960 – anhand eines Fotoalbums.

Buldern. Ab heute vertritt David Schepp aus Buldern die Bundesrepublik Deutschland bei den Olympischen Spielen der Jugend im argentinischen Buenos Aires – im Nationaldress tritt er im Speerwurf an. Im Vorfeld seiner Jugendolympia-Teilnahme traf er sich in Buldern mit Klaus Zerta, der – 13-jährig – als Steuermann im Zweier-Ruder 1960 in Rom olympisches Jugend-Gold gewann. Und damit der jüngste Olympiasieger Deutschlands wurde – ein Titel, der noch heute Gültigkeit hat.

Als David Schepp mit seinem Olympia-Trainingsanzug und seinem Speer zur Tür reinkommt, funkeln die Augen des jüngsten deutschen Olympiasiegers von 1960, Klaus Zerta. Der ehemalige Ruder-Steuermann erinnert sich noch gut an seine Zeit bei Olympia und ist gespannt, was sich im Vergleich zu damals geändert hat. Schepp, der in diesem Jahr bei der Jugendolympia in Buenos Aires antreten darf, hört gespannt zu, was der erfahrende Sportler bei seiner Teilnahme 1960 in Italien erlebt hatte. Der eine hat das, was der andere gerne gewinnen möchte – die olympische Goldmedaille.

Sichtbar auch ein wenig stolz zeigt Klaus Zerta sein Arbeitszimmer, in dem er all seine Erinnerungen an sein Abenteuer Olympia aufbewahrt. Auffällig ist die große Urkunde, die in etwa die Größe eines DIN-A3-Blattes hat. Davor weitere Erinnerungen, Bilder und sogar ein Cocktailshaker. „Den haben wir damals von Coca-Cola geschenkt bekommen“, erklärt Zerta. Und an der Wand die wohl schönste Erinnerung – die Goldmedaille. Nicht so glänzend wie erwartet, aber vom persönlichen Wert wohl unbezahlbar. Ebenso wie das silberne Lorbeerblatt, das er als Anerkennung für seine Leistung vom deutschen Staat bekommen hatte.

„Am Anfang dachte ich erstmal nur an das, was mein Team und ich erreicht hatten. Erst als wir wieder in Deutschland waren, erkannte ich, welche Reichweite das Ganze nach sich zog“, erzählt er über die Rückkehr in seinen damaligen Heimatort Gelsenkirchen, wo er gebührend empfangen wurde. „Die Straße vom Hauptbahnhof bis zum Ruderverein war nicht mehr zu sehen, so viele Menschen waren dort.“

Ähnliches erhofft sich der 18-jährige David Schepp bei seiner Teilnahme an den Olympischen Jugendspielen vom 5. bis zum 18. Oktober in Buenos Aires. Qualifiziert hatte er sich über seine guten Leistungen auf nationalem und sogar internationalem Niveau. Was beileibe nicht selbstverständlich war. Denn der junge Speerwerfer musste sich noch Ende 2017 einer Meniskusoperation unterziehen.

„Ich hatte Glück, dass die Heilung so schnell und perfekt verlaufen ist“, freut sich Schepp, der schon Ende April wieder ins Aufbautraining starten konnte. Bis zur Operation war Schepp Zehnkämpfer für die TSG Dülmen, doch mit dem Jahreswechsel folgte er seinem Stützpunkttrainer Thomas Brack in die Leichtathletikabteilung von Preußen Münster, wo er sich nur noch auf Wurfdisziplinen konzentrierte.

„Durch meine sehr vielseitige Grundausbildung habe ich gute Voraussetzungen. Es gibt Werfer, die kommen nur über ihre Kraft, und es gibt andere, die es über die Technik schaffen, weit zu werfen. Ich zähle definitiv zu den ‚Technikwerfern’“, verrät Schepp. „Natürlich muss die Veranlagung stimmen, und ohne ein bisschen Talent geht es auch nicht. Am Wichtigsten ist aber der persönliche Ehrgeiz und die Motivation, sich immer weiter zu verbessern.“

Der Schüler des Richard-von-Weizsäckers-Berufskollegs wird für die Zeit vom Unterricht freigestellt. Für die 19-tätige Reise nach Argentinien übernimmt der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) sämtliche Kosten. Die 75 nominierten Sportler treffen sich dabei zunächst in Frankfurt, die Anreise dorthin muss Schepp ebenfalls nicht bezahlen. Von dort aus geht es direkt nach Buenos Aires, wo er mit dem gesamten Kader in einem hergerichteten olympischen Dorf untergebracht wird. „Da hat sich von der Organisation von damals zu heute nichts geändert“, erinnert sich Zerta an die Zeit in Italien.

Geändert hat sich wohl etwas für den Fall, dass Schepp eine Medaille gewinnen sollte. „Früher gewann man neben der Medaille sowie der Urkunde lediglich einen festen Händedruck“, erzählt Zerta. Was es heutzutage zu gewinnen gibt, wissen beide nicht genau, aber ein bisschen wird es wohl sein, vermuten sie. Sein Leben mit dem Sport zu finanzieren, da sind sich die beiden Sportler aus Buldern einig, funktioniert so nicht.

Klaus Zerta fing damals eine Ausbildung zum Bautechniker im Stahlbau an; als solcher arbeitete er bis zu seinem Vorruhestand in Ingenieurbüros. „Sport war dann nur noch ein Hobby für mich und ist es immer noch“, so der 71-Jährige. „Als ich aus Gelsenkirchen in Richtung Münster und damit weg vom Wasser zog, suchte ich mir andere Sportarten. Bis heute bin ich aktiver Golfer und Tennisspieler.“ Auch wenn er sein Hobby nicht zum Beruf machte, Sport ist bis heute ein wichtiger Bestandteil seines Lebens.

Der junge Schepp hat auch schon einen Plan für seine berufliche Zukunft: „Die Bundespolizei oder auch die Bundeswehr haben viele Angebote, Sport und Arbeit zu verbinden.“ Auf diese Weise kann er innerhalb seines Berufs durch die Spitzensportförderung weitertrainieren und so indirekt mit seinem Sport Geld verdienen. In Kooperation mit den Vereinen unterstützen die Arbeitgeber die Sportler, sich weiter zu entwickeln. „Aber erstmal konzentriere ich mich auf das Hier und Jetzt“, so der Schüler. „Für mich ist die reine Olympiateilnahme schon ein riesen Abenteuer.“

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